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1. Mose 21,15

1. Mose 21,15

Andachten

Da nun das Wasser in der Flasche aus war, warf sie den Knaben unter einen Baum, und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, eines Bogenschusses weit; denn sie sprach: Ich kann nicht zusehen des Knaben Sterben. Und sie setzte sich gegenüber, und hob ihre Stimme auf, und weinte. Da erhörte GOtt die Stimme des Knaben. Und der Engel GOttes rief vom Himmel die Hagar, und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn GOtt hat erhört die Stimme des Knaben, da er liegt. Stehe auf, nimm den Knaben, und führe ihn an deiner Hand; denn Ich will ihn zum großen Volke machen. Und GOtt tat ihr die Augen auf, dass sie einen Wasserbrunnen sah. Da ging sie hin, und füllte die Flasche mit Wasser, und tränkte den Knaben. Und GOtt war mit dem Knaben; der wuchs, und wohnte in der Wüste, und ward ein guter Schütze, und wohnte in der Wüste Pharan. Und seine Mutter nahm ihm ein Weib aus Ägyptenland.
Das war ein trauriger Zug, der durch die Wüste ging. Da ging die Hagar mit ihrem Sohne aus dem Hause, welches bisher ihre Heimat gewesen. Aber bald geht sie vom Wege ab, und ihr Kind liegt verschmachtet da; denn sie hat kein Wasser. Welch' ein Schmerz hat ihr Herz wohl durchzogen, als sie hinblickte auf das verschmachtende Kind und sich sagte: „Ich kann nicht sehen meines Kindes Sterben!“ Da ward lebendig ihre schwere Sünde vor ihren Augen; sie erinnerte sich, wie gut sie es im Hause Abrahams gehabt, und wie übermütig sie gewesen war. Sie dachte daran, wie traurig es sei, dass sie ihren Sohn spotten ließ; nun hatte die Wüste alle Spottlust vertrieben; denn der Wüstensand ist die beste Arznei gegen die Gottlosigkeit. Aber der Knabe denkt auch zurück an die Zeit, die hinter ihm liegt, und er erinnert sich, wie gut er es gehabt im Hause seines Vaters Abraham, was er darin gelernt, was er von seinem Vater gesehen; denn der Aufenthalt in der Wüste ist die beste Schule für die Vergesslichen. Der Knabe fängt an zu beten. Was er zu Hause verschmäht und verspottet hatte, jetzt übte er es in der Wüste. Sieh', was die Tränen Hagars nicht vermochten, das konnte das Gebet des Knaben. GOtt zeigte der Mutter den Quell in der Wüste, und sie führte den Knaben dahin und tränkte ihn.

Siehst du, lieber Christ: Beten ist besser als Weinen. Wie Mancher unter euch ist auch nicht wie ein Verschmachteter in der Wüste! Er hat genug gejammert, aber Erquickung hat er nicht bekommen. Lerne vom Ismael: das Beten lässt die Quellen sprudeln! Aber wenn GOtt dir die Augen öffnet, dann eile auch schnell mit den Deinen zum Quell! Der Quell in der Wüste ist das Glaubensleben. Wie Mancher geht verschmachtet einher, hat keinen Frieden im Herzen und Gewissen, weil er das Christenleben verachtet hat; wie Viele können sich nicht auf Weihnachten freuen, weil sie nicht wissen, wozu sie eines Erlösers bedürfen. Du aber, o Christ, weißt, wo die Quelle in der Wüste ist, bitte du GOtt, dass Er sie dir und den Deinen sprudeln lasse, und trinke du in durstigen Zügen. Der HErr ruft, höre du, so wird GOtt auch hören, wenn du zu Ihm rufst. Amen. (Johannes Paulsen)

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