Römer 8,14

Andachten

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba lieber Vater! Derselbige Geist gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.
Wie gibt denn der heilige Geist Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind? Es kommen ja Stunden der Schwachheit und des Kleinglaubens, dass es uns in dem Bewusstsein unserer Sündhaftigkeit und unserer immer noch wiederkehrenden Sündenworte, Sündenwerke und Sündenlüste schwer fällt, uns als Kinder Gottes anzusehen eben wegen der immer anklebenden Sünde; denn so sollte es doch billig nicht sein bei einem Kinde Gottes, spricht unser zagendes Herz! Da sollte uns freilich schon das trösten, wenn wir in den irdischen Verhältnissen wahrnehmen, dass ein Vater darum nicht aufhört, sein Kind als sein Kind anzusehen, weil es hier und da noch irrt und fehlt und den Vater betrübt. Der Vater sieht, dass das aus Schwachheit geschieht und nicht aus Bosheit und mutwilligem Ungehorsam, und spricht: es ist doch mein Kind, wenn auch ein irrendes und fehlendes Kind. Das Kind ist ja nicht des Vaters Kind durch sein Wohlverhalten, sondern durch seine Geburt. Also gibt nun auch der heilige Geist Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind durch unsere Wiedergeburt in der heiligen Taufe, durch die Predigt des göttlichen Worts, in welcher wir allezeit des Vaters Stimme vernehmen, durch die Absolution in der Beichte, wodurch uns der Vater unsere Sünden vergibt, durch den Genuss des heiligen Abendmahls, wodurch uns der Vater mit dem Fleisch und Blut seines Sohnes speiset und tränket und uns bezeugt, dass wir Gottes Kinder sind, indem er uns zu seinem väterlichen Tische zulässt. Und weiter bezeugt der heilige Geist unserm Geiste und spricht: du kämpfest ja gegen die Sünde, du hassest ja die Sünde, du hast ja bitteren Schmerz im Herzen, wenn dich die Sünde übereilt hat, du freuest dich ja, die Sünde zu überwinden und zu tun, was Gott dir sagt in seinem Worte, ja du leidest ja willig und gern um deines Gottes und Heilandes willen, und vor allen Dingen, du betest ja zu deinem Gott in deiner Freude und in deinem Leid, in deiner Schwachheit und in deiner Sünde, du jubelst und dankest deinem Gott über die Vergebung der Sünde, du kannst und magst ohne deinen Gott nicht aufstehen und nicht zu Bette gehen. Woher kommt denn dies alles? Weil die Liebe Gottes ausgegossen ist in dein Herz durch den heiligen Geist, weil du ein Kind Gottes bist, freilich ein irrendes, ein fehlendes, ein schwaches Kind, aber immer doch ein Kind Gottes, das da rufet: Abba, lieber Vater! So gehe nur getrost weiter, ein Vater verlässt sein Kind nicht, und ein Kind kann seinen Vater nicht missen. Hier ist unser Wissen Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk, das Stückwerk aber wird aufhören, wenn das Vollkommene erscheinen wird, da wirst du ihn erkennen, gleichwie du von ihm erkannt bist: Er dein Vater, du sein Kind. (Ludwig Harms)


Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Eines der größten Vorrechte, die Kinder Gottes haben, ist die Leitung des Heiligen Geistes. Soll er uns leiten können, so muss er im Herzen wohnen. Wenn eine Seele willig wird, in Wahrheit nach Gottes Wort zu leben, Allem abzusagen, was Gott missfällt, so darf sie glauben, da der Heilige Geist in ihr wohnen will; wo er regieren kann, wo man seiner Leitung folgt, da wohnt er. Er kann nicht eher in uns wohnen, als wir es glauben. In Ephes. 3, 17 sagt Paulus: Christum in euren Herzen zu wohnen durch den Glauben. Dieser Glaube eines Kindes Gottes, das bereit ist, treulich auf Gottes Wegen zu wandeln: Christus wohnt in mir durch seinen Geist, hat selige Folgen für das ganze Leben. Sobald ich glauben kann: der Geist Gottes leitet mich, so werde ich von viel Unruhe, von viel Sorgen erlöst. Er wird mich leiten können insoweit, als ich durch ihn erleuchtete Sinne habe, um geistlich denken und geistlich urteilen zu können; insoweit, als ich in Jesu bleibe und dadurch innerlich still bin. Paulus sagt in Röm. 12, 2: verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Wille Gottes. So sehen wir klar, dass das Verständnis des Willens Gottes im einzelnen Fall, also das Geleitetwerdenkönnen vom Heiligen Geist, unzertrennlich mit der Erneuerung unseres Sinnes, also mit unserer Heiligung zusammenhängt. Je mehr Leib und Seele untertan wird dem Geiste Gottes, je mehr sein Licht uns durchdringt, desto sicherer kann er uns leiten; denn nur in der Finsternis stößt man an. Die Leitung des Geistes stimmt immer mit der Leitung von Gottes Wort überein. Es hat ja auch schon Menschen genug gegeben, die fälschlich behaupteten, vom Geiste Gottes geleitet zu sein; sie haben aber immer Gottes Wort in irgendeiner Weise auf die Seite gesetzt, meistens in Bezug auf die Demut. So kennt man die Kinder Gottes, die vom Geiste geleitet werden, am treuen Festhalten an dem geschriebenen Wort Gottes, unter das sie sich willig beugen.

Herr, meine Erfahrung lehrt mich, dass ich noch mehr unter Deines Geistes Leitung kommen muss. Heilige mich noch mehr durch Dein Wort, damit ich ganz in Deinem Licht wandle. Amen. (Elias Schrenk)


Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Herr, Du bist der Gott meines Lebens und die Kraft meiner Tage. Kein Glück, das nicht von Dir käme. Deine Gnade ist Leben. Vergeblich würde ich meine Genüge suchen in dieser ungenügenden Welt. Deiner beraubt bin ich wahrhaft verarmt. Aber unter Deinem leuchtenden Antlitz bin ich geborgen, bin ich glücklich.

Gieße herab auf mich die Gaben und Gnaden Deines Heiligen Geistes. Lass ihn Wohnung machen in meinem Herzen. Lass ihn über seine blutbesprengte Schwelle die Inschrift setzen: „Heiligtum des Herrn!“ Lass diese meine Seele einen lebendigen Tempel, eine Wohnung Gottes im Geiste werden. Behüte mich vor aller Tändelei mit den Regungen des Geistes, bewahre meine Seele, dass sie nicht durch Unbußfertigkeit oder Herzenshärtigkeit den heiligen Tröster betrübe, durch den sie versiegelt ist auf den Tag der Erlösung. Lehre mich alle meine Gefühle und Gedanken unterordnen dem heiligen Richtmaß Deines Geistes. Seine allmächtige Kraft nehme alle meine hohen Gedanken und eitlen Einbildungen gefangen unter den Gehorsam Christi. Seine Kraft sei meine Stütze in Schwachheit. Erfülle mich mit Freude und Frieden im Glauben, dass ich selig sei in der Hoffnung durch den Heiligen Geist, wohl geschickt zu Deinem Dienste hienieden, vollbereitet zum Genusse Deiner Herrlichkeit im Jenseits. Ich bitte auch um Ausgießung desselben Heiligen Geistes auf die ganze Kirche. Lasse ihn als erquickenden Res gen niederrieseln auf das welke Gras, als eine Gewitterschauer strömen auf das dürre Erdreich. „Komm von den vier Winden, du Wind des Herrn, und wehe an die Erschlagenen im Tale!“ Beschleunige das Kommen der herrlichen Zeit, wo das Jahr der Erlösten anbrechen, wo die Erde voll sein wird von Hütten der Gerechtigkeit, in denen unablässig das Jauchzen der Freude und der Lobgesang des Friedens erschallt.

O dass doch von Jesu Sinn, auf den der Geist ausgegossen war ohne Maß, mehr in mir wäre! dass ich mehr wie Er wäre, demütig und sanftmütig, lind und still, geduldig und langmütig, friedlich und versöhnlich, Böses mit Gutem überwindend. Gestalte mich in dieses Bild von Klarheit zu Klarheit, durch den Heiligen Geist.

Birg alle meine Freunde unter den Schatten Deiner Flügel. Senke Deinen guten Geist auch in ihre Herzen. Lass durch ihn sie in alle Wahrheiten geleitet und der reichen Gnadenschätze in Christo immer mehr teilhaftig werden.

Alle armen Betrübten lasse sich erfreuen der Erquickungen des verheißenen Trösters. Der Heilige Geist gieße Öl und Wein in ihre Wunden, stärke sie inmitten ihrer Anfechtungen, und lehre sie in voller Ergebung sprechen: Herr. Dein Wille geschehe! In diesem Deinen Willen, als den besten, lass uns Alle Ruhe finden! Und unser Ringen sei, unsern Willen diesem guten Gotteswillen in Allem gleichförmig zu machen.

So lege ich mich, Du Hüter Israels, in Deine treue Gotteshut nieder, Deine Gnadengegenwart bleibe mir im Schlafen wie im Wachen und durchgehe auch heiligend meine Träume.

Schütze mich vors Teufels Netzen, Vor der Macht der Finsternis, Die mir manche Nacht zusetzen Und erzeigen viel Verdrieß. Lass mich Dich, o wahres Licht! Nimmermehr verlieren nicht; Wenn ich Dich nur hab im Herzen, Fühl ich nicht der Seelen Schmerzen.

Du großer Gott! erhöre, Was Dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rat, Und mein Hort, Du werter Geist, Der Du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich's Flehen; Amen, ja, das soll geschehen.

Amen.

Mein Gebet müsse vor Dir taugen wie ein Räuchopfer, meiner Hände Aufheben wie ein Abendopfer! (John Ross MacDuff)


Alle, die der Geist Gottes treibt, sind Kinder Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen wiederum zur Furcht, sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, in welchem wir rufen: Abba! Vater! Eben dieser Geist gibt Zeugnis unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden.
„Seht, welch' eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!“ Deine Kinder, o liebreicher Gott! sind wir ja schon von Geburt an; denn du hast uns das Dasein gegeben und erhältst es uns täglich mit Vatergüte; deinem ewigen Geiste ist unser Geist entstammt; dein Bild trägt unsere Seele schon von Anbeginn als herrliche Anlage in sich; deiner guten Gaben sind so viele und unendlich mehr, als sie selbst der beste menschliche Vater seinen Kindern erweisen kann. Aber dieser unserer Kindschaft werden wir lange Zeit nicht bewusst, und wenn wir ihrer bewusst geworden, ach, so vergessen wir im Strudel des Irdischen oft unserer hohen Abstammung und Bestimmung; wir lassen die Anlage zu deinem Ebenbilde in uns schlummern, oder wir verlassen gar leichtsinnig deine Nähe und Gemeinschaft, unser ewiges Vaterhaus, wo wir es so gut haben könnten im Genusse aller deiner geistigen Güter, und schweifen als irrende Kinder heimatlos und friedlos durch die öde Haide eines gottentfremdeten Weltlebens! O so zeige dich denn uns, zeige dich Allen, die in menschlicher Schwäche und Sündlichkeit von dir abirren, als den gnädigen Vater, führe uns zurück an dein Vaterherz und in dein Vaterhaus und lass an deiner Hand uns wandeln auf neuen Lebensbahnen! Erfülle unsere Herzen mit deinem Geiste, dass wir in fortwährender Heiligung unseres Wesens unsere Seelen zu deinem wirklichen Ebenbild machen, an dem man die väterlichen Züge der Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe deutlich erkennen kann, dass in der Einigung unseres Gemütes mit dir unsere Kindschaft zur vollen Tatsache werde! Lass uns so auch heute in Wahrheit, nicht bloß dem Namen nach, deine Kinder sein, deine Söhne und Töchter, die den Adel ihres göttlichen Geschlechts nirgends verleugnen! Lass uns dankbare, liebreiche, glückliche Kinder sein, die im Vertrauen auf dich sich jeder bangen Sorge entschlagen und in jeder schweren Stunde zu dir ihre Zuflucht nehmen; gehorsame gute Kinder, die sich scheuen vor allem Bösen, dir Missfälligen, und sich schämen alles Unedlen, Niedrigen in Gedanken, Worten und Werken! Lass uns friedsame Kinder sein, die mit ihren Brüdern und Schwestern alle einträchtig zusammen zu leben sich bestreben! Lass uns heranwachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Jesus Christus, das strahlende Urbild der Gotteskindschaft, der, von deinem Friedensgeist erfüllt, in seinem Herzen deinen Ruf vernahm: „Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ Amen. (Robert Grubenmann)

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