Kolosser 3,16

Andachten

Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen.
Solange ein Erweckter nicht zur Seligkeit in Gott gelangt ist, kann Er nicht befriedigt sein. Wir müssen darum diese Sache jedem vorlegen und ihn dringend bitten, diesen einfachen und köstlichen Weg unverzüglich zu betreten. Die Gefahr des Abfalls liegt für alle nahe, die in Gott nicht vollständig zur Ruhe gekommen sind. In den heiligen Lebensgrund Eingepflanzte können nur durch ein beständiges Wachsen und Zunehmen glücklich bleiben. Es mag wohl sein, dass sich zuerst Schwierigkeiten erheben, weil es bei dieser Übung zur Gottseligkeit fortwährend eine gewisse Geistesträgheit zu überwinden gibt. Wir müssen uns aber daran gewöhnen, unserem inneren Menschen nicht weniger Aufmerksamkeit zu schenken als unserem äußeren. Wer in Gottes Gegenwart wandelt, wem sich der Lebensinhalt der Heiligen Schrift ergießt, wer es verstehen gelernt, Gott mit sich reden zu lassen, der schaut die Bibel mit ganz anderen Augen an und gebraucht sie auch ganz anders. Sie ist nun der Ort, wo Gott ihm begegnet, der Ort, wo Gott mit ihm redet, der Ort, wo es ihm leicht wird, mit dem höchsten Gott Gemeinschaft zu pflegen. Bei dieser Übung in der Gottseligkeit wird uns die Bibel erst recht unentbehrlich. Ach, möchtest du doch diesen Rat befolgen; ich bin gewiss, du wirst bald so von Gottes Wort und Gottes Geist erfüllt, dass du fröhlich und freudig deine Straße ziehen kannst. Die wahre Gemeinschaft mit Gott, die fortwährende Mitteilung Seines Lebens und Wesens ist die höchste Seligkeit im Erdenleben. Und auch in der Ewigkeit werden wir nichts Größeres kennenlernen. (Markus Hauser)


Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.
Ihr Eltern, haltet eure Kinder dazu an, von früh auf Christi Wort zu hören in der Kirche; aber sollen sie rechten Segen davon haben, dann muss es eure Hand sein, die sie herführt. Ihr Herrschaften, möge Gott euch das schlafende Gewissen treffen, dass es euch zur Sünde werde, wenn ihr das Heil, das ihr euch selbst in Gottes Haus holt, euren Dienstboten vorenthaltet; gönnt Denen, die die Woche für euch gearbeitet, die Ruhe, am Sonntag zu Christi Füßen zu sitzen in der Kirche; gewiss nicht leicht wird einst die Anklage wiegen, wenn so eine im Wust des Lebens verkommene Seele den Finger wider euch aufhebt: ich konnte nicht, ich durfte nicht. Sage Keiner, es fehle an der Zeit; es fehlt nur an der Liebe zu Gottes Wort. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen, ja lasst es in euren Häusern wohnen, reichlich wohnen, nicht bloß als einen seltenen Gast, als den Schmuck weniger Festtage bloß, nicht bloß als das Heilmittel, dazu erst in der größten Not gegriffen wird. Nicht also, dass Bibel und Gesangbuch, vom Konfirmations- und Hochzeitstage her, im Staube liegt, vergessen und verachtet vor den andern Büchern, die den Tisch des Hauses bedecken, sodass erst in der Stunde, wo diese nicht mehr zu bieten haben, danach gegriffen wird. Sondern lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen, also dass das ganze Leben des Hauses davon durchdrungen wird, dass Alle im Hause sich unter das Regiment dieses Wortes stellen, dass Alle davon leben als ihrem täglichen Brote. Dann wird die selige Freude geschmeckt, das Höchste, was das eigne Herz von Gottes Liebe und Gnade erfahren, Denen mitzuteilen und zu bekennen, die uns die Teuersten auf Erden sind, und dadurch auch ihr Herz zugleich mit dem eignen fester zu gründen in dem Einen, was nottut. (Adolf Clemen)


Lehrt und vermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen, lieblichen Liedern, und singt dem Herrn in eurem Herzen.
O seliges Haus, wo mit solchen Stimmen die Herzen einander lehren und vermahnen, wo durch alle Stimmen des Tages und alle irdischen Töne in den Herzen voll und tief hindurchklingt der Psalm der Ewigkeit von Gottes Größe und Gnade. Seliges Haus, wo alle unreine, lieblose Rede, alle Bitterkeit und Gehässigkeit, alles Seufzen und Klagen, sobald es auftauchen will, immer wieder zum Schweigen gebracht wird von den Psalmen und Lobgesängen, die in den Herzen klingen. Dem Liede ist eine Macht gegeben über das Menschenherz; wehe wenn sie missbraucht wird! Wehe über jene sündlichen Lieder, die der Geist der Finsternis geboren und die Hölle die Menschen gelehrt hat, um durch ihr Gift die Herzen zu berauschen und zu verderben! Aber Heil Denen, in deren Herzen, von deren Lippen die heiligen Lieder klingen, die Psalmen und Lobgesänge. Sie besitzen in ihnen eine Gottesmacht, einen himmlischen Schab, aus dem sie immer wieder schöpfen Kräfte der Heiligung und des Friedens. Wer will's aussagen, welch einen Schwung es der Seele verleiht mitten im eintönigen Tageslauf mit seiner Arbeit und Sorge, welche Freudigkeit und Erhebung mitten im Schwersten Dulden, wenn so ein einziger Psalm, ein kleiner Liedervers, einst gelernt, jetzt erst verstanden, im Herzen wieder und wieder klingt. O wie viel reicher würden wir sein an Trost und Licht, an Kraft und Freude, wie viel heller würde unser Leben sein, wollten wir uns unter einander Lehren und vermahnen mit Psalmen und Lobgesängen; wie viel stärker wider alle Versuchungen, wie viel behüteter in der Welt würden wir unsre Kinder wissen, wenn wir ihnen fürs Leben einen solchen Schatz heiliger Lieder mitgeben wollten als inneres Eigentum, das sie nimmer vergessen. (Adolf Clemen)


Lasst das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehrt und vermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern und singt dem HErrn in eurem Herzen.
Die köstlichen Früchte, welche der Apostel genannt hat, wachsen nicht auf dem wilden Holze unserer angeborenen Natur, sondern sie werden von oben her in uns gepflanzt durch die Lehre und Kraft des Wortes Gottes, darum nun auch der Apostel zum reichlichen Gebrauche dieses Wortes ermahnt. Er hat dabei sicherlich nicht bloß an den öffentlichen Gottesdienst gedacht, zumal wie er in unseren Zeiten getrieben wird, da es den meisten schon zu viel ist, alle acht Tage das Wort zu hören; denn das ist ihm eine durchaus selbstverständliche Sache, dass keiner ohne Not fehlt, wo Gott die Gemeinde in Sein Haus ladet, die Stimme Seines Wortes zu hören. Er meint auch nicht, dass das Wort dann und wann einmal wie ein Gast in unser Haus einkehren und hindurchgehen soll, sondern wohnen, reichlich wohnen soll es bei uns, dass sein Reichtum an Gnade und Wahrheit, an Lehre und Strafe, an Trost und Hoffnung sich immer völliger unter uns entfalte und in alle Hausgenossen einlebe. Und wenn er hinzusetzt „mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern“, so will er damit anzeigen, dass das nicht ein lästiger, saurer Dienst sein soll, den wir aus Zwang und Pflicht dem HErrn leisten, sondern ein freudevolles Werk, da die Herzen dem HErrn singen und spielen, weil sie fröhlich sind ob solcher Wohltat. Das ist eine köstliche Weise des Lehrens und Ermahnens, und wo sie geübt wird, da kann auch die Frucht nicht fehlen, denn das Wort hat die Verheißung, dass es nicht leer wieder zurück kommen soll.

O Du heiliger und gnädiger Gott, der Du verheißen hast, in denen zu wohnen, die Dich lieben und Dein Wort halten, wir bitten Dich, Du wollest das selige Licht Deines Wortes uns gnädig erhalten und durch Deinen Heiligen Geist unsere Herzen also führen und leiten, dass wir nimmermehr davon abweichen, sondern uns fest daran halten, in dem Lichte Deines Wortes wandeln und endlich da durch selig werden. Amen. (Hermann Haccius)


Lasst das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, und singt dem Herrn lieblich in euern Herzen.
Wie gut und heilig sind deine Ordnungen, himmlischer Vater! Wie gut ist auch diese deine Ordnung, dass wir einen Sonntag haben. Wie wohl tut diese Stille und Ruhe allen deinen Geschöpfen, die sich sonst plagen unter den Mühen des Lebens. Wie sehr bedürfen wir nicht nur der leiblichen Ruhe, sondern auch der inneren Sammlung, dass wir unsern Geist von all dem Sorgengetriebe abwenden und dich suchen, den ewigen Grund und das ewige Ziel unseres Lebens. Wie nötig haben wir die Reinigung, die Reinigung vom Staube, der uns immer wieder niederzieht in sein befleckendes Wesen, die Reinigung unserer Herzen und unseres Wandels in der klaren Flut deines Geistes und Wortes. Ja, unsere Seelen verlangen nach dir, nach deinem Geist, nach deiner Gemeinschaft, nach deinem Frieden! So gib uns denn Gnade, einen rechten Sonntag zu feiern. Lass uns die Ruhe desselben weder für uns selbst noch Andere durch Leichtsinn oder Gewinnsucht stören. Lass von demselben fern bleiben alles, was Leib und Seele beflecken, was den Frieden im Herzen oder im Hause trüben könnte. Lass klar und freundlich aus den Nebeln der Sorgen und Sünden emporsteigen die Sonne deiner Gnade. Sie leuchte uns in der Herrlichkeit deiner Werke, in der Liebe der Mitmenschen, in jeder Gabe deiner Güte, die wir genießen. Sie leuchte uns besonders auch in deinem Worte, und erfülle unsere Herzen mit Licht und Leben. Mache uns durch deinen Geist dankbar und empfänglich, dieses Wort aufzunehmen und zu bewahren. Und lass es Frucht tragen, die Frucht des Glaubens und der Liebe, in einem dir geweihten Wandel. Ja, mache uns froh in deiner Gemeinschaft, und lass uns in dieser Gemeinschaft bleiben, nicht nur heute, sondern alle Tage unseres Lebens. Lass bei uns bleiben deine Wahrheit und Gnade. Amen. (Robert Grubenmann)


Lasst das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit.
Unsere Alten hatten den schönen und wahren Spruch: „Wie man im Hause liest die Bibel, so steht auf dem Hause der Giebel.“ Gottes Wort gehört nicht nur in die Kirche und auf den Predigtstuhl, es gehört auch in die Häuser. Und eben das meint der Apostel mit seiner Ermahnung: Lasst das Wort Christi unter euch reichlich wohnen. Er nennt uns da gleich den Kern und Stern des göttlichen Wortes, das Hauptstück in demselben, das Wort Christi, das Wort, das von Christo und seinen heiligen Aposteln auf uns gekommen ist; das soll unter uns wohnen. Mit Absicht ist dieser Ausdruck gebraucht: Christi Wort soll in unseren Häusern nicht wie ein Gast und Fremdling sein, der einmal und das andere Mal kommt und dann wieder geht, sondern er soll in unserer Mitte heimisch sein; wie einen täglichen lieben Hausgenossen, wie einen trauten Freund sollen wir's unter uns wohnen lassen, und zwar reichlich. Es birgt ja jedes Wort der Schrift, so wir nur anders den Schatz im Acker zu heben verstehen, einen Segen für uns. Es soll auch nicht nur der eine und andere Teil der Schrift oder etwa nur ein Auszug aus der Schrift unter uns heimisch sein, sondern ganz und nach allen seinen Teilen. Aber freilich dann dürfen wir ihm auch keine Hindernisse in den Weg stellen, dürfen nicht Türe und Tor vor ihm zuschließen. Sieh', es will Gottes Wort einem starken Strome gleich in dein Herz hineinrauschen und es mit seiner Segensfülle überfluten: baue keine Dämme dagegen, sondern ziehe vielmehr alle Schleusen auf, dass du wie mit Meereswellen von der Erkenntnis des Herrn bedeckt werdest! Die Bibel ist der Brief, den der liebe himmlische Vater an seine Kinder in der Fremde geschrieben hat; den kann man sich nie genug lesen. Aber der Apostel fügt hinzu: in aller Weisheit. Nicht jede Arznei ist für jeden Kranken heilsam, vielmehr muss man zusehen und die besondere Arznei für die besondere Krankheit wählen. Gottes Wort hat man die rechte „Apotheke“ genannt. Es gehört nun Weisheit dazu, um daraus zu nehmen, was man braucht, damit man nichts verdirbt. Die Anfänger brauchen die Milch des Evangeliums und können starke Speise nicht vertragen; die Sicheren brauchen den Ernst des Gesetzes, die Geängsteten den Trost des Evangeliums. Gott lasse uns finden, was wir brauchen, und lasse es uns zum Heil gedeihen! (unbekannt)


Lehrt und vermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singt dem Herrn in eurem Herzen.
Man zündet ein Licht am andern an, und ein Christ soll dem andern mit dem Licht oder Lichtlein seines Glaubens, seiner Erkenntnis, seines Trostes auf dem Wege, der zum Himmel führt, dienen und aushelfen. Daher die Ermahnung: Lehrt und vermahnt euch selbst. Wir sollen nicht alles dem geistlichen Amte aufbürden, wir sollen seine Mithelfer werden. Wir leben mit einander und unter einander und wissen oft besser, was jedem von uns fehlt, wo er der Lehre und Vermahnung bedürftig ist. Da soll dieser Liebesdienst unter einander mit aller Demut geübt werden. Wie viel können wir dadurch uns nützen! Ein treffliches Mittel der gegenseitigen und gemeinsamen Erbauung nennt uns der Apostel: Psalmen, das Gebetbuch des Volkes Gottes im alten Bunde und der alten Kirche, und Lobgesänge und geistliche, liebliche Lieder, welche aus der Tiefe des christlichen Gemütes quellen und die Erfahrungen des Christenlebens in Trost und Stärkung, in Lob und Dank Gottes zum Ausdruck bringen. Man hat mit Recht unsere liebe evangelische Kirche die „singende“ genannt. Zu den Stücken ihres inwendigen Schmuckes gehört auch das Kirchenlied in Wort und Weise. Von Luther an bis auf unsere Tage hat es Gott der Herr unserer Kirche nicht an heiligen Sängern fehlen lassen, welche, was irgendwie ein Christenherz bewegen kann, der ganzen Kirche und jedem evangelischen Christen zu gut, in „lieblichen geistlichen Liedern“ haben erklingen lassen. Suchen wir auch in diesen Liedern unsere Erbauung; sie haben schon Tausende in guten und bösen Tagen erquickt und getröstet, sie werden ihre Kraft auch an uns erweisen. Man singt dies und jenes, vielleicht manches wertlose Lied, warum singt man nicht auch diese „lieblichen geistlichen Lieder“? Aber das Singen mit dem Munde allein tut's nicht. St. Paulus sagt: singt dem Herrn in eurem Herzen. Durch Psalm, Lobgesang und geistliches Lied im Herzen pflegen wir den unmittelbaren Verkehr mit unserem Gotte. Solch' stilles, innerliches Sinnen und Singen ist gottgefälliges Opfer. Seien wir darin nicht träge! (unbekannt)

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