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1. Mose 6,18

1. Mose 6,18

Andachten

Mit dir will ich einen Bund aufrichten.
Diese Worte sind aus der Geschichte Noahs genommen. Noah war zu seiner Zeit der Einzige, mit dem Gott zu etwas Besserem sich einlassen konnte; und mit ihm kann und will Gott einen Bund machen. Das ist das erste Mal, dass das Wort Bund in der Bibel vorkommt, ein vielsagendes Wort, wenn Gott sich entschließt, einen Bund zu machen mit den Menschen. Es wäre freilich solcher nicht nötig gewesen, wenn der Mensch nicht in die Sünde gefallen und dadurch von Gott abfällig geworden wäre. Der Bund nun zielt auf die Wiederbringung des Menschen; und mit Noah wird gleichsam wieder angeknüpft, wobei aber die übrige Menschheit zuvor weggerafft werden musste, weil sie sich ja insgesamt nicht mehr durch den Geist Gottes strafen ließ.“ (1 Mose 6, 3.)

Noah muss ein Mann gewesen sein, der Gott gleichsam zu einem Bunde herausforderte, sofern er ihm mit Bitten und Flehen anlag, ihn doch nicht mit der übrigen Sündenwelt in das gemeinschaftliche Los des Verderbens kommen zu lassen. Darum sagt Gott: „Ich will einen Bund mit dir machen,“ d. h. „Ich schütze dich, Ich werde dich nicht mit den Andern verderben.“ Auf diese Weise ist der Bund Gottes in der neuen Menschenwelt einheimisch geworden; und der Bund ist nicht wieder zurückgenommen worden. Denn wenn Gott mit Jemanden einen Bund machte, machte Er denselben nie mit ihm allein, sondern immer mit seinem ganzen Samen. Als Noah nach der Sintflut opferte, war's wieder seine Bitte, Gott möchte doch hinfort ihn und seine Familie in Seinem Gnadenschutz haben. So erneuerte Gott den Bund; und sofern er seinem ganzen Geschlechte galt, ist in ihn die ganze jetzige Menschheit eingeschlossen. Dieser Bund sagt aber zunächst nur, es solle kein allgemeines Verderben mehr über alle Menschen kommen. Wohl seien, hieß es, die Menschen böse von Jugend auf; aber um deswillen will doch Gott nicht mehr die ganze Welt verderben.

So bestand einmal irgendwelcher Bund zwischen Gott und den Menschen. An ihn erinnert Gott auch im Propheten Jesaia (54,9), zum Beweis, dass er seine Geltung und Bedeutung behielt. In der Folge hat es noch weitere Bündnisse gegeben; und das erste war das mit Abraham. Diesmal gilt aber der Bund nicht bloß dem Abraham und seinem Geschlechte, mit Ausschluss der übrigen Welt, wie es bei Noah gewesen war; sondern ausdrücklich heißt es, dass durch den Samen Abrahams alle Völker der Erde sollen gesegnet werden. Nicht umsonst sollte die Menschheit ihr Leben fristen dürfen; ihr Fortbestand sollte ins ewige Leben übergehen nach dem herrlichen Gnadenrate Gottes. So erzog sich vorerst Gott aus Abrahams Samen ein eigentliches Bundesvolk, aus welchem zuletzt der Heiland, der Retter der ganzen Welt, erstehen sollte. Jetzt ist's jedem Menschen durch die Verkündigung des Evangeliums heimgestellt, einen Bund mit Gott zu machen, nämlich den Bund eines guten Gewissens mit Gott durch die Auferstehung JEsu Christi,“ wie Petrus es ausdrückt (1 Petr. 3, 21), „und zwar, wie er hinzusetzt, in der Taufe, welche durch jenes bedeutet ist,“ nämlich durch das Wasser, von welchem Noah behalten wurde.

Wir sehen, in welch einem herrlichen Zusammenhang die Heilige Schrift von Anfang an steht, und wie der Rat Gottes zur Erlösung der Menschen unter allen Gerichten, die Er verhängen musste, fortbestand. Das Ziel aber aller Bündnisse Gottes mit den Menschen ist, dass endlich eine Hütte Gottes bei den Menschen werde, und Er unter ihnen wohne, und sie Sein Volk seien, und Er selbst, Gott mit uns, unser Gott, (Off. 21, 3), Eins in Ihm durch Christum in alle Ewigkeit!


Zusatz 41. (Noahs Bund.) Der erste Bund mit Noah war der Art, dass die übrige Menschheit nicht eingeschlossen werden konnte, eben weil sie alle Aufforderung zur Buße in der Frist von 120 Jahren ausdrücklich zurückwies. Was in Noah war, konnte auf die Andern nicht übergepflanzt werden, sofern sie ja Alle umkamen. So blieb Noah allein übrig und wurde er gleichsam der zweite Adam. (Nahe daran war es ja auch einmal, dies beiläufig zu sagen, dass Mose sollte ein großes Volk werden, an Israels Statt, das der HErr ganz vernichten wollte, weil es schien, als ob es in ähnlicher Halsstarrigkeit sich befände, wie die zu den Zeiten Noahs. Zweimal, vergleiche 2 Mos. 32, 10 u. 4 Mos. 14, 12 ff., sprach es Gott gegen Mose aus.) Darum aber, weil ein tiefer gehender Bund mit Noah geschlossen wurde, der auch seinen Nach kommen galt, konnte kein späterer Bund so gemacht werden, dass die andern Völker, die doch alle von Noah abstammten, sollten gar ausgeschlossen sein. Deswegen konnte ein Bund mit Abraham nicht mehr anders geschlossen werden, als dass in ihm ein Seitenblick auf die andern Völker alle geworfen wurde, und man kann sagen, eben um Noahs willen, da Gott auch mit seinen Söhnen den Bund machte (1 Mos. 9, 8.9). Gott kann jetzt gleichsam nicht mehr ein Volk allein segnen, mit Ausschluss der Andern, weil es sonst im Widerspruch mit dem Bunde gewesen wäre, den Er mit Noah schloss. Gott machts immer so, dass Er Bund und Treue halten muss, denen, welchen Er's zugesagt hat, auch wenn diese längst nicht mehr auf der Erde lebten, wie sich deswegen Gott gerne als den Gott Abrahams, Isaks und Jakobs ankündigte. Darum wird auch Noah dem Volke öfter wieder in Erinnerung gebracht, wie Jes. 54, 9, so auch Hes. 14, 14, da er neben Daniel und Hiob genannt wird, wie wenn Gott sagen wollte, dass Er auch noch gegen Noah eine Verpflichtung habe.

Der Bund mit Noah hatte insofern schon eine höhere Bedeutung, als in demselben es bestimmt ausgesprochen war, dass keine Sünde der Menschen fernerhin Gott bestimmen solle, alle zumal aufzureiben. Denn ausdrücklich heißt es (1) Mos. 8, 21): „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen, obwohl das Dichten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf.“ Hierin lag bereits ein stiller Wink darauf hin, dass es Gott hinfort auf Vergebung der Sünden absehe. Der Bund mit Gott will also die Geduld Gottes mit den Menschen ankündigen, offenbar auf Hoffnung; und Noahs Treue und Opfer wehrte den Anklagen des Widersachers der Menschen, des Satans. So, kann man sagen, ist der Bund, wie jeder Bund, zugleich ein Schutz wider die Mächte und Kräfte der Finsternis, die Zusage einer Bewahrung vor dem Argen, vor den Listen und Anläufen des Teufels, dass nämlich keine Macht der Hölle solle im Stande sein, auf Seiten der Menschen Alles zu verderben. Darein ist weiter eingeschlossen das Bestreben Gottes, zuletzt auch das Verderbte, so viel nur immer möglich, wiederzubringen.

Dies führt uns zu einer weiteren Betrachtung bezüglich der Zeitgenossen Noahs. Diese, wie vor Augen liegt, konnten nicht mehr in den Bund mit Noah eingeschlossen werden, und schienen so, da sie ja Alle vertilgt wurden, für immer rein und unrettbar auf die Seite geschoben, ohne es mehr zu verdienen, als das neue Menschengeschlecht. Da ist es aber merkwürdig, wie auch dieser ganz dahingegebenen Menschheit doch wieder in Gnaden gedacht wird im Neuen Bunde durch Christum; und ganz. eigentümlich muss es uns zu Mute werden, wenn wir bei Petrus (1 Petr. 3, 19.20) lesen, wie der HErr nach Seinem Verscheiden den Geistern im Gefängnis gepredigt habe und zwar vornehmlich denen, die etwa nicht glaubten, da Gott einstmals harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurichtete.“ So kommt auch diese zum Tod gerichtete Menschheit wieder in den Bereich der Gnade; und die Möglichkeit, wie das nun sei, sich auch retten zu lassen, wird ihnen gegeben durch Christum, der als der zweite Adam Alles von Adam an, also auch die Menschheit vor Noah, auf dem Herzen tragen wollte, sie wo möglich vor dem ewigen Verderben am jüngsten Tage zu bewahren. „ welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind Seine Gerichte, und unerforschlich Seine Wege!“ (Röm. 11, 33). (Christoph Blumhardt)

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