Offenbarung 22,1

Andachten

Köstlicher Schluss der heiligen Offenbarung und der ganzen Heiligen Schrift! Mit der Schöpfung der sichtbaren Welt hatte sie begonnen, mit der Schöpfung der unsichtbaren Welt schließt sie ihre Enthüllungen. – Köstlicher Schlusswunsch: „die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch Allen!“ Ja, Deine freie, reiche, ewige Gnade, Herr Jesu, sei mit mir, mit jedem, der dies liest und hört, ja, mit Allen, die sie bedürfen und verlangen; besonders wenn Du wieder kommst! Diese Gnade züchtige uns, zu warten auf Deine große und majestätische Erscheinung! Diese allgemeine Gnade, dieser allumfassende Erlösungsrat und Heilsplan Gottes in Christo ist der Hauptinhalt der ganzen, Ein Ganzes bildenden Heiligen Schrift vom Anfange bis zum Ende. – Köstliche Schlussverheißung aus dem Munde des Herrn Jesu: „Ja, ich komme bald. Amen!“ Nichts als Liebe, Trost und Freude enthält sie, nichts als bräutliches Verlangen und immer heißere Sehnsucht will sie wecken. Sprächen wir doch immer mit dem Liede: „Dort oben im Himmel da haben wir’s gut; wer’s glaubt und beherzigt, dem wächst der Mut,“ und mit der Braut, der gläubigen und gerechten Gemeinde. „Ja komm, Herr Jesu,“ wir glauben Dein Wort und Deine darin verheißene Zukunft nicht nur, wir sehen ihr auch wachend und verlangend entgegen. Hat aber der Herr Jesus schon zu Johannes gesagt: ich komme bald, so darf ich heute mit dem größten Recht dafür halten, Er werde bald erscheinen. Und habe ich Gnade und den heiligen Geist empfangen, bin ich los vom bösen Gewissen, ist seine Liebe in meinem Herzen ausgegossen, stehe ich in der gewissen Hoffnung des himmlischen Erbes: dann darf und soll ich ihm entgegenrufen: komm! Ja komm, Herr Jesu, und mache dem Leid und Streit, der Gefahr und der Not ein Ende. Komm und erfülle Deine Verheißungen und lass das Warten derer, die Dich lieben, zur Freude werden. Ja komm, Herr Jesu. Deine Gnade sei mit uns Allen. Amen. (Friedrich Arndt)


Und er zeigte mir einen lauteren Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Kristall; der ging von dem Stuhl GOttes und des Lammes. Mitten auf ihrer Gasse, und auf beiden Seiten des Stroms stand Holz des Lebens, das trug zwölferlei Früchte, und brachte seine Früchte alle Monate; und die Blätter des Holzes dienten zu der Gesundheit der Heiden. Und wird kein Verbanntes mehr sein: und der Stuhl GOttes und des Lammes wird darinnen sein; und Seine Knechte werden Ihm dienen, und sehen Sein Angesicht; und Sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und wird keine Nacht da sein, und nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn GOtt der HErr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. Und GOtt, der HErr der heiligen Propheten, hat Seinen Engel gesandt, zu zeigen Seinen Knechten, was bald geschehen muss. Siehe, Ich komme bald. Selig ist, der da hält die Worte der Weissagung in diesem Buch. Und ich bin Johannes, der solches gesehen und gehört hat. Und da ich es gehört und gesehen, fiel ich nieder, anzubeten zu den Füßen des Engels, der mir solches zeigte. Und er spricht zu mir: Siehe zu, tue es nicht; denn ich bin dein Mitknecht, und deiner Brüder, der Propheten, und derer, die da halten die Worte dieses Buchs. Bete GOtt an! Und er spricht zu mir: Versiegele nicht die Worte der Weissagung in diesem Buch; denn die Zeit ist nahe. Wer böse ist, der sei immerhin böse; und wer unrein ist, der sei immerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei immerhin fromm; und wer heilig ist, der sei immerhin heilig.
Wir sollen den HErrn JEsum nicht nehmen um Seines Himmels willen, denn Er will uns um Seiner Selbst willen liebenswert sein. Darum ist uns in der Heiligen Schrift so wenig erzählt von dem Leben der Seligen, denn GOtt will, dass die Liebe zum HErrn der Leitstern unsers Lebens sei, aber im letzten Kapitel der Heiligen Schrift wird uns doch ein Einblick gestattet in das, was der HErr JEsus hat. Der HErr macht es so, wie es etwa ein Bräutigam macht, der, nachdem er gesehen hat, wie treu seine Braut ihn liebt, sie nun auch einen Einblick tun lässt in den Reichtum, den er ihr vorher nicht gezeigt hat, damit sie sieht, dass sie einen reichen Mann und ein glückliches Los getroffen hat. So lässt uns auch der liebe HErr JEsus einen besonderen Blick tun in Seine Wohnung, damit die, welche Ihn lieb haben, voll Entzücken sprechen: Ja, wären wir nur erst da!

Da geht vom Stuhle GOttes und des Lammes ein Strom des lebendigen Wassers aus; das lebendige Wasser ist die wahre Liebe, denn die ist im Himmel das wahre Element. Die Seligen nähren sich von der Liebe, damit sie alles Irdische vergessen und in seliger Liebe mit einander verkehren. Also die Liebe der Kinder GOttes geht vom Throne GOttes und des Sohnes aus, weil alle Menschenliebe aus der Gottesliebe herausströmt. Die Liebe GOttes zu uns ist der Quell, aus welchem unsere Liebe zu GOtt und zu einander stammt und sich immer wieder erfrischt. Mitten durch Jerusalem geht eine Allee. Sie ist eingerahmt nicht nur von Schatten gebenden Bäumen, sondern von Lebensbäumen, die alle Monate eine andere Frucht tragen, und deren Blätter sogar heilskräftig sind, so dass sie zur Gesundheit der Heiden dienen, d. h. der Leute, die durch ihr Sündenleben ihren Leib zum Werkzeuge der Sünde gemacht haben. Das Lebenswasser und die Lebensbäume geben die Unsterblichkeit, so dass die, welche davon genießen, nicht mehr sterben können. In diesem Paradiese wird Nichts sein, was unser Auge betrübt, denn Alles, was mit Sünde und Fluch zusammenhängt, ist verbannt, und auch in der Nacht wird die Freude der Kinder GOttes kein Ende nehmen, denn im Himmel bedürfen wir keiner Ruhe. Anbetend sich in GOtt versenken, ist die erquickende Ruhe der Seelen. Auch eine Sonne wird es nicht geben, denn Gottes Antlitz scheint so hell, dass es alle Finsternis vertreibt und alle Sonnen an Glanz überstrahlt. Das Antlitz GOttes gibt aber nicht nur Licht, sondern auch Kraft und Friede, wie die irdische Sonne mit dem Lichte auch Wärme spendet. Die Seligen werden GOtt dienen, denn die Liebe dient ja so gerne, und darum ist das Dienen der Kinder GOttes ein Regieren mit Christo.

O, wer dies liest, der wird doch sagen: Das Leben im Himmel muss ein köstliches Leben sein! Da kommt über uns der stille Friede, die herrliche Gemeinschaft mit Gott. Keine Sorge, keine Krankheit, kein Hader und Neid, kein Verdruss und Ärger können uns dort das Leben verbittern, denn das Alles ist dort verbannt. Aber die seligste Freude erfüllt unser Herz, und Einer sucht den Andern zu ergötzen. Dort Hand in Hand mit den Seligen zu gehen, in jedem Gesichte zu lesen: Wie habe ich dich lieb, das muss köstlich sein! O, wenn wir das doch erreichen, dass Gott uns doch unter die Zahl der Seligen aufnehmen möchte! Es ist fast zu großartig, so dass wir fürchten müssen: Wir sind nicht würdig, dies heilige Gut zu erlangen. Aber der Engel Gottes tröstet uns und sagt: Sei entschieden in dem, was du willst, sei von ganzem Herzen fromm, übergib dich mit ganzer Seele deinem Gott, und dann wirst du sehen, der HErr dein Gott ist ein gnädiger und barmherziger GOtt, der bringt dich aus Gnaden in Sein Paradies! Also spiele nicht mit der Sünde, kehre der Sünde entschieden den Rücken zu und wende dein Antlitz zum HErrn JEsu, so dass du dann allein hörst, was Er sagt, und tust, was Er dir gebietet, so wirst du selig. Aber was du bist, das sei ganz. Du kannst nicht verlangen, dass Gott dich in Seinen Himmel nehmen soll, wenn du Gefallen an der Welt und ihrer Lust findest. Auf beiden Seiten hinken, das geht im Christenleben nicht an. Willst du mit der Welt liebäugeln, dann gib dich ihr ganz mit Leib und Seele hin und versuche es nicht mit der Frömmigkeit. Die Hölle kann dich nicht in den Himmel bringen, und dann hast du wenigstens Gutes in diesem Leben gehabt. Darum fort mit der Halbheit, gelobe dich ganz dem HErrn oder ganz der Welt, aber was du bist, das sei ganz! Amen. (Johannes Paulsen)

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