1. Mose 1,1
Andachten
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Also Himmel und Erde sind nicht immer dagewesen, sind nicht ewig - sie haben einen Anfang gehabt, sie sind auch nicht entstanden oder haben sich von selbst gebildet, sondern sie sind erschaffen, aus dem Nichts ins Dasein gerufen, und der das getan hat, ihr Schöpfer, ist Gott. Mit diesen Offenbarungen - denn das sind sie, weil kein Mensch das aus sich selber weiß noch wissen kann - beginnt die Heilige Schrift, und bekundet sich damit sofort als ein Buch höheren Ursprungs, als ein Buch der Offenbarungen. Woher Moses, der dies niedergeschrieben, seine Offenbarungen hat, wer kann es mit Gewissheit sagen, da die Schrift darüber keine Aufschlüsse gibt? Doch aber, entweder aus einer Offenbarung, die Gott ihm gegeben hat, oder wahrscheinlicher aus einer Uroffenbarung, welche, aus vorsündflutlicher Zeit stammend, sich durch Überlieferung bis auf ihn fortgepflanzt hat. Genug, es ist Offenbarung, dass Gott der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Und jetzt, nachdem sie vorhanden ist, begrüßt sie ein wahrheitliebendes Gemüt als die rechte Antwort auf die Frage, die Jedem auf der Lippe schwebt: woher das Alles, was da ist, und seit wann und wozu? und als die Antwort, welche Herz und Verstand gleicherweise befriedigt. Vergleiche nur das Gewoge menschlicher Meinungen, welche den Boden der Offenbarung verlassen, mit der edlen Einfalt und der göttlichen Erhabenheit dieser Worte, so wirst du Ja und Amen dazu sagen: Ja, so ist's, Gott schuf am Anfang Himmel und Erde. Aber wann? die Jahreszahl steht nicht dabei. Sind es 6000, sind es 100.000, sind es eine Million Jahre? Forsche dem nach und suche die Zahl zu entdecken, wenn du kannst, aber so viel steht fest, Eine Zahl, irgendeine Zahl ist's, denn einen Anfang hat gehabt, was da ist, es gab auch ein „Vorher“ ehe die Welt erschaffen wurde, da wo die Zeit rückwärts in die Ewigkeit mündet, in welcher nur Gott war. Gott aber wer ist das? Menschengeist, die Offenbarung sagt dir's: Er ist dein Urbild, der aber, da Er vor der Zeit war, und ehe der Raum geschaffen wurde, unbegrenzt ist von diesen Schranken, welche dich einengen. Doch aber, wie du, ist er ein Ich, ein Ich, welches wie du von sich weiß, wie du erkennt, wie du einen Willen hat. Und das Alles ohne Schranken, in höchster Vollkommenheit, in schönster Harmonie, welcher nie anders will, als Er weiß, und nie anders weiß, wie Er will. Ein Ich, zu welchem dein Geist sich nahen und zu welchem Er „du“ sagen kann, ein Ich, welches die wogenden Gedanken deines Herzens von ferne kennt und den Seufzer deiner Brust vernimmt, ohne dass Er zu forschen oder es sich sagen zu lassen braucht. Ein Ich, mächtig genug, dass die Regung seines Willens aus dem Nichts eine Welt hervorrufen konnte, deren Umfang unser Geist nur ahnen, aber nimmer umfassen kann. Und wozu hat der Ewige und Allmächtige, der allein Weise und Vollkommene, der Geist ohne Schranken, der Allgeist diese seine Schöpfung gewollt und gewirkt? darf der endliche Menschengeist also fragen? Ja er darf, weil er muss, und er soll, weil er kann. Und die Antwort? - Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Veste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet und die Erde ist voll deiner Güte. Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Und auch du, mein Geist, mische deine Stimme in den Chor der Schöpfung, lobe auch du und bete an!. (Anton Camillo Bertoldy)