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1. Mose 3,23

1. Mose 3,23

Andachten

Da ließ ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist. Und trieb Adam aus, und lagerte vor den Garten Eden den Cherub mit einem bloßen hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baume des Lebens.
Auf Erden kein Paradies mehr! Jüngling, Jungfrau! Du suchst es vergebens. Durchziehe die Länder, durchfurche die Meere, weder dort noch daheim, - an keinem Orte dieser Erde wirst du es finden. Überall Mühe und Arbeit, Schmerz und Kummer, Elend und Tod. Der Jüngling meint wohl im Vollgefühle des Lebens es sich erobern zu können und steckt sich Ziele, mit deren Erreichung er es gewonnen wähnt aber sobald er hat, was er wollte, muss er sich bald sagen: das war es nicht, was du meintest. Auf denn, und suche ein anderes! Aber auch dieses und jenes enttäuscht ihn, bis er endlich selber erfährt, was der Greis ihm sagt, und was er nicht glauben konnte: Auf Erden kein Paradies mehr. Die Jungfrau meint wohl, wenn sie sich im Geiste an die Seite des Mannes versetzt, der sie erwählt, wenn sie Genossinnen schaut, wie sie Mütter herziger Kinder geworden sind, oder wie die erwachsenen Kinder die Mutter mit liebender Sorgfalt umgeben, da sei das Paradies, welches auch sie erwarte - aber ach, auch hier ist kein ungetrübtes Glück: kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen, und der Tod ist noch nicht der schlimmste Feind, welcher beständig den Frieden der Familie bedroht. Der flammende Cherub hat sich auf Gottes Geheiß vor die Pforten des Paradieses gelagert, und verweigert unerbittlich jedem Nachkommen Adams auf dieser Erde den Eingang zum Baume des Lebens, zur ungestörten Freude und zum Anschauen Gottes. Kurz ist das Leben und voller Mühe; wir müssen arbeiten, um die Güter der Erde zu erwerben, die wir brauchen, und wer es nicht tut, hat doppelt Leid davon, und am Ende lohnt sie all unsere Mühe, indem sie ihr Teil von uns zurückfordert und wieder zur Erde verwandelt, was von ihr genommen war. Aber Gott der Herr entzog nicht dem Baume des Lebens seine ihm verliehene Kraft, noch auch zerstörte Er das Paradies vor den Augen der ersten Eltern, er verschloss es nur vor ihnen, anzudeuten, dass es erhalten und verwahrt bleiben soll auf die Zeit der Vollendung, da die Sünde durch das Gericht wird getilgt, der Tod durch den Schlangentreter wird aufgehoben sein und auf der neuen Erde des himmlischen Jerusalem der Baum des Lebens wieder wachsen und Früchte tragen wird. Und ob der äußerliche Besitz des Paradieses für jetzt in diesem Leben noch verloren bleibt, so winkt es uns doch jenseits, denn seit dem Einzuge Jesu mit dem Schächer am Kreuze, steht es wenigstens droben wieder offen, und dieser Hoffnungsstrahl, welchen der Glaube festhält, erleuchtet den dunkeln Pfad dieses Lebens und verklärt endlich seine dunkelste Stunde, die Stunde des Todes. Durch diese Hoffnung wird uns dies elende Leben dennoch von hohem Werte, weil es die Zeit der Erziehung und Vorbereitung auf das jenseitige Paradies ist, aus welchem die sündig gewordenen Menschen verstoßen wurden, damit sie als Versöhnte und Erlöste in dasselbe so zurückkehren könnten, dass sie nimmer der Gefahr ausgesetzt sind, es abermals zu verlieren. Inzwischen sind wir fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und halten an am Gebet. (Anton Camillo Bertoldy)


Da ließ ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist. Und trieb Adam aus, und lagerte vor den Garten Eden den Cherub mit einem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.
Dein Mund hat gesprochen, o Herr, das schwere Leid ist verkündigt, Deine Hand hat es gesetzt: das Paradies ist verloren, des Lebens reiches Glück ist dahin! Es kann nicht anders sein; nicht Dein Zorn hat das Unglück gegeben, Dein Gnadenweg ist's. Was Du tust, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht Dein Wille. Mit gefalteten Händen haben sie Deinen Spruch vernommen, mit stillem Sinn sich gedemütigt unter Deine gewaltige Hand; Gnade ist es, die das Paradies genommen, wie könnten Sünder den Himmel auf Erden ertragen, ohne Schaden zu leiden an ihrer Seele! Sie wissen es, sie haben Dein gnädiges Angesicht gesehen, bewahren Dein Gnadenwort im Herzen, haben das Unglück aus Deiner Hand hingenommen. Es kann, es darf nicht anders sein. Und doch wie erschütternd ist der Verlust! So bang und tiefbewegt die Seele, so traurig das Herz, so niedergeschlagen der Geist, so gebeugt das Haupt, so voll Wehe das innerste Leben! Hier das Paradies, das reiche Glück und Leben, die selige Fülle; hier des Lebens Unterhalt gar keine Frage, von selbst gegeben, die Arbeit den höchsten Aufgaben gewidmet; hier lauter Freude die Fülle und liebliches Wesen in Deiner Gnadengegenwart, der Himmel auf Erden dort, ach das Feld mit seinen Dornen und Disteln, die Sorge ums tägliche Brot, die Mühe und Last, die Schmerzen und Plagen, das Reich genommen, Zepter und Krone dahin, der Herr der Schöpfung ein Kind der Sorgen, mühselig und beladen! Ich sehe es, mein Gott, es ist auch unser Verlust, unser Leid, und wir werden es nachempfinden müssen nicht nur aus der Ferne, persönliche Erfahrung wird es werden, jedem wirst Du das Seine ankündigen, und so werden wir dasigen gebeugten Hauptes, traurigen Herzens und niedergeschlagen. Lass mich hier in unserm ersten Vaterhause Deine Gnadenhand sehen und Dein Walten verstehen auch in den Verlusten des Erdenlebens. Mit teilnehmendem Herzen sehe ich, und erlebe ich das große Leid im ersten Vaterhause. Unabwendbar ist nun das Leid, Dein Mund hat's geredet, Deine Hand hat's gesetzt, die traurige Seele sieht gebeugt in das Unabänderliche. Aber ach, nun geht's an die Ausführung, ans Tragen, ans Schmecken und Leiden! Nun muss der legte Blick geworfen werden auf das verlorene Paradies, der zögernde Fuß muss das Land der Wonne verlassen, das angekündigte Leid schüttet seinen ganzen Inhalt aus, wenn es nun zum Vollzuge kommt. Es ist nicht anders, die Seufzer entsteigen dem gepressten Herzen; das Herz, wenn auch noch so still und ergeben und gefasst in Gottes Willen, empfindet schwer das verlorene Glück, es weint der Schmerz in tiefster Seele. Dank Dir, mein Gott, dass Du dem Auge die Tränen gegeben für solche Stunden! Mit bewegtem Herzen sehe ich diese Erlebnisse in unserm Vaterhause. Lehre Du mich tun nach Deinem Wohlgefallen, lass mich Deine Wege mit uns verstehen.

Geschlossen sind des Paradieses Pforten. Noch bleibt die Stätte Deiner Gnadengegenwart auf Erden, die Erde ist Dein und was darauf ist, nicht nach Belieben können die Wogen des Verderbens aus dem Reiche des Todes sich über diese Erden- und Menschenwelt wälzen. Du bist der Herr, und der Glanz Deiner Herrlichkeit soll noch leuchten im Paradiese auf Erden, auch wenn seine Pforten geschlossen sind für die Sünder; noch ist des Himmels verklärende Kraft tief verbunden mit dem Erdenleben, die obere Welt wächst im Baume des Lebens mit ihrer Kraft zur Erdenwelt hinein, aber der Zugang ist nun den Sündern gewehrt. Engelmächte stehen in dem Dienste der Weltregierung, Cherubim handhaben die flammenden Naturgewalten. So natürlich erscheint alles unserm Auge, wenn die Blige zucken, wenn der Erde Gründe die Feuerflammen sprühen, wenn die Abgründe der Erde sich öffnen oder der Himmel Kräfte sich bewegen so natürlich scheint's, aber Dein Finger zeigt im heiligen Worte die lebendigen Träger der flammenden Gewalten. Das himmlische Heer muss auch den gefallenen Menschen dienen und wachen, dass Dein Gnadenwille ausgeführt wird, dass keine Versuchung uns trifft über unser Vermögen. Wer würde die Hand vom Baum des Lebens lassen, wenn das Elend und die Schwachheit das sinkende Menschenleben zur Erde zieht! Und welch ein Jammer wäre es, wenn nun dieser Leib der Sünde auf immer die Hülle der Seele sein und bleiben sollte! Wäre nicht der Baum des Lebens ein Unglück für die gefallenen Sünder? Verewigung des Leibes ohne Erlösung, ach, was wäre das! Darum hat Deine Gnade den Zugang verwehrt zum Baume den Lebens, so lange noch das Paradies auf Erden war; und Gnade und Gericht hat dasselbe ganz hinweggenommen in den Tagen der Sündflut und die Zustände auf Erden noch kümmerlicher gemacht, um mit uns zu gehen durch Nacht zum Licht. Und nun leuchtet wieder vor uns Dein Gnadenlicht in der Zeit des Heils, alles hast Du uns wiedergebracht nach vollbrachter Erlösung, ein neues Paradies uns aufgetan im Reiche Deiner Gnade, Du wohnst wieder bei uns in Deiner heiligen Kirche, den Tod des Leibes und der Seele hast Du getötet, der Sünden Vergebung und Tilgung ist in Deiner Hand, des Leibes und der Seele Verklärung liegt in Dir. „Herr, wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde,“ Du bist mein ein und alles, meines Leibes und meiner Seele Erlösung, Du bist nun unser Baum des Lebens! Und Du hast zum Allerheiligsten Deines Paradieses uns wieder die Pforten aufgetan, Du bist bei uns als der Gekreuzigte und Auferstandene, als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt und als der Verklärte und König der Ehren. Ich komme zu Deinem Abendmahl, Du Selbst bist nun der Baum des Lebens. Kein Cherub wehrt den Zugang zu Dir, Dein Ruf öffnet den Zugang: „Kommt her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!“ Das Heil gibst Du den Sündern, die Auferstehung und das Leben den Kindern des Todes. Mit dankendem Herzen nahe ich mich Dir in Deinem hochheiligen Sakramente. Du bezeugst es: „Wer Mein Fleisch isst und trinkt Mein Blut, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken“. Leben gib mir in der Vereinigung mit Dir, die gütigen Kräfte des ewigen Lebens senke tief in meine Seele, so fällt mir alles zu, und ich darf singen mit der Gemeinde: „Dein Fleisch muss mir zum Pfande dienen, dass unser Fleisch, der Schwachheit voll, einst herrlich aus dem Staube grünen und unverweslich werden soll; ja, dass Du uns nach diesem Leben ein ew‘ges Leben werdest geben.“ Aus aller Mühseligkeit des Lebens, aus aller Erdennot, aus aller Schwachheit Leibes und der Seele, aus allem Druck und allen Plagen, aus allen Tränen und Verlusten, aus allen Trübsalen und Unvollkommenheiten flüchte ich in den Frieden Deines Heiligtums, nahe mich Deinem Altare, Dein hochheiliges Sakrament zu empfangen, mit Dir mich zu vereinen, der Du für uns gestorben und auferstanden bist. Hab Dank, mein Heiland, dass Du uns so die Pforten des Paradieses wieder geöffnet hast, dass wir daselbst Dich, den lebendigen Baum des Lebens selber finden. Ich gehe zu Deinen Toren ein mit Danken, zu Deinen Vorhöfen mit Lobsingen. Doch will ich eins zu Herzen fassen, das flammende Schwert des Cherubs ist mir unvergesslich. Ich sehe es auch vor Deinem neutestamentlichen Heiligtume, Dein heiliger Apostel deutet es: „Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brote und trinke von diesem Kelche; denn welcher unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt ihm selber das Gericht, damit, dass er nicht unterscheidet den Leib des Herrn“ (1. Kor. 11, 28-29). Sinnend geht die Kirche Gottes durch die Jahrhunderte, und in den mannigfachsten Weisen tönt immer wieder der eine Sinn: „Wer sich zu diesem Mahl will machen, der hab wohl acht auf seine Sachen; wer unwürdig herzugeht, fürs Leben den Tod empfängst.“ Prüfe mich, Gott, und erfahre mein Herz! Alle Deine Ruten, alle Deine Trübsale, alle Deine Schickungen sind Deine Boten, die mir etwas sagen, sind Deine Mahnungen, die mich aufmerksamer, sorgsamer, vorsichtiger, heilsbegieriger und lauterer machen sollen, dass ich mit immer tieferem Verlangen auch in Deinem Sakramente Dich suche und mit der oberen Gemeinde das Lied Deiner Ehre singe: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth! Alle Lande sind Seiner Ehre voll! Amen. (Wolfgang Grashoff)

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