Das, wovon wir reden, ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen, nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen.
Paulus hatte das Evangelium von dem Kreuz unsers HErrn Jesu Christi 1 Kor. 1,21. eine törichte Predigt, und die Erlösung der Menschen durch einen gekreuzigten Heiland V. 25. eine göttliche Torheit genannt; damit man aber diese Ausdrücke nicht missdeute, sagt er 1 Kor. 2,6.: das, wovon wir reden, ist dennoch Weisheit, und zwar bei den Vollkommenen, und wird von diesen dafür erkannt. Die Juden und Griechen hatten Rabbi, Weltweise und Oberste unter sich: aber bei uns, sagt Paulus, gibt es Vollkommene, deren Urteil mehr gilt, als das Urteil jener. Welche sind aber diese Vollkommenen? Diejenigen Christen sind vollkommen, welchen starke Speise gehört, und die durch Gewohnheit (oder Geistes-Stärke) geübte Sinne haben zum Unterschied des Guten und des Bösen. Hebr. 5,14. Diese sind so gesinnt, wie Paulus nach Phil. 3,7-14. gesinnt war, und haben also eine überschwängliche, oder Alles überwiegende Erkenntnis Jesu Christi nach den verschiedenen Verhältnissen Seines Mittler-Amts. Bei diesen ist also das Evangelium vom Kreuz eine Weisheit. Wenn der Mensch zuerst gläubig wird, so ist er nach Kraft und empfindlichem Trost begieriger als nach Licht, und ist froh, wenn er durch jene von der Herrschaft der Sünde frei gemacht, und durch diesen von der Vergebung seiner Sünden versichert wird. Wenn er aber in der Gnade fest wird und noch mehr Licht bekommt, so kann er die Erlösung durch das Kreuz Jesu ruhig betrachten, und erkennt alsdann, ob er sie gleich nicht übersehen noch ergründen kann, dass sie mit den Eigenschaften Gottes und mit dem Bedürfnis der Menschen unvergleichlich schön harmoniere, dass sie die größte Offenbarung der Liebe, Weisheit und Kraft Gottes sei, dass sie den Menschen, der sie glaubt, gegen alles gegenwärtige und zukünftige Übel sicher stelle, und dass alle anderen Mittel, die Menschen gerecht und fromm zu machen, oder Gott zu versöhnen, und ein ewiges Heil zu erlangen, ganz unkräftig und töricht ausgedacht seien. Er preist also Gott wegen dieser Weisheit, hält sich hoch und glaubt sie von Herzen. Freilich trifft aber hier der vollkommene Christ keine Weisheit der gegenwärtigen Welt an, welche Jakobus Kap. 3,15. irdisch, menschlich und teuflisch nennt. Und weil die Welt sich auf ihre Obersten beruft, welche Staatskluge, Gelehrte, und Gönner dieser oder jener ungläubigen und eitlen Gelehrten sind, so sagt Paulus, die Weisheit, welche ein vollkommener Christ in dem Evangelio von dem gekreuzigten Jesu erblicke, sei auch nicht die Weisheit der Obersten der Welt, deren Ansehen Niemand blenden dürfe, weil keiner von ihnen die heimliche verborgene Weisheit, welche Gott vor der Welt verordnet, erkannt habe; den wenn sie erkannt hätten, hätten sie (oder ihres Gleichen Männer) den HErrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Ach, es gibt noch jetzt Oberste der Welt, welche den HErrn Jesum gekreuzigt hätten, wenn sie an des Caiphas und Pilatus Stelle gewesen wären. Ihre Weisheit ist eben diejenige, welche Caiphas und Pilatus hatten. Man wird aber sehen, dass solche Weisen doch sterben, sowohl als die Toren und Narren umkommen, und müssen ihr Gut Anderen lassen Ps. 49,11. Die wahre Weisheit macht heilig und selig. (Magnus Friedrich Roos)