1. Mose 25,29
Andachten
Und Jakob kochte ein Gericht; da kam Esau vom Felde und war müde. V. 30: Und sprach zu Jakob: lass mich kosten das rote Gericht, denn ich bin müde. Daher heißt er: Edom. V. 31: Aber Jakob sprach: verkaufe mir heute deine Erstgeburt. V. 32: Esau antwortete: Siehe, ich muss doch sterben, was soll mir denn die Erstgeburt. V. 34: Also verachtete Esau seine Erstgeburt.
Fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft wider Gott. Esaus fleischlicher Sinn verachtet die Gottes - Gabe der Erstgeburt und den Segen, welcher daran geknüpft ist. Dieser Sinn führt zum Unglauben und zur Hoffnungslosigkeit, da es heißt: Ich muss doch sterben! Hier ist der Anfang großer Verstrickung und Verwirrung, daher der Betrug der Rebekka und die Lüge Jakobs; daher seine Flucht aus dem Vaterhause und kein langer Dienst in der Fremde. Denn es ist wahr: „Das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, Böses muss gebären!“ Und wenn nicht die ewige Barmherzigkeit, Langmut und Geduld Gottes am Ruder säße, dann würde es niemals zum guten Ende kommen, nun aber leitet Er doch Alles nach seinem Rat und führt es herrlich hinaus. Mitten hinein in den Gräuel der Sünde heutzutage, und in die gegenwärtige Verachtung der himmlischen Dinge führt uns diese Geschichte. Die Esaus-Art, das Fleischlich-Gesinntsein, ist in alle Kreise eingedrungen. Essen und Trinken, denn morgen sind wir tot, das ist die Losung Tausender geworden. Die Welt trägt ihre roten Linsen-Gerichte auf und gierige Hände strecken sich danach aus, in ungezählter Menge aus den tiefsten Abgründen und Höhlen der menschlichen Gesellschaft, und auch aus ihren höheren und höchsten Kreisen. Aus diesem Sinn hat sich erzeugt, wie die Giftpflanze aus dem Sumpf, die Lehre des Materialismus: ist der Mensch tierisch gesinnt, so ist's ihm eben recht, ein Tier zu sein! Uns mag wohl grauen vor der praktischen Anwendung solcher Lehre, wenn wir's nicht wüssten, dass derselbe Gott am Ruder säße, wie zu Esaus Zeiten. Ein Jeglicher aber sehe wohl zu, ob das rote Gericht auf der üppigen Welt-Tafel keinen Reiz mehr für ihn habe! Gedenke Deiner in Christo Jesu teuer erkauften Erstgeburt, Du Gotteskind! gedenke des Segens, der daran hängt, für Zeit und Ewigkeit, und rufe es laut dem Versucher ins Angesicht: Welt und Sünde fahrt hin! weil ich schon versprochen bin! (Nikolaus Fries)
Und Jakob kochte ein Gericht, da kam Esau vom Felde und war müde, und sprach zu Jakob: Lass mich kosten das rote Gericht, denn ich bin müde, daher heißt er Edom. Aber Jokob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt. Esau antwortete: Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir denn die Erstgeburt? Jakob sprach: So schwöre mir heute. Und er schwur ihm und verkaufte Jakob seine Erstgeburt. Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank und stand auf und ging davon. Also verkaufte Esau seine Erstgeburt.
1. Mose 25, 29-34.
Um ein Linsengericht gab Esau seine Erstgeburt her. Ein paar Minuten, so war's verzehrt, das Wohlbehagen vorbei; aber vorbei war auch für Zeit und Ewigkeit das ihm zugedachte große Glück der Erstgeburt, dessen irdischer Teil schon, da er den ewigen nicht erkannte, ihm doch wertvoll genug hätte erscheinen müssen gegen ein Linsengericht. Man begreift solche Torheit Esau's nicht. Und doch, sollten wir sie nicht begreifen? Sollte sie uns unerhört wunderbar erscheinen? Wenn wir uns ein wenig kennen, so sagen wir: Esaus Torheit begreifen wir, weil wir unsere nicht begreifen; denn die unsere ist noch viel wunderbarer und unerhörter.
Das selige Glück, ein liebes Kind des einigen Gottes und ein Erbe aller seiner himmlischen Herrlichkeiten zu werden, preisgeben um einen einzigen Augenblick des Gaumen- und Fleischestikels, es ist unbegreiflich; aber was hilft's, dass es uns unbegreiflich ist; es ist Tatsache, Tatsache des eigenen Lebens.
Freilich bei gar vielen Menschenkindern ist's recht erklärlich, wenn sie nur Sinn haben für das Sinnliche, Greifbare, Genießbare und darüber die höchsten, ewigen, unsichtbaren Güter ganz behandeln, als wären sie nicht da; warum? sie sind für sie nicht da, sie glauben nicht daran; sie sprechen mit Esau: „Ich muss doch sterben“, und mit den Spöttern allen: Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot; und dann ist's aus„! Für die, die nichts glauben ist auch solcher Sinn ganz natürlich und verständlich. „Warum sich irgend etwas versagen, was irgendwie im Augenblick angenehm ist? wenn's nur keinen Schaden bringt hier, denn dort kann es ja keinen bringen, weil alles zu Ende ist.
Aber, wenn wir nun doch glauben, dass es einen Gott gibt und eine Ewigkeit, und dass uns Gott nicht erschaffen hat für ein bischen gut Essen und Trinken und Lust des Augenblicks, sondern für ein unaussprechliches, großes, ewiges, göttliches Glück? Ach, wir können es wohl glauben nach der Erkenntnis des Geistes, die wir durch die Erziehung erlangten, aber das Herz kann doch von den überirdischen, unsichtbaren Gütern der Kindschaft Gottes und des himmlischen Erbes noch ganz fremd sein, so dass sie uns so fern liegen, dass die nahe liegenden, vor's Auge tretenden, augenblicklichen Genüsse die Aussicht darauf vollends uns benehmen, und jede Rücksicht darauf im Herzen schwindet. Das ist dann freilich kein Wunder; aber dass Menschen. durchs Evangelium von dem barmherzigen Gott zu so reichem Glück der Kindschaft und des Erbes berufen, oft dazu gelockt und eingeladen, die Augen dafür sogar nicht öffnen können, die sie doch für die vergänglichen Dinge weit aufhaben, das ist eine Schande und ein tiefes Weh des Jesusherzens.
Aber am unbegreiflichsten ist es doch, wenn für Menschen, die ihren Beruf zur heiligen und herrlichen Erstgeburt erkannt haben und das Glück dieses Berufes schon gekostet haben, ein clendes bischen Speise und Trank, oder andere Sinnenlust des Augenblicks genug ist, um entweder ihre Augen vor dem herrlichen Licht ihres Berufs zur Seligkeit zu verschließen und die Gedanken daran zu verdrängen, oder gar ihr schon geschenktes Glück der Kindschaft gering zu achten, in Gefahr zu bringen und leichtsinnig preiszugeben. Und doch, wie geschieht es so oft!
O, lasst unsere Erstgeburt recht gründlich und immer gründlicher ansehen, dass uns ein helles Licht darüber aufgeht, welchen Wert sie hat im Vergleich zu den Träbern dieser Welt; - und dann lasst uns mit heiligem Ernst tagtäglich über unsrer Seele wachen, dass wir der treuen Stimme des Geistes Gottes folgen und uns üben, mit nüchterner Beharrlichkeit alles Vergängliche gering zu achten gegen die Gnade unsers Kindschaftsrechts und Erbes. Sie ist es wert; das ist gewisslich wahr. (Theobald Wunderling)