Wer Mir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternis.
Dies sind die Worte Christi, durch welche wir ermahnt werden, Sein Leben und Seinen Wandel nachzuahmen, wenn wir anders wahrhaftig erleuchtet und von aller Blindheit des Herzens befreit werden wollen. Darum sei es unser höchstes Bestreben, über das Leben JEsu Christi nachzudenken! Die Lehre JEsu Christi übertrifft alle Lehren der Heiligen weit, und wer den Geist hätte, der fände darin verborgenes Manna. Bestrebe dich darum, dein Herz von der Liebe zum Sichtbaren abzuziehen und dich zum Unsichtbaren zu erheben! Denn, die ihrer Sinnlichkeit folgen, beflecken ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes. (Thomas a Kempis)
ich bin das Licht der Welt; wer Mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Man rühmt jetzt die erleuchtete und aufgeklärte Zeit, und doch folgen unter der großen Menge der Christen Wenige Christo nach. Es gibt Männer, von welchen man sagt, sie haben zur Erleuchtung der Welt durch ihren Witz, Kunst und Gelehrsamkeit Vieles beigetragen, und doch folgen diese Männer selber Jesu, dem Licht der Welt, nicht nach, und weisen auch ihre Schüler nicht dazu an. Man kann ihnen also zurufen: wandelt hin im Licht eures Feuers, und in Flammen, die ihr angezündet habt – in Schmerzen werdet ihr liegen, Jes. 50,11. Christus der Wahrhaftige sagt: Ich bin das Licht der Welt. In allen Weltgegenden und zu allen Weltzeiten müssen die Menschen von Ihm Licht empfangen, wenn sie erleuchtete werden sollen. Zu diesem Ende aber müssen sie Ihm nachfolgen, Seine Lehre annehmen, nach derselben ihren Sinn ändern, und in Seine Fußstapfen treten. Alsdann werden sie nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben. Das Licht also, das ein Nachfolger Christi hat, ist ein Licht des Lebens. Es heitert nicht nur den Verstand auf, dass er die vorkommenden Dinge recht erkennen und beurteilen kann, sondern belebt auch. So viel Licht ein Christ hat, so viel geistliches Leben hat er auch, und so viel geistliches Leben er hat, so viel Licht hat er. Ist nun das Licht auch das Leben der Menschen, so muss im Gegenteil die Finsternis der Tod sein. Eine finstere Seele ist auch eine tote Seele in Ansehung der geistlichen Dinge, welche das Reich Gottes in sich schließt. Gleichwie sie nichts vernimmt vom Geist Gottes, also kann sie sich auch zu demjenigen, das der Geist Gottes gebietet, nicht erheben und bewegen, weil gar keine Kraft dazu in ihr ist.
Die Menschen prangen gar gern mit ihrer Weisheit, und arbeiten meistens emsig darauf los, wie sie ihren Verstand erhöhen und erweitern. Schon Eva ist durch den betrüglichen Verspruch einer höheren Weisheit von der Schlange betrogen worden. Man kann auch nicht leugnen, dass Unterricht und Übung in dem Bezirk der Natur Vieles ausrichten, und die Vernunft natürlicher Menschen sehr hurtig und fähig sein kann, natürliche Dinge, die zum Wesen dieser Welt gehören, zu fassen und zu beurteilen. Allein zwischen der Natur und Gnade, zwischen dem Wesen dieser Welt, welches vergeht, und zwischen dem unbeweglichen Reich Gottes ist ein großer Unterschied. Im Reich Gottes ist Christus allein das Licht, der Morgenstern, die Sonne. Wer von Ihm erleuchtet werden will, muss auch Sein Nachfolger sein. Der alte Teufel ist ohne Zweifel schlauer als alle Staatsmänner, und weiß mehr als alle Gelehrte, wie ihm denn deswegen sieben Köpfe zugeschrieben werden: und doch ist er mit einer undurchdringlichen Finsternis als mit einer Kette gebunden, und herrscht nur in der Finsternis der Welt. Auch heißen böse Werke, die nach seinem Willen geschehen, Werke der Finsternis. Das Licht des Lebens aber, welches ein Nachfolger Christi hat, ist sowohl der Gewalt des Satans, als auch dem Trieb zu bösen Werken entgegen gesetzt. Der HErr Jesus erleuchte auch uns immer mehr, und vertreibe die Finsternis, die an die Hölle grenzt, aus unsern Seelen. (Magnus Friedrich Roos)
Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Von allen Dingen schuf Gott das Licht zuerst, weil es die Grundbedingung alles Lebens und Gedeihens ist. Siehe, wie die Pflanzen ihre Blätter, die Blumen ihre Köpfchen der Sonne zukehren, und mit Wonnegefühl der Mensch die ersten Strahlen des Tageslichtes begrüßt! Dagegen sind das Grauen der Nacht und die Schrecken der Finsternis sprichwörtlich geworden. Es könnte keine schrecklichere Strafe geben, als einen Menschen auf immer in einen Kerker zu sperren, in welchen nie ein Schimmer Tageshelle dringt. Wie die gesamte Natur nach dem irdischen Licht, so sehnt sich auch der Menschengeist nach dem ewigen Lichte. Es drängt jeden Menschen, auch den rohesten, nach mehr Wissen und Erkenntnis, und die Stunden, wo diesem Drange Genüge geschieht, rechnet er zu den Stunden des Glückes und der Befriedigung auf Erden. Unser Geist ist aber ein Hauch aus Gott und durch denselben sind wir Gottes Ebenbild. Darum treibt es denselben auch fort und fort, sein Urbild zu erfassen, und es hat auch ein jeder Mensch ein gewisses Maß der Erkenntnis Gottes, wie gering es auch sei. Und je nach der Größe dieses Maßes erkennt er auch wieder die Welt in ihrem Wesen und sich selbst. Aber ach, wie zusammengeschrumpft dasselbe ist, in welchem Umfange die Nacht der Sünde das göttliche Licht in uns überschattet und verdrängt hat, das lehrt uns ein Blick auf die, so von der Offenbarung nichts wissen oder nichts wissen wollen, der Blick auf die Heiden außerhalb und innerhalb der Christenheit. Wie ist es auch möglich, mit blöde gewordenen Augen, mit erstorbener Sehkraft das Licht selbst in seiner Klarheit und die Dinge in der Welt nach ihrer wahren Gestalt zu erkennen! Aber der, welcher dem Lichte dereinst gebot, dass es sei, hat mitten in die Nacht der Sünde und die Schatten des Todes die Strahlen seines göttlichen Lichtes wieder hineinfallen und dieselben im Laufe der Jahrhunderte an Kraft und Wahrheit gewinnen lassen, bis durch die Menschwerdung seines Sohnes der helle Mittag da war und das ewige Licht selbst in dem Glanze erschien, welchen der Zweck seiner Sendung und die ermatteten Augen der Menschen, ohne geblendet zu werden, Ihm zu entfalten erlaubten. Nun haben wir in Jesu das Licht der Welt, das göttliche, ewige Licht, gemildert und erträglich für unsere Augen durch die menschliche Hülle, in der es auf Erden war. In ihm haben wir das Licht, das unsere Finsternis helle machen kann, in seinem Lichte können wir das ewige Licht wieder schauen und von seinem wunderbaren Glanze angezogen und durch seine göttliche schöpferische Liebeskraft zu neuem Leben erwärmt, den Bereich des Todes und der Sünde verlassen und von einer Klarheit zur andern und von einer Stufe des Lebens zur andern hindurchdringen. Denn Licht ist Leben im Bereiche der Natur und des Geistes. Aber auch Leben ist Licht, und Jesus ist und gibt beides. Und wer dieses und jenes in Ihm hat, und den Bahnen folgt, die Er ihm zeigt und ihm vorangewandelt ist, der fürchtet kein Unglück, ob er auch wandelte im finsteren Tale, und ob auch Nacht und Grauen ihn umhüllten, der Blick auf Jesum erhellt ihm die finstere Nacht, und ob der Tod mit eisiger Hand ihm nahte, in Jesu hat er das Leben. Und wie Er, dem wir folgen, uns vorangewandelt ist, Er, der Herzog unserer Seligkeit, so dringen auch wir hindurch durch Nacht zum Licht, durch Tod zum Leben. (Anton Camillo Bertoldy)