Johannes 18,19

Andachten

Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger, und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt, Ich habe allezeit gelehrt in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich darum? Frage die darum, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe.

Der Herr beruft sich vor dem Hohenpriester auf Fakten; und Tatsachen, wenn wir die für uns haben, sind auch die besten Gründe. Nur nichts im Verborgenen getan, sondern frei Jedermann unter die Augen getreten! Das gibt dann ein gutes Gewissen, und so kann man auch, wenn man angegriffen wird, sich freudig verantworten. Jesus hatte nicht bei verschlossenen Türen gelehrt und gepredigt; Tempel und Synagoge waren Jedem offen gewesen; warum hatte man ihn nicht dort angegriffen und festgehalten? Unser Ruhm, sagt Paulus den Korinthern, ist der, nämlich das Zeugnis unsers Gewissens, dass wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. Es gibt in der Welt so viele halbe Gewissen, und die sind zum Voraus geschlagen.

Wer sich auch nur einer Unlauterkeit bewusst ist, darf später nicht mehr den Mund auftun, wenn er ins Gedränge kommt. Ein reines Gewissen ist die einige Quelle einer wahren Freimütigkeit. Darum soll aber auch ein wahrer Christ jeden bösen Schein vermeiden. Diese Regel, welche Paulus Thess. 5,22 angibt, hat der Sohn Gottes selbst beobachtet und bestätigt. Eben weil ein Christ weiß: Es sind tausend Augen auf mich gerichtet, sucht er der Welt alle Gelegenheit zu lästern abzuschneiden. Freilich auch dann gibt es immer noch Lästermäuler, aber in solchem Fall tröstet man sich dann mit dem Exempel Christi, und wickelt sich in seine Unschuld ein. Das Zeugnis Christi vor dem Hohenpriester beweist auch, dass das Evangelium einen Charakter der Öffentlichkeit hat; es ist für Alle, nicht nur für Einige. Gewisse Philosophen schlossen sich mit ihren Adepten ein, ebenso die ägyptischen Priester; Christus will, dass seine Lehre von den Dächern gepredigt werde. Auch ein Hottentotte kann sie verstehen; die Bedürfnisse des Herzens sind überall dieselben, und gerade diese will das Evangelium wecken, um aus allen Menschen einen neuen Menschen in Christo zu machen. (Friedrich Lobstein)

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