Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbe kommen wird, so wird er uns Alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet.
Zu solchem Bekenntnis hat Christus die Samariterin geführt. Nun hat das Herz den rechten Weg. Das unbestimmte Hoffen hat einen Punkt gefunden, auf den es hindrängt. Und du mit deinem unbefriedigten und unruhigen Herzen, du, mit deinem unbestimmten Sehnen, der du suchest, aber nicht weißt, was und wo du suchen sollst: o lass dich von dem Herrn an die Hand nehmen. Du weißt auch nicht, was du anbeten sollst; die Offenbarung weiß es. Den Messias, der da Christus heißt. Dahin steure, dahin dränge, dahin lebe! Da ist für den Hungrigen das Brot, für den Durstigen der Quell, für den Nackenden das Kleid, für den Pilgrim die Heimat und Ruhe, für den Kranken die Arzenei. Dahin helft die Gedanken richten, dahin helft den Strom des Lebens lenken. was wär es für ein Frühlingslied, was wär es für ein Treiben und Knospen, wenn durch Stadt und Land und Volk das Bekenntnis ginge: „Herr, wir sind auf Irrwegen gewesen, wir sind von dir weggelaufen wie verlorene Söhne. Wir kommen wieder, nimm uns in Gnaden an.“
Ach Herr Jesu, sei du uns das Licht und zugleich der Weg, auf welchem wir hinauf kommen zur Höhe des Heils. Öffne uns aber auch das innere Auge, damit wir das Licht und den Weg sehen. Lass uns in deinem Lichte das Licht sehen. Und so rücke uns in Gnade vorwärts. In den Toten lass es sich regen, wie wenn es Frühling werden wollte. In den Erwachten leite das suchende Herz zu dir. Von den Suchenden lass dich finden. Die dich gefunden haben, erquicke mit deiner Freude. Die sich deiner schon gefreut haben, bereite und stärke, dass sie an dir bleiben. Uns Alle aber wollest du vollbereiten, dass wir auch vor dem Angesichte des Feindes, der uns von dir losreißen will, ein Zeugnis ablegen von der Seligkeit, welche wir schon in der Pilgerschaft bei dir haben. Amen. (Friedrich Ahlfeld)
Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, dass Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbe kommen wird, so wird er's uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bins, der mit dir redet.
Der Herr gibt sich zu erkennen. Bei wie Vielen möchte Er das heute noch tun, für die Er ein Unbekannter oder Unerkannter ist, welche, obwohl sie Seinen Namen tragen, weder Zeit noch Lust gefunden haben, nach Ihm zu fragen und sich über Ihn eine eigene Überzeugung zu bilden, sich bei den Ansichten beruhigen, welche die jedesmalige Tagesmeinung über Ihn hegt. Aber Er kann das nicht. Der Zustand des Herzens erlaubt es Ihm nicht, sich ihnen zu offenbaren. Es ist so viel Gleichgültigkeit oder gar Widerwille gegen Ihn vorhanden, die Menschen suchen so sehr ihre Befriedigung außer Ihm, und sind so emsig dabei, das Gebäude ihres Glückes auf Sand zu bauen, dass sie kein Auge für Seine Erscheinung, kein Ohr für Seine Rede haben. Er tritt ihnen in den Weg, aber voller Gedanken an zeitlichen Gewinn wie Bileam, merken sie es nicht. Er ruft sie, aber, unbeschnitten an Herzen und Ohren, vernehmen sie es nicht. Ach, es dauert oft gar lange, bis der Herr ein Menschenherz so weit hat, dass Er sich ihm vernehmbar machen kann, und muss viel Schutt und Bollwerk weggeräumt werden, bis Er zur Herzenstür gelangen, und sagen kann: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer mir auftut, zu dem will ich eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten. Aber so wahr Er die Liebe und die Treue ist, versucht Er es bei jeder Menschenseele. Er will jede beglücken und retten. Denn es ist außer Ihm kein Heil, keine Ruhe, kein Friede. Er ist die Lösung aller Rätsel, der großen und der kleinen, derer, welche den Lauf der Welt, und derer, welche den eigenen Lebenslauf betreffen. In Seiner Person erst geht uns das Licht auf und wir sehen, dass von Ihm Alles kommt und zu Ihm Alles zielt. Seine Erkenntnis bringt uns Ruhe für den sinnenden und forschenden Geist und für das trotzige und zagende, für das ach! so zerrissene Herz. Das samaritische Weib hat Recht, wenn es sagt: Wenn Messias kommen wird, so wird er es uns alles verkündigen. Ja, erleuchtet von Ihm, erkennen wir Alles. Auf Ihm stehend, haben wir den richtigen Standpunkt und sehen Alles recht: uns selbst, Gott und die Welt. Aber darauf kommt es an, dass wir auf Ihm stehen und von Ihm erleuchtet sind. Unsre mangelhafte Einsicht hat vornehmlich darin ihren Grund, dass wir noch zu wenig auf Ihm stehen und zu wenig von Ihm erleuchtet sind. Wer Ihn erkennt, der hat den Weg, die Wahrheit und das Leben erkannt, und kommt zur Ruhe. Aber Er erscheint nicht immer offen, sondern auch in verhüllter Gestalt und wird auch oft von denen nicht gleich erkannt, welche sonst wohl mit Ihm im Verkehr stehen und Ihn lieb haben. Maria Magdalena hielt den Auferstandenen für den Gärtner, und die Emmausjünger redeten mit Ihm als mit einem Fremdlinge. Uns erscheint Er oft verhüllt in das dunkle Trübsalsgewand, und wird in demselben von uns gar nicht so freudig begrüßt, als Er es wert wäre, und als wir es auch tun würden, wenn wir Ihn sofort erkennten; so aber empfangen wir Ihn mit saurem Gesicht und sagten Ihm gern gleich wieder Lebewohl. Aber weil uns Trübsal nötig ist, lässt Er sich nicht vertreiben, und wartet, bis sie ihre Frucht gebracht und wir Ihn auch in diesem Gewande erkannt und lieb gewonnen haben. Und das geschieht, sobald wir merken, wie heilsam, wie befruchtend die Trübsal für unsere Gemeinschaft mit Ihm ist, wie unsere Narde erst dann ihren Geruch gibt, wenn sie gerieben wird. (Anton Camillo Bertoldy)