Ihr habt nicht den Geist der Knechtschaft empfangen, sondern den Geist der Kindschaft, in welchem wir rufen: Abba, Vater.
Die volle Kindschaft schließt in sich, dass wir mit Paulus sprechen können: Christus lebt in mir! Gal. 2, 20. Ruht Sinnen und Denken im Herrn, ist das Herz durch Christi Blut rein geworden, so kann Gott Seine Macht, Seine Gegenwart kundgeben. Da wirst du dessen gewiss: Er ist in dir, über dir, um dich her. Zwei wunderbar reale Vorgänge und Veränderungen machen sich geltend. Zunächst und zuerst die Innewohnung Christi. Seine Person erfüllt Herz und Sinn. Dann aber steht ein Erfolg der Glaubensschule da. Du hast durch Jahre hindurch in Gebet und Gemeinschaft mit Ihm Liebe, Sanftmut, Demut, Gerechtigkeit, Reinheit angezogen. Daher strahlte aus deinem Leben und Wesen etwas von Christi Bild. „Sie werden Gottes Kinder heißen“, sagt der Heiland. Wir können diesen Ausspruch nicht wichtig genug nehmen. Söhne und Töchter des lebendigen Gottes stehen zu Ihm in einem innigen Verhältnis; (Markus Hauser)
Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen.
Der Apostel Paulus schreibt (Röm. 8,15.): „Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermal fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater.“ Christen sollen nicht nach dem Fleisch leben, sondern des Fleisches Geschäfte töten. Aber was sie zum Gehorsam gegen Gott und zum Kampf wider das Böse treibt, das ist nichts Fremdes außer ihnen, nicht Zucht und Zwang von Außen bei innerlichem Widerwillen und Widerstreben, nicht das Gesetz mit seinen Drohungen und Verheißungen; sondern Trieb des Geistes, der ihnen im Glauben an die Liebe Gottes in Christo gegeben ist, und der alle Gebote und Wege Gottes gut heißt und Lust daran hat. Dieser Geist, welcher die Kinder Gottes treibt, des Fleisches Geschäfte zu töten, erscheint den leichtsinnigen Kindern der Welt als ein finsterer Geist. Und weil niemand Gott eher lieben und vertrauen kann, bis er ihn hat fürchten lernen, so ist auch wirklich die nächste Wirkung dieses Geistes auf unbekehrte Menschen: ihnen Furcht Gottes einzuflößen, und sie aus der Ruhe und Sorglosigkeit heraus in eine heilsame Unruhe und Verlegenheit zu versetzen. Aber lass dich, o Mensch, nur in eine rechtmäßige Furcht versetzen, das macht den Übergang zu einer rechtmäßigen Freude. Der knechtliche Geist, bei dem man sich fürchten muss, ist doch ein besserer Geist, als der Geist der Welt, da man sich nicht fürchtet. Wolle nur nicht den Schmerz einer aufrichtigen Buße umgehen, denn das ist der Weg zur Freude des Glaubens an das Evangelium. Nach dem Sturmwind, dem Erdbeben und dem Feuer kommt das sanfte stille Sausen. Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnt, des Name heilig ist: „Der ich in der Höhe und im Heiligtum wohne, und bei denen, so zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen; ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen, sondern es soll von meinem Angesicht ein Geist wehen, und ich will Odem machen.“ Nach der Furcht und nach der göttlichen Traurigkeit, die zur Seligkeit wirkt eine Reue, die niemand gereut, kommt Friede und Freude in die Seelen durch den Heiligen Geist. Da heißt es: Ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, dass ihr euch abermal fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, welcher schreit: Abba, lieber Vater! Ihr wisst aus dem Wort Gottes: „Wir sind alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu.“ Und ob auch zuweilen der Anblick und die Erfahrung eurer vielen Mängel und Gebrechen euch des zweifelhaft machen sollte: so kommt dieser Geist euch in solcher Unsicherheit durch besondere Versicherungen zu Hilfe; schlichtet durch sein Zeugnis diese eure größte und heiligste Herzenssache, dass ihr Gottes Kinder seid; und setzt euch in den vollen Genuss der Liebe Gottes, die alle Furcht austreibt. Welch ein Leben! Wie sich's auch in den Augen der Welt ausnehmen, wie wenig es auch dem entsprechen mag, was sie Leben und gute Tage nennt - es ist doch so: „Wer leben will und gute Tage sehen, der suche zu dem Christennamen auch das Christenleben im Glauben des Sohnes Gottes, durch welchen wir die Macht empfangen, Gottes Kinder zu werden, die Kindschaft, den Kindesgeist, den Trieb dieses Geistes, Gott zu gefallen, und das Zeugnis dieses Geistes, dass wir ihm wohl gefallen und angenehm sind in dem Geliebten.“ Hast du schon einen anderen Geist empfangen, und welchen? Wes Geistes Kind bist du? (Carl Philipp Johann Spitta)
Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!
Gibt es etwas Peinlicheres als einen knechtischen Geist? Der Geist ist das, was das Leben regiert, und was die Gesinnung ausmacht. Eine knechtische Gesinnung im Verhältnis zu Gott ist zugleich auch ein Druck, der auf dem ganzen Leben lastet. Da ist die ganze Religion nur eine Sache der Gezwungenheit, eine Zwangsjacke, und jede Pflicht, mit ihren Forderungen, eine Pein. Spricht sich dieser Widerwille nicht immer gleich aus, so wohnt er doch auf dem Grund des Herzens, und wenn Petrus fragt: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? ist's genug siebenmal? so steckt in solch einer Frage immer der Wunsch: Ach, je weniger, je lieber. Das ist der knechtische Geist, der im Grund nur eine Feindschaft gegen Gott ist, die ein honetter Mensch aber sich nicht eingestehen darf. Man wage es aber doch nur endlich, das Kind beim Namen zu nennen, und es kommt gewiss zu einer Änderung. Der h. Geist, ehe er ein Kind Gottes macht, macht zuerst einen Galeerensklaven. Ist das Zwangsverhältnis zu Gott endlich eine Pein geworden, und hat man schreien lernen nach Erlösung von diesem Joch, so zerbricht Jesus die ehernen Türen und die eisernen Riegel, und kann sich offenbaren als der, welcher recht frei macht. In der Belehrung wird dem Sünder ein neuer Geist mitgeteilt, ein Geist der Zuversicht und der Liebe, der Knecht erhält Kindesrecht, der Widerwille gegen Gottes Gebote fällt ab, und die Seele, kann rufen: Abba, lieber Vater. Da wird es dem armen Sünder wunderbar leicht, der Zentnerstein ist weggewälzt von seinem Herzen, er atmet im Reich der Gnade eine ganz andere Luft, kommt wie aus dem kalten Grönland in das blütenreiche Italien, und wen die Liebe Christi dringt, der kann auch rufen: Seine Gebote sind nicht schwer. (Friedrich Lobstein)
Ihr habt nicht den Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsst, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, Vater.
An den Knechten hat Jesus gern den Jüngern gezeigt, was ihre Stellung vor Gott sei, dass sie ihm mit allem, was sie sind und haben, gehören und ihre ganze Arbeit für ihn tun. Ebenso hat Paulus zusammen mit der ganzen Christenheit den Namen „Knecht Gottes“ zu seinem Ehrennamen gemacht, der allen sofort das Große zeigte, was ihm gegeben war und durch ihn zu den Völkern kam. Dabei bleibt Paulus auch in unserem Spruch, weil er die Knechtschaft, die die Alten Gott unterwarf, zu seinem Eigentum machte und in seinen Dienst stellte, als das Werk des Geistes beschreibt. Der Gedanke wäre kindisch, ein Mensch machte sich selbst zu Gottes Knecht. Man wird durch Gott zu Gottes Knecht und Gottes Werk geschieht durch seinen Geist. Dennoch haben wir mit dem Geist, der Knechte Gottes macht, noch nicht das vor uns, was Jesu Gabe für uns ist. Über dem Knecht steht der Sohn, und von Jesus, dem Sohne Gottes, geht der Geist der Kindschaft aus. Wie wird dieser Unterschied in unserem Verhalten sichtbar? Aus der Gebundenheit des Knechts an Gott, sagt Paulus, entstand die Furcht; aus der Versetzung in die Kindschaft entsteht der Ruf, der den Vater ruft. Scheu und still muss der Knecht warten, bis das Urteil des Herrn über seine Arbeit erfolgt, wie er in schweigendem Gehorsam das Gebot des Herrn zu empfangen hat. Der Sohn dagegen spricht zum Vater mit lautem Ruf, befreit von scheuer Ängstlichkeit. Hier ist nichts zu verheimlichen; in heller Öffentlichkeit ergeht das Bekenntnis und mit froher Zuversicht wird die Bitte laut. Ist denn die Furcht aus uns, den Kindern, verschwunden? Das kann nie geschehen. So wenig Paulus das Knechtsein vor Gott schielt, so wenig schilt er die Furcht. Sie bleibt ein unentbehrliches Glied unseres inwendigen Lebens. Aber sie ist nicht mehr die Wurzel unserer Frömmigkeit, nicht mehr die treibende Kraft in unserem Gottesdienst. Die Furcht ist uns dazu gegeben, damit sie uns zum Glauben führe, und dieser hat nun seinen Grund darin gefunden, dass uns Jesus zu sich selbst holt und uns mit sich in die Kindschaft Gottes stellt.
Dir zu gehören ganz und gar, Vater, das ist der Reichtum und die Ehre Deiner Knechte und Deiner Kinder. Du beugst uns aber nicht durch Deine Hoheit, sondern hebst uns zu Dir empor durch Deine Gnade und wandelst unsere Furcht in den Glauben, durch den Deine väterliche Liebe uns zu sich zieht. O mache mir Tag um Tag wieder Dein Evangelium hell. Amen. (Adolf Schlatter)
„Abba, lieber Vater!“
Albarmherziger Gott, ich danke Dir, dass ich zu Dir, dem majestätischen Wesen, aufblicken darf, und Dich mit dem Namen nennen, der alle Furcht vertreibt, und alle Angst stillt: mein Vater in dem Himmel!
Vater, ich habe gesündigt im Himmel und vor Dir. Der gütigste irdische Vater würde eine Undankbarkeit und Widerspenstigkeit wie die meinige, nicht so lange ertragen haben. Schon längst hättest Du mich nach allem Recht ausstoßen und von Deinem Angesicht verbannen können aber Dein väterliches Erbarmen ist zu groß, Deine väterliche Geduld und Liebe sind noch nicht müde geworden. Habe ich auch Deinen vollen Zorn verdient, so sprichst Du dennoch: Ich will dein Vater sein.
Ich beklage meine schreckliche Undankbarkeit, meine vielfachen Abweichungen, meine traurige Unbeständigkeit. Ach, gib es nicht zu, dass ich noch länger in diesem Zustande der Entfremdung von Dir dahin lebe, und mich selbst um das Glück bringe, zu Dir wie ein Kind zu seinem lieben Vater zu stehen - nicht zu erfahren, welche Seligkeit es ist, von Natur arm, elend, hilflos, freundlos, dennoch in sicherem Frieden in Deinem Vaterarm zu ruhen. Lass mich doch alle Tage mehr und mehr in kindlichem Zutrauen Deinem Gnadenstuhl näher treten, in Dein Ohr alle meinen Kummer und meine Wünsche ausschütten, und Dir meine Sünden und Missetaten klagen. Gib mir die Gnade, mich in kindlicher Unterwerfung unter Deinen väterlichen Willen zu beugen, ohne Murren die väterliche Züchtigung hinzunehmen, in allem was mir widerfährt, sei es Freude oder Leid, die väterliche Stimme zu vernehmen und wenn es zum Sterben kommt, so treibe alle Furcht hinweg durch das väterliche Versprechen: heute noch sollst du mit mir im Paradiese sein.
Jesus, mein Heiland, von Dem Dein ganzes Volk im Himmel und auf Erden den Namen trägt, hilf mir, dass ich Deinem Vorbild heiliger Unterwerfung unter Deines Vaters Willen immer näher komme. Möge ich den bittersten Leidenskelch mutig in die Hand nehmen, und mit Dir sprechen: soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gibt? Ja Vater, denn also ist es wohlgefällig vor Dir. Liebster Herr, es ist mein Trost, zu wissen, dass Du niemals irren kannst, wenn auch der beste irdische Vater sich vergreift und versieht. Deine unbegreiflichsten Führungen sind weise und gut, Deine drohendste Stimme ist dennoch voll Erbarmen.
Allen diesen Segen der Kindschaft und Kindesfreudigkeit verdanke ich Dir, mein treuer Heiland. Dein teures Blutvergießen hat mich zum Kind und Erben eingesetzt, und erhält mich dabei. So komme ich denn auch heute wieder unter Dein Kreuz, und bitte Dich, dass der heilige Geist, der Tröster, mich treiben wolle, Gottes Kind zu werden, damit ich rufen kann: Abba, lieber Vater! Und diese selige Vertraulichkeit zu Dir stärke mich unter dieses Lebens Wechseln und Wirrungen, und lasse mich mit heiliger Freude der Zeit entgegensehen, wo ich nicht mehr ein heimatloser Pilger im fremden Lande bin, sondern wo mein Vater mich an dem Tor des Himmels mit den Worten empfängt mein Sohn, du sollst immer bei Mir sein, und alles was Mein ist, das ist dein. Mich und alle meine Lieben befehle ich auch für diesen Tag in Deine väterliche Obhut, um Jesu Christi willen. Amen. (John Ross MacDuff)
Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!
O, habt ihr schon einmal den Geist der Kindschaft empfunden? Nichts unter dem Himmel kommt ihm gleich. Außer der himmlischen Seligkeit selbst gibt es nichts seligeres als den Geist der Kindschaft ganz zu empfinden. O, wenn der Wind des Unglücks weht, wenn sich die Wogen der Trübsal erheben und das Schiff auf die Klippe zuschwankt - wie köstlich ist's dann zu sagen: „Mein Vater,“ und zu glauben, dass seine starke Hand das Steuer hält. Wenn unsre Gebeine wie zerschlagen sind, wenn der Schmerz in unsrem Körper wühlt, wenn unser Becher von Wermut und Galle überfließt, so sehen wir des Vaters Hand, die uns den Becher an die Lippen hält, und wir leeren ihn mutig bis auf die Neige, denn wir können ja sagen: „Vater, nicht mein Wille sondern dein Wille geschehe.“
In Luthers Erklärung des Galaterbriefs heißt es: „Paulus sagt, dass der Geist nicht viel Worte oder ein langes Gebet für uns tut, wenn wir in Anfechtung und Trübsal sind; auch dass er kein stark groß Geschrei mache mit viel Tränen und sage: Gott sei mir gnädig! sondern dass er allein das einzige Wörtlein, doch mit unaussprechlichem Seufzen, in unserem Herzen schallen lasse: Ach Vater! welches wohl ein klein und kurz Wörtlein ist, begreift aber mehr, denn keine Zunge oder Sprache ausreden kann.“ Lieber Vater! o wie süß klingt das. Die ganze Seligkeit des Himmels liegt in dem Wort „lieber Vater“, wenn wir es auf Gott anwenden und wenn der Geist uns lehrt, es ohne Stammeln auszusprechen. (Charles Haddon Spurgeon)
„Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!“
Heiliger Gott! Mich verlangt an diesem Abend mich Deinem Throne zu nahen mit heiliger Zuversicht und des hohen Vorrechtes mich zu bedienen, dass ich zu Dir ausblicken darf, als zu meinem Vater im Himmel. Seht, welch eine Liebe hat mir der Vater erzeigt, dass ich darf ein Kind Gottes heißen! Mit Recht hättest Du mich können verwaist, freundlos und ohne Erbe lassen. Aber inmitten Deines Zornes gedachtest Du Deiner Barmherzigkeit. Welches irdischen Vaters Zärtlichkeit käme Deiner Liebe gleich! Du hast mich getragen mit meinem Eigensinn, mit all meiner Verdorbenheit, Verkehrtheit und Undankbarkeit. Ich bin bis zu dieser Stunde ein Denkmal Deiner ebenso wunderbaren wie unverdienten Liebe.
O lehre mich immer mehr den Geist
kindlichen Gehorsams gegen Dich pflegen und heilige Furcht hegen, einen so gütigen, freundlichen und vergebenden Vater zu betrüben. Wenn Du den Pfad meines irdischen Lebens mit unverdienten Segnungen bestreuest, so gib mir auch die Kraft, mein Herz zu erheben über jedes irdische Gut zu dem besseren Erbteil, das ich in Dir, dem Geber aller guten Gaben, habe. Lass mich jedes Gut nur genießen als ein Geschenk Deiner Vaterhand, als ein Unterpfand Deiner väterlichen Liebe. Lass die Stunde des Gebets mir doppelt heilig werden durch den Gedanken, dass es mir vergönnt ist, die Gegenwart eines so lieben Vaters zu genießen und mein Herz in eines so lieben Vaters Schoß ausschütten zu dürfen. Lass alle Trübsal mir versüßt werden durch den Gedanken, dass die Rute liegt in eines Vaters Hand, und dass die scheinbar raue Stimme nur das ernste Wort einer väterlichen Liebe ist.
Heiliger Jesus! lass mich stets eingedenk bleiben, dass Du allein es bist, durch den ich den Trost der Kindschaft empfangen. Du hast mir, dem verlorenen Sohne, den Weg zum Vaterhause bereitet, die Tür zum Vaterherzen geöffnet. Deine Stimme sprach: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Ja, Du bist gekommen, mir solche Stätte zu bereiten. Lass mich das nimmer vergessen, sondern in kindlichem Glauben völlig trauen auf Deine Heilandsliebe. Nimm auch jetzt dies Abendopfer meines Dankes an und gib, dass ich auch am heutigen Tage dem Vaterherzen und Vaterhause einen Schritt näher gekommen sein möge.
Nimm alle meine geliebten Freunde unter den Schatten Deiner Flügel. Die Finsternis kann sie nicht verbergen vor Dir, Dein wachend Auge dringt auch durch den dunklen Vorhang der Nacht. Führe, behüte, beschirme sie und bringe sie Alle zuletzt in Dein himmlisches Reich.
Segne Deine Kirche allüberall, dehne aus ihre Grenzen und stärke ihre tragende Pfeiler. Umgürte Dein Zion mit Deiner Kraft wie mit einer feurigen Mauer, und lass Deine Herrlichkeit in seiner Mitte wohnen. Bekleide seine Priester mit Heil, lass seine Heiligen und sein Volk vor Freude jauchzen. Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu diesen Zeiten; es ist ist ja doch kein Andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn Du, o Gott, alleine!
Segne die, welche Deine Hand getroffen. Mögen sie ihre Zuflucht suchen bei den Armen, welche sie gezüchtigt, und im Stande sein, ohne Murren und Verzagen zu sprechen: Des Herrn Wille geschehe! Ach, besuch zu dieser Stunde ihre Herzen und im Grunde sie erfreu' in Dir allein; zeuch mit Deinen Liebeszügen ihre Lust und ganz Vergnügen wesentlich in Dich hinein!
Erhöre mich, gnädiger Vater, um Jesu Christi, meines Heilandes willen. Amen. (John Ross MacDuff)