Römer 14,8

Andachten

Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Ja, des Herrn sind wir, und ist unser höchster Trost und Freude, dass wir den zum Herrn haben, dem der Vater alle Gewalt im Himmel und auf Erden und Alles in seine Hand gegeben hat. Wer will und kann uns denn nun Schaden tun? Der Teufel mag sehr zornig sein und uns mörderisch in die Fersen stechen; dass er uns aber aus seiner Hand reiße, das soll er wohl lassen. Zudem sind wir, so an Jesum Christum, unsern Herrn glauben und unter seinem Schutz und Schirm leben, auch nun selbst Herren, durch und in Ihm, über Teufel, Sünde, Tod. Denn Er ist um unsertwillen, dass Er uns zu solcher Herrschaft brachte, Mensch worden, hat für uns den Vater gebeten und uns also geliebt, dass Er für uns ein Fluch ist worden, sich selbst für uns gegeben, mit seinem teuren Blut erkauft, und von den Sünden gewaschen und gereinigt. Endlich, Er hat uns auch das Pfand unserer Seligkeit, den heiligen Geist, in unser Herz gegeben, zu Königen und Priestern vor Gott, und in Summa zu Kindern und Erben Gottes und zu seinen Miterben gemacht. Das ist gewiss wahr. O Herr! stärke unsern Glauben, dass wir daran ja nicht zweifeln. (Martin Luther)


Leben wir, so leben wir dem HErrn: sterben wir, so sterben wir dem HErrn. Wahre Christen erkennen, dass sei im vollkommensten Verstand des HErrn seien. Er hat sie nicht nur erschaffen, sondern auch, nachdem sie durch die Sünde unter die Gewalt des Satans gekommen waren, mit Seinem Blut erkauft. Nun sehen sie sich selbst so an, wie die Korinther sich selbst ansehen mussten, zu denen Paulus sagte: ihr seid nicht euer selbst: ihr seid um einen Preis erkauft, ihr seid Christi 1 Kor. 6,19.20. 3,23. Zwar sind sie nach dem Willen ihres HErrn auch den Eltern und Vorgesetzten auf Erden untertan: allein das höchste Recht über sie behält sich der HErr Jesus vor. Insonderheit ihr Gewissen Ihm allein und unmittelbar untertan. Hierauf folgt aber, dass sie auch dem HErrn leben, und dem HErrn sterben. Ein zwar unvollkommenes aber doch erläuterndes Beispiel hievon sind die leibeigenen Knechte oder Sklaven, welche ihren Herren leben, weil sie alle ihre Geschäfte nur für ihre Herren tun, und für sich kein Vermögen sammeln, und welche auch ihren Herren sterben, weil diese alsdann einen Sklaven weniger haben. Doch in Ansehung des letzten Umstandes ist die Ungleichheit zwischen den irdischen Sklaven und zwischen den Leibeigenen des HErrn Jesu sehr groß: denn da jene durch den Tod von aller Verbindung mit ihren Herren los werden, so hören hingegen diese, wenn sie sterben, nicht auf, des HErrn Jesu zu sein: denn Dieser ist darum gestorben und wieder auferstanden, dass Er über Tote und Lebendige ein HErr sei. Wer dem HErrn lebt, darf nicht sich selbst leben, sondern Dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Wer sich selbst lebt, tut Alles um sein selbst willen, um seinen Geiz, seine Ehrfurcht und seine Wollust zu vergnügen. Auch wenn er schwere Arbeiten übernimmt, wenn er löbliche Taten tut, wenn er von groben Ausschweifungen sich enthält: so tut er’s sich selbst zu Gefallen, um Nutzen oder Lob zu erhaschen, oder ein Vergnügen an sich selbst zu haben. Auf diese Weise macht sich der Mensch selbst zu seinem Zweck, ja zu seinem Gott. Wer aber dem HErrn lebt, verleugnet sich selbst, das ist, er achtet sich selbst nicht, insofern er irdische Vorteile erlangen könnte. Wenn nur Christus verherrlicht wird, wenn nur Sein Wille geschieht, wenn nur für Ihn etwas gewonnen wird! Ihm arbeitet man, Ihm leidet man, man gibt sich Ihm zum Opfer hin. Der Verstand und Wille sind Ihm unterworfen; und alle Glieder gibt man gern hin zum Dienst der Gerechtigkeit. Auch mit dem zeitlichen Vermögen, das man nicht als ein Eigentumsherr, sondern als ein Haushalter hat, und das nach dem höchsten Recht Sein ist, speiset, tränket und kleidet man Ihn in Seinen Gliedern. Und dabei verdient man als ein Leibeigener des HErrn nichts, und bleibt insofern ein unnützer Knecht: wiewohl der gütige und reiche HErr aus lauterer Gnade Seinen Knechten mehr gibt und geben wird, als sie bei der geizigsten Lohnsucht begehren könnten: denn Seine großmütige Freigebigkeit geht über ihr Bitten und Verstehen.

Wer so dem HErrn lebt, stirbt auch dem HErrn. Sich selbst kann der Mensch freilich nicht sterben, außer wenn er sich selbst vorsätzlich das Leben nimmt. Sonst aber stirbt ein natürlicher Mensch, weil er sterben muss, und unterwirft sich diesem unvermeidlichen Schicksal ungern, ohne eine Hoffnung oder Absicht auf Christum dabei zu haben. Allein wahre Christen sterben so, dass sie glauben, nun werden sie von ihrem guten HErrn von ihrem Posten, auf den Er sie in dieser Welt gestellt hatte, abgerufen, um in der unsichtbaren Welt bei Ihm zu sein, und Ihm auf eine neue Weise in der Herrlichkeit zu dienen. (Magnus Friedrich Roos)

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