1. Mose 40,20
Andachten
Und es geschah des dritten Tages, da beging Pharao seinen Geburtstag, und er machte eine Mahlzeit allen seinen Knechten.
Zweimal berichtet uns die Schrift von der Art und Weise, wie Fürsten ihren Geburtstag gefeiert haben. Herodes beging ihn mit einem Gastmahl, da Fleischeslust, Augenlust und Hoffart den Tanz der Tochter begleiteten, bis des Herodes Sinne umnebelt waren und das Haupt Johannis blutend in den Sand des Kerkers fiel. Pharao gab allen seinen Knechten eine Mahlzeit, bei der er - ob nach Recht oder nach Laune - den Mundschenken hoch erhob und den obersten Bäcker erhängen ließ. Wie nun aber Christen ihren Geburtstag feiern sollen, lasst uns in Einfalt sehen.
Dass man seines Jahrestages gedenken darf, ist gewiss; denn eine solche Erinnerung ist nach vielen Seiten segensreich. In demütiger Erkenntnis unsrer Unwürdigkeit denken wir an die im bisherigen Lebenslauf täglich neu gewordene Treue Gottes und bitten am Gedenktage um eine Reinigung unsres Gewissens von jeglichem Fluch der Sünde, damit keine Otternbrut sich in das neue Lebensjahr einschleiche. Wir bitten um den Geist Gottes, dass er in uns den ernstlichen Vorsatz wirke und festige, die uns noch verliehene Lebenszeit besser anzuwenden und in reinerer Liebe und mit sorgfältigerem Vorbild allen unsren Mitmenschen zu dienen. Wir bitten, Gott wolle in uns die Zuversicht mehren, dass alles, was das neue Lebensjahr bringt, uns zum besten gereichen möge, dass er uns das Vertrauen stärke, er werde uns auch alles geben, was zur leiblichen Notdurft für uns und unsre Lieben gehört. Ihm sind die Hinderungen und die Gefahren bekannt, aber er ist der Vater auch der Witwen und Waisen, und der, welcher von einem irdischen Haushalter verlangt, dass er seine Hausgenossen zuerst versorge, wird uns nicht Mangel leiden lassen. Wir möchten gewissenhafter sein in Anwendung der Gnadenmittel, die eine gesegnete Benutzung des neuen Jahres ermöglichen, als da sind: Wachsamkeit im Blick auf vielleicht kommende innere und äußere Stürme, Nüchternheit im Gegensatz zu unchristlichem Wesen auch in Beziehung auf das Genießen; Gebet und Fürbitte für uns und alle Werke des Reiches Gottes und endlich eine offene Hand, um der Armen zu gedenken in diesen für sie schweren Zeiten. Wohl dürfen wir den Jahrestag mit Freuden begehen, aber nur dass wir nicht vergessen den Herrn einzuladen, dass er unser Gast sei und unsre Gaben segne.
So wollest du, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, alle, die heute ihren Geburtstag feiern, also ausrüsten mit der Demut und Selbsterkenntnis, mit der Dankbarkeit und dem Vertrauen, mit der neuen Liebe und dem Mut, dessen sie bedürfen. Lege auf sie deine Rechte und sprich zu einem jeden: Niemand soll dich aus meiner Hand reißen! Amen. (Rudolf Wenger)