Hebräer 2,8

Andachten

Jetzt sehen wir noch nicht, dass Ihm Alles untertan sei.
Paulus bewies aus Ps. 8,7., dass der Vater Seinem Sohne, insofern Er ein Menschensohn ist, Alles zu Seinen Füßen untertan oder untergeordnet habe, und nimmt das Wörtlein Alles hierbei so genau, dass er noch zur Erläuterung hinzusetzt: der Vater habe nichts gelassen, das Er dem Sohne nicht untertan hätte. 1 Kor. 15,28. aber behauptet er, dass bei dem Wörtlein Alles nur der Vater ausgenommen sei, der dem Sohn Alles untertan habe. Diese Unterwerfung aller Dinge unter Christum als den Menschensohn ist schon geschehen, und wird Eph. 1,20-23. Kol. 1,16.17.18. 2,10. Hebr. 1,2. Matth. 28,18. beschrieben. Der Grund derselben ist einerseits die Schöpfung aller Dinge durch Christum als das wesentliche Wort, wie es dann billig ist, dass Alles, was durch Ihn erschaffen ist, Ihm auch als Gottmenschen untergeordnet sei, andererseits aber Sein im lautersten Gehorsam erlittener Tod, als durch den Er als Mittler würdig geworden ist, das Buch mit den sieben Siegeln, welches die Herrschaft über Alles enthält, anzunehmen, Hebr. 5,9., und Alles unter Seinen Füßen zu haben, Hebr. 2,9. Jetzt sehen wir aber noch nicht, dass Ihm Alles untertan ist, und doch glauben wir’s um des Wortes Gottes willen. Warum sehen wir’s aber noch nicht? Darum, weil wir Ihn nicht sehen, wie Er auf dem göttlichen Thron über Alles herrscht, und weil wir unter den Geschöpfen noch viel Unordnung, ja viel Widerstreben gegen Ihn wahrnehmen. Er lässt die bösen Geister und bösen Menschen noch lästern, spotten, wüten, ihre Bosheit ausüben und Schaden anrichten. Man kann noch immer aus Ps. 83,3. zu Ihm sagen: siehe, Deine Feinde toben, und die Dich hassen, richten den Kopf auf. Und doch ist Ihm schon Alles untertan; allein Er waltet jetzt noch mit einer zulassenden Langmut, mit einer nur einschränkenden und nicht alsbald niederschlagenden Macht, mit einer Weisheit, die auch aus bösen Dingen etwas Gutes herauszubringen weiß, über den bösen Geistern, und überdies auch mit einer liebreichen Geduld, die auf Buße wartet, über bösen Menschen, und da tausend Jahre bei Ihm wie ein Tag sind, so wartet Er ohne Langeweile, bis am Tag Seiner herrlichen Erscheinung der gegenwärtige Himmel, der zu Seinen Absichten nicht herrlich genug ist, und die gegenwärtige Erde, die um der Sünde willen verflucht worden ist, und die gegenwärtige Erde, die um der Sünde willen verflucht worden ist, vergehen werden, und Alles neu gemacht sein wird. Er muss aber herrschen, bis der Vater alle Seine Feinde unter Seine Füße legen wird, 1 Kor. 15,25. Dieses Leben wird etwas Neues sein. Alsdann wird sich nichts mehr wider Christum sträuben. Alsdann wird dem Sohn Alles im vollkommensten Verstand untertan sein, und der Sohn wird auch selbst untertan sein Dem, der Ihm Alles untertan hat, auf dass Gott, folglich auch der Sohn als Gott, sei Alles in Allen, V. 28. Dieses Ziel nennt Paulus V. 24. das Ende, und sagt, dass der Sohn alsdann das Reich, wie er es vorher als Mittler verwaltete, da Ihm noch nicht Alles wirklich untertan war, nachdem dieser Zweck erreicht ist, Gott und dem Vater überantworten, und alle Herrschaft, und alle Obrigkeit und Gewalt aufheben werde. Wohl dem, der jetzt Christo freiwillig untertan ist, und nie zu Seinen Füßen gelegt, sondern Sein Miterbe in der Herrlichkeit wird. (Magnus Friedrich Roos)


In dem, dass er ihm Alles hat untergetan, hat er nichts gelassen, das ihm nicht untertan sei; jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm Alles untertan sei.
Hebr. 2, 8. Wenn ein Sünder wäre, der verzagte, ob er auch könnte loskommen, ob er auch frei werden könnte von seinen langen Gewohnheitssünden, diesem dürfte man getrost sagen: verzage nicht, denn Jesus ist die allmächtige Liebe. Wenn es freilich auf dich ankäme, auf deine eigene Kraft, dann müsstest du verzagen; aber er will es tun; ergib dich nur ihm; er will es ausführen. Siehe, in seiner großen Arbeit hat er auch für dich gearbeitet; in seinem Tode und in seiner Auferstehung liegt auch für dich Kraft genug, abzusterben dem alten Menschen, und aufzustehen, um in einem neuen Leben zu wandeln. Siehe an, wie Viele hat er schon aus dem Sündenschlamm herausgerissen, siehe was der Apostel zu den Korinthern sagt: „ihr wart weiland Hurer, Ehebrecher, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer, Räuber - nun aber seid ihr abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des HErrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes.“ Und dies hat er schon an so viel tausend Seelen getan, die bereits vor seinem Thron stehen in weißen Gewändern: darum verzage nicht, seine allmächtige Liebe ist noch nicht verkürzt.

Und wenn eine Seele sich vor dem Tod und Zorn Gottes fürchtete und dächte: wie wird dir's gehen, wenn du von hinnen musst? dieser darf man auch sagen: verzage nicht! wenn du dich an ihn hältst, wenn du alle eigene Gerechtigkeit in dir töten und dich nur auf ihn gründen lässt, wenn du auf Jesu Wunden traust und an ihm bleibst, so kann dir der Tod nichts tun; Jesus, die allmächtige Liebe, hat die Todestüren gesprengt und den armen Sündern einen freien, offenen Durchgang zum ewigen Leben erworben.

Und wenn eine begnadigte Seele wäre, die etwa auf den blöden, verzagten Gedanken käme, ob sie sich auch vollends durchschlagen möchte durch diese Welt, bei allen Versuchungen und Reizungen zur Sünde, zum Unglauben, zum Abfall auch ihr darf man sagen: „Verzage nicht, durch Gottes Macht kannst und wirst du bewahrt werden zur Seligkeit. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer.“ Jesus Christus ist die allmächtige Liebe, heute und gestern und dieselbe in alle Ewigkeit. (Ludwig Hofacker)

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