Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.
Das erste Offenbarwerden geschieht im Sterben. Wir werden in jenen Augenblicken enthüllt. Das Verborgene tritt hervor, der innere Mensch wird sichtbar. Ob wir im Glauben gewandelt oder nicht, das kommt ans Licht. Die Möglichkeit, in eine reine Welt einzugehen, hängt eng zusammen mit der Reinheit des Herzens. Unsere Genesung, die Gesundheit des inneren Menschen sollte heute unser Hauptanliegen bilden. Morgen schon kannst du enthüllt werden. Wie stehst du jetzt zu Jesus, dem Sohne Gottes? Hat Er dich abgewaschen von deinen Sünden? Ist dein innerer Mensch erneuert? Viele Gläubige sind dem inneren Menschen nach schwach, krank, matt, lahm und blind. Und es lebt noch mancherlei Sünde in ihnen. Das sind arge Fesseln. Wir müssen gesunde, freie, reine Gottesmenschen werden. Ganz anders gestaltet sich das irdische Leben im seligen Stande normalen Lebens mit Gott. Und geht's ans Offenbarwerden, welche Freude! Es tritt ans Licht ein normales, ein aus dem Heiligtum genährtes Gotteskind. Hier können der Mensch und sein Kleid sehr verschieden sein. Dort gar nicht mehr. Was ein jeder seinem Wesen nach ist, tritt schon in seiner bloßen Erscheinung ans Licht. Sein Kleid ist nicht edler als sein Herz und als seine Gesinnung. Wie seine Innerlichkeit war, so ist nun auch seine Gestalt, seine Erscheinungsform, sein Anblick. Reinheit ist Schönheit, ist Vollkommenheit. Der Reine kann Gott schauen, er kann sein, wo Gott ist, es ist ihm wohl bei dem heiligen Gott. Welch ein Offenbarwerden! Da geht man ein zu des Herrn Freude. (Markus Hauser)
Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.
Lasst uns jetzt hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird (Ebr. 5,16.) Wenn wir dieses täglich und bis an unser Ende tun werden, so werden wir dereinst Freudigkeit haben, vor Seine Richterstuhl offenbar zu werden. Vor diesem Richterstuhl müssen alle Menschen offenbar werden; denn obschon diejenigen, die nicht an Jesum glauben, schon gerichtet sind, wie Er selbst Joh. 3,18. sagt, und diejenigen, die an Ihn glauben, gerechtfertigt sind und Friede mit Gott haben: so müssen doch beide Haufen ihr Urteil auch öffentlich und völlig bekommen, und der Beweis des Urteils muss so geführt und ins Licht gestellt werden, dass jedermann die Gerechtigkeit Jesu Christi preisen könne. Die Menschen sind, so lang ihr irdisches Leben währt, sich und Anderen großenteils unbekannt. Niemand sieht dem Anderen ins Herz, und viele kennen sich selbst sehr wenig, ja Niemand kennt sich selbst vollkommen. Die Worte hört man, und die Werke sieht man: aber der Rat des Herzens, aus welchem jene und diese fließen, bleibt meistens verborgen. Oft wird auf Erden das Gute für bös, und das Böse für gut, der Fromme für einen Heuchler, und der Heuchler für fromm gehalten. Endlich wird das Allermeiste wieder mit der Vergessenheit bedeckt, indem nicht nur ein jeder Mensch viele von seinen Gedanken, Worten und Werken wieder vergisst, sondern auch von den allermeisten Menschen bei den späten Nachkommen gar nichts mehr im Angedenken bleibt. Es wird aber ein Tag kommen, da alle Menschen vor dem Richterstuhl Christi werden offenbar werden. Alsdann wird der HErr ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren. Alle Werke werden ins Gericht kommen, und alles, was verborgen gewesen war, es sei gut oder bös. Dieser Tag wird Alles klar machen. Er wird entdecken, wer Weizen oder Unkraut auf dem Acker Gottes gewesen sei. Es wird insonderheit der Wert aller Werke der Menschen bestimmt werden, und bei dieser Würdigung oder Schätzung werden viele Werke höher geschätzt werden, als diejenigen, die sie getan hatten und auch andere gemeint hatten, wie aus Matth. 25,35-40. zu schließen ist: andere Werke aber, die einen großen Schein gehabt hatten, werden als Holz, Heu und Stoppeln, zum Schaden derer, die sie getan hatten, verbrannt werden 1. Kor. 3,12-15. Auf gleiche Weise werden auch die bösen Werke derjenigen, die verloren gehen, gleichsam auf der Waage der Gerechtigkeit abgewogen werden. Offenb. Joh. 20,11.12.15. wird diese große Sache so beschrieben: ich sah einen großen weißen Stuhl, und den, der darauf saß, vor welches Angesicht floh die Erde und der Himmel, und ihnen ward keine Stätte funden. Und ich sah die Toten beide groß und klein stehen vor Gott, und die Bücher wurden aufgetan; und ein ander Buch ward aufgetan, welches ist des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet, nach der Schrift in den Büchern nach ihren Werken. und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl. Nur Wahrheit oder rechtschaffenes Wesen wird alsdann gelten: nur wer Christo angehört, wird vor dem Richtestuhl Christi mit Freudigkeit stehen können. (Magnus Friedrich Roos)
Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein Jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse.
Wie kurz unser Leben ist, so wichtig ist es. Es ist die Aussaat für jene Welt. Hier sät man und ist immer am Säen, dort erntet man. Unser Schicksal in derselben, was entweder schrecklich oder höchst selig, in beiden Fällen ewig ist, hängt lediglich davon ab, wie wir unsere kurze Lebens- und Gnadenzeit verwendet haben. Nachholen lässt sich da nichts mehr, nachbessern eben so wenig. Ansehen, worin wir hier standen, gilt da nichts mehr. Aber wie beschließen die Meisten ihre Reise? so dass man ihnen das Herannahen ihres Endes zu verheimlichen sucht. - Es kommt doch. - Bisweilen wird ihnen herzlich, bisweilen zum Schein, oft gar nicht nachgeweint. Man begräbt sie. Man unterhält sich nach dem Begräbnis munter über vorkommende Gegenstände. Wenn was da ist, teilen sich die Erben drein, und des Verstorbenen wird vergessen. Es dauert nicht lange, so ist er wie niemals da gewesen, und wird wenig oder gar nicht vermisst. Das ist es denn; das war sonst der Mühe wert! So ging's auch mit dem reichen Mann und dem armen Lazarus. Sie starben beide, und wurden begraben. Jesus zieht aber da, wo unser Nachsehen vorbei ist, den Vorhang weg und lässt uns den reichen Mann in der bittersten Armut in der Hölle, in der Qual, in den Flammen erblicken, den Lazarus aber in Überfluss, Freude und Ehre. Jener wünscht seine Brüder bewahrt zu sehen, für die aber kein Rat ist, wenn sie die Schrift nicht hören wollen. - Da haben wir's also. - Schreckliche Reise, die einen solchen Ausgang nimmt, wie jenes vergnügliche Art zu reisen! Herrliche Reise, die zu Lazarus Ziele führt! möchte es während derselben auch noch so erbärmlich hergehen. Richtet euch denn danach. Wer nach Osten reist, kann nicht nach Süden kommen. Wer das gute Ziel will, muss auch den guten Weg einschlagen. Meine nur Niemand, das Ziel sei einerlei, wie verschieden auch die Wege; er irrt gefährlich. (Gottfried Daniel Krummacher)