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1. Mose 22,1

1. Mose 22,1

Andachten

Gott versuchte Abraham.
Gott tat es, das heißt, seine Gnade tut es. Alles, was Gott den Seinen tut, ist Gnade. Es ist Gnade, dass der Anspruch Gottes an mich ergeht, der mich zum bewussten Entschluss nötigt und mir aufgibt, dass sich meine Liebe in freier, eigener Bewegung ihm zuwende. Es würde uns keine Versuchung zuteil werden, stünden wir nur in der Abhängigkeit von Gott. Die Sterne werden nicht versucht; sie gehen ihre Bahn in fehlloser Richtigkeit, gebunden in das ihnen gegebene Gesetz. Ich werde versucht, weil mir Gottes Gabe so gegeben ist, dass sie mein Eigentum wird. Dass sie mein eigen ist, von mir erfasst, geschätzt, als heilig erkannt und treu bewahrt, dies stellt eben die Versuchung fest, und sie wird, indem sie dies bewährt, zur Pforte für die neue Gnade. Die Schwere der Entschließung, die die Versuchung von uns verlangt, entsteht daraus, dass das göttliche Gebot die uns gegebenen Bedingungen des Lebens angreift. Nicht nur die natürliche Empfindung, auch alles, was Abraham im Verkehr mit Gott erlebt hat, macht ihm das Leben des Sohnes teuer und seine Opferung unerträglich. So muss er sich von aller, auch der reinsten und frömmsten Eigensucht, lösen, muss auf den von Gott ihm gegebenen Sohn verzichten um Gottes Willen und bewähren, dass ihm Gott mehr gilt als seine Gabe. Die Frage, die am Eingang der Geschichte Hiobs steht: dient Hiob Gott umsonst? Wird hier auch an Abraham gestellt. Dies kehrt in jeder Versuchung wieder. Sie stellt das, was uns gegeben ist, und das, was von uns gefordert wird, gegeneinander und löst uns um deswillen, was kommt, von dem ab, was hinter uns liegt. Sie fordert immer die reine Bejahung Gottes, die nicht seinen Gaben gilt, sondern ihm. Darum, weil uns die Versuchung zur reinen Liebe Gottes beruft, ist sie selbst die Offenbarung der göttlichen Liebe im selben Sinn, wie das Gebot: Du sollst Gott lieben, ein Zeugnis der Liebe Gottes ist. Es ist seine reine Liebe, die von uns die reine, ganze Liebe begehrt.

Ich bete mit Deinem Wort, Herr Jesus: Führe mich nicht in Versuchung. Ich will aber in meine Bitte kein Murren mischen. Ich gedenke der Gebrechlichkeit meines Willens und der Schwäche meiner Liebe und weiß, dass ich mich leicht nach der falschen Seite wende. Das weißt auch Du, Allwissender. Darum bist Du in die Versuchung gegangen und hast herzlich nach ihr verlangt und mit Deinem vollendeten Opfer den Vater verherrlicht, damit Du für uns der Helfer seiest dann, wenn wir versucht werden. Amen. (Adolf Schlatter)


Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham, und sprach zu ihm: Abraham! und er antwortete: Hier bin ich. V. 2: Und er sprach: Nimm, Isaak, deinen einigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija, und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.

Wir sagen oft bei eigenen Heimsuchungen und bei den gar großen Trübsalen Anderer, wie Elias unter dem Wachholder-Strauch: es ist genug, Herr, so nimm nun meine Seele! Wie viel Heimsuchungen und Trübsale befassen sich in dem: „Nach diesen Geschichten“ für Abraham. Dennoch ist es noch nicht genug, jetzt erst kommt das Allerschwerste. Endlich war die Wartezeit zu Ende gewesen, endlich die Verheißung erfüllt. Der Sohn und Erbe so großer Hoffnungen ist fröhlich aufgewachsen in den väterlichen Zelten. Da heißt es: Nimm deinen einigen Sohn, den du lieb hast, - als wollte Gott sagen: ich weiß recht wohl, wie groß das Opfer ist, das ich von dir verlange, aber doch, und gerade deshalb, fordere ich es von dir, opfere ihn zum Brandopfer! Was ist dagegen alles Weh und bitteren Jammers Pein, davor wir oft still stehen und sprechen: es ist unbegreiflich! fragen und schreien in den Himmel hinein: warum doch also? dagegen, wie still geht's doch hier zu! wenn man ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen versteht, so steht da, dass Abraham dies Alles nur selbander mit seinem Gotte abgemacht hat, denn Sarah, des einigen Sohnes Mutter, wird gar nicht erwähnt, wird auch gar nichts davon erfahren haben, weil es für eines Weibes Kraft zu viel war; und weil, wo der Herr geredet hat, kein Mensch, auch nicht die allernächsten, drein reden dürfen. Welch' eine Kraft des Gehorsams im Glauben! aber der Herr kennt die Seinen und weiß wohl, was Er einem Jeglichen auflegen kann. Bei Abraham fing es an mit dem: Ziehe aus Deinem Vaterlande! und hier endet es mit dem: Opfere Deinen einigen Sohn! dazwischen aber liegt ein langes, langes Menschenleben, und die Palme wächst bei der Last, und der Glaube auch! - Ist Dein Glaube nur im Anfang, oder im Wachstum, des sollst Du gewiss sein: Der Herr versucht Keinen über Vermögen! (Nikolaus Fries)


Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija; und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.
Wir sind Abrahams Kinder, wie der Apostel sagt (Gal. 3, 7). Darum sind Abrahams Wege auch unsere Wege. Der Herr will und muss seine Gläubigen in Anfechtung und Versuchung hineinführen. Wir sollen unsern Glauben beweisen, wir sollen in der Tat und mit der Wahrheit bezeugen, dass wir unserm Gott treu und gehorsam sind. Wenn sich irgend etwas zwischen Gott und uns hineindrängt, wenn irgend etwas die ganze volle Liebe zu schmälern droht, die wir dem Herrn schuldig sind: dann will, dann muss er uns ebenso wie den Abraham versuchen. Bauest du auf dein Geld und Gut, Gott wird es dir nehmen. Strebst du nach Ansehen und Ehre, der Herr wird sie dir zuschanden machen. Hängst du dein Herz allzu sehr an einen Menschen, Gott wird ihn dir nehmen und wäre es auch dein einiges Kind. Wer unter den Gläubigen hat dies noch nicht erfahren? Wer von den Jüngern Jesu ist noch nicht auf solchem Wege gewandelt? Und wenn du dann an den Trümmern deiner Güter oder deiner Ehre, wenn du an den Gräbern deiner Lieben stehst, so heißt es:

Was Gott gebeut, das muss gescheh'n, Das andre wird der Herr verseh'n, Drum bringe du dein Opfer still Und füge dich, wie Gott es will. Und wär's auch dunkel nah und fern, Am Himmel glänzt ein Morgenstern, Der führt zum Opferberg hinauf: Das ist des Glaubens Pilgerlauf. Gott kann solche Forderungen an uns stellen, da er um unsertwillen seines einigen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns in den Tod dahingegeben hat. Er muss sie um der Engel, um der Teufel, um der Menschen und um unsertwillen stellen, damit unser Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird. Darum ist der Weg Abrahams von Bersaba nach Morija auch ein Abbild unsers Pilgerweges. Aber wenn wir Glauben behalten, wenn wir treu und gehorsam bleiben wie Abraham, so wird der Herr dann auch die Versuchung so ein Ende gewinnen lassen, dass wir es können ertragen. Die Züchtigung wird uns eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit geben. Die Trübsal wird Geduld bringen, die Geduld wird Erfahrung, die Erfahrung wird Hoffnung bringen. Der Berg der Prüfung und Versuchung wird für uns ein Berg des Heils und der Gnade werden. Neuer Segen und neue Verheißungen werden, wie bei Abraham, der Lohn unsers Glaubens und unserer Treue werden. Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. (Friedrich Ziethe.)

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