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1. Mose 3,9

1. Mose 3,9

Andachten

Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten, und fürchtete mich, denn ich bin nackend, darum versteckte ich mich. Und er sprach: wer hat dir's gesagt, dass du nackend bist? hast du nicht gegessen von dem Baume, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, dass ich aß!
Ach, des großen Jammers! die Stimme, welche ihnen die allerliebste sein sollte, erschreckt sie und sie fürchten sich vor Dem, der ihnen von Seinem Odem gegeben und zu Seinem Bilde gemacht hat! ach, der großen Verstörung! unter Bäumen glauben sie sich verstecken zu können vor den alldurchdringenden Gottes-Augen! Und doch ist das Alles noch nicht das Schlimmste! die Verstocktheit des unbußfertigen Herzens ist es, die sich selbst nicht anklagen, sondern die Schuld von sich abschieben will, der Mann auf das Weib und das Weib auf die Schlange; ja, im letzten Grunde in Frevel ausartet, da der Mensch spricht: Das Weib, das Du mir zugesellt hast! Ja, wahrlich, es hat sich in furchtbarster Weise erfüllt: Des Tages, da ihr davon esst, werdet ihr des Todes sterben: hier ist der geistliche Tod vollendet, und damit das Sterben vorhanden. Leib, Seel' und Geist sind davon ergriffen: der Leib verunreinigt und also der Verwesung anheim gefallen! Die Seele verwirrt und verstört in Irrtum und Torheit; der Geist in offener Empörung gegen seinen Urheber! Da möchten wir wohl wehklagen: Ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende! Aber nicht also, meine Seele! hier ist Jesus! „Dein König kommt in niedern Hüllen!“ siehe, wie Er sich Dir darbietet, ein Wiederhersteller und benedeiter Arzt für all' Deine Sündenkrankheit! Du schämst Dich Deiner Nacktheit, denn Du bist bloß und befleckt! nun, hier hängt Er nackt am Kreuze! so hat Seine heilige Blöße Deine Nacktheit gesühnt! Du bist in Deiner Seele verfinstert und sehr dunkel! hier ist Er: klar und hell, von Licht durchleuchtet, und wer Ihm nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis! Du bist in Deinem Geiste aufrührerisch und voll Ungehorsam; hier ist Er mit Seinem allerheiligsten Seufzen: Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! ein Solcher hat sich uns zum Bruder gegeben! ja, Er ist unser himmlisches Haupt geworden. O Du königliches Haupt im Himmel! lass von Dir Lebensströme auf uns fließen, so müssen die Bäche Belials verrauschen! (Nikolaus Fries)


Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
Wenn Gott zu dem Sünder spricht: „Wo bist du?“ so ist das nicht eine Frage des Unwissenden, sondern eine Bestrafung von dem Allwissenden. Wo bist du? das heißt nicht: An welchem Orte bist du? sondern vielmehr: In welchem Zustande bist du? Denke über dich selber nach, stehe still auf dem Wege, auf dem du bisher dem Verderben entgegeneiltest, besinne dich und erkenne, wohin du schon durch deine Sünde geraten bist, wohin du noch geraten wirst, wenn du nicht umkehrst. Wo bist du? Wie warst du so glücklich in deiner Unschuld, wie hattest du so viel Freude, wie hell schien dir die Sonne, wie freundlich war die Erde. Und nun hast du ein böses Gewissen, und deine Freude ist dahin. Du suchst Freude und findest sie nicht. Du möchtest dich zerstreuen, aber der innere Ankläger folgt dir überall hin. Das Licht scheint dir verdunkelt, alle Freundlichkeit Gottes, die er hier auf Erden offenbart, macht dir keine Freude. Du warst glücklich, und nun bist du unglücklich! Wo bist du?“ Du konntest zu Gott nahen und im Gebete ihm alle deine Anliegen sagen, und wenn du es tatest, wurde deine Seele erquickt und mit Frieden erfüllt. Nun bist du von Gott geschieden. Du möchtest beten und du kannst nicht; denn es ist etwas da, was dich von Gott scheidet. „Eure Sünden scheiden euch und euren Gott von einander.“ Du warst selig und nun bist du unselig. Wo bist du?“ Du gingst einen Weg, von dem du wusstest, dass er dich zum ewigen Leben führt. Darum konntest du mit Ruhe, ja selbst mit Freuden an den Tod denken und hattest wohl sogar Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein. Jetzt gehst du einen Weg, von dem du weißt, dass er in den ewigen Tod führt. Darum fürchtest du dich vor dem Tode, denn du weißt, alles, was du hast, nämlich die Lust dieser Welt, wird er dir nehmen, und was du nicht hast, ein gutes Gewissen, kann er dir nicht geben. Du warst lebendig und nun bist du tot. Wo bist du, wo bist du?“ Wohin haben deine Sünden dich gebracht? In das Unglück, in die Unseligkeit, in den Tod! So redet Gott zu dem Sünder, wenn er ihn zuerst aufweckt. Wohl uns, wenn Gott so zu uns redet, oder vielmehr, da er ja immer und zu jedem so redet, denn er will sich ja aller erbarmen, wohl uns, wenn wir seine Stimme hören. Darin besteht die Erweckung aus dem Schlafe, aus dem Tode der Sünde. Das Werk der Rettung ist damit noch nicht vollendet, aber es ist angefangen. Der Herr, der es angefangen hat, der wird es auch vollführen. Durch manchen Schmerz wird es noch hindurchgehen, aber durch heilsamen Schmerz, durch tiefe Traurigkeit, aber durch solche, die da wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereuet. Nun, der barmherzige Gott erwecke auch uns zu lebendiger Reue, auf dass wir als bußfertiger Sünder Teil bekommen an dem Heil, welches uns unser hochgelobter Heiland Jesus Christus am Kreuz erworben hat. (Gustav Leopold Plitt)

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