Johannes 15,5

Andachten

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
In Christo müssen wir sein. Zuerst sind wir wohl an ihm. Wir sind Christen aus Herkommen oder aus verständiger Anerkennung der Herrlichkeit unseres Glaubens. Aus dem an ihm wird erst durch die Arbeit des Heiligen Geistes ein „in ihm“. Wir fangen an, durch den Glauben in ihm zu wurzeln und fest zu stehen. Ist das der Fall, dann zieht er das Band immer fester, dann muss auch alles Andere weiter an ihn binden. O der liebe Weingärtner versteht sein Amt gar gut! Er kann aus allerlei Stoff Fäden machen. Was uns in schwachem und schwankenden Glaubensstand von dem Herrn trennt, Not, Krankheit, Armut, Feindschaft, Anfechtung, das treibt uns dann zu ihm hin und knüpft uns enger mit ihm zusammen. Solche Reben tragen dann natürlich auch ihre Frucht. Es hangen an ihnen die Früchte des Glaubens: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Es wachsen aus solchen Reben auch neue. Wer still im Leben hingeht und zur rechten Stunde von seinem Heiland zeugt, wird schwerlich über die Erde gehen, ohne dass durch sein Zeugnis eine Seele von den Toten aufgeweckt würde. Ohne ihn dagegen können wir Nichts tun. Wenn wir auch noch so viel tun, das Beste bleibt doch ungetan. Ohne ihn sind wir verloren, und auch nicht im Stande, eine andere Seele aus dem Tode zum Leben zu rufen.

Herr Jesu Christe, wir möchten auch gern gute Reben in dir sein und bleiben. Doch wir bedürfen dazu deiner Hilfe, deiner Reinigung. Täglich bricht die Sünde wieder aus uns hervor. O schneide sie hinweg mit dem Kraftworte der heiligen Schrift. Lass uns selbst mit demütigem Schuldbekenntnis mit einschneiden in die wilden Ranken, die an uns wachsen. Binde uns aber auch immer fester an dich, dass wir an dir und in dir bleiben und nicht allerlei Wind sein Spiel mit uns treibe. Binde uns fest mit dem Wort deiner Gnade, das du gerade in dieser heiligen Adventszeit so laut erschallen lässt. Dazu segne auch diesen Tag, den du uns mit deiner Hilfe beginnen. lässt, aus Gnaden. Amen. (Fr. Ahlfeld)


Ach! es ist so gar nichts um ein Menschenleben, wenn es nicht mit dem Heiland geführt wird. Da wirds Winter und Sommer, Tag und Nacht, man arbeitet auf seiner Hantierung, im Weinberg, auf dem Acker, man will etwas erwerben, man kann nicht; man will wenigstens sich schuldenfrei machen, es geht wieder nicht; dazwischen hinein kommt viel Summer und Elend, viele Sorgen und Sünden; es ist nichts elender und jämmerlicher als ein solches Leben, man ist nichts als ein Lasttier. Wer aber Jesum kennt, der geht durch diese Zeit hindurch, und weiß auch, warum er auf der Erde ist. Und am Ende wirft man die ausgetretenen Schuhe der modernden Lebenszeit hinweg und fährt zu Jesus, den die Seele liebt, an dem das ganze Herz hängt. O dass wir weiser würden zur Seligkeit!

HErr, verkläre in uns deinen Namen, bekehre uns ganz zu dir, so sind wir bekehrt! Wir wissen nicht, was du über uns beschlossen hast, wissen nicht, was dieses Jahr mit sich bringen wird nach deinem allweisen Ratschluss; nur deinen Namen verkläre in uns, auf dass wir uns allezeit gerüstet und bereit halten, vor dir zu stehen! Dein, du seliger und allein gewaltiger König aller Könige und HErr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, wo Niemand zukommen kann, müsse unsere Seele sein als dein teuer erkauftes Gut; dein müsse sie sein im Leben und im Tod, in der Zeit und in der Ewigkeit, hienieden im Lande der Prüfung und dort in deiner neuen Stadt, wohin du uns, um deiner Gnade willen, nach wohl durchlaufener Kampfesbahn führen wollest, o HErr, unser Gott! (Ludwig Hofacker)


“Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“
Warum verachten wir die einfachsten, natürlichsten Wahrheiten, sobald es geistliche Arbeit gilt? Ohne Jesus und den Zufluss von ihm wird unser vieles Reden von ihm so leer und unnütz. Ehe ich merke, dass mein Reden kein Echo in den Herzen der Hörer weckt, wird mir innerlich schwach zumute. Ich habe alle meine Reserven an Kraft verbraucht, den letzten Kredit erschöpft, und die Pumpe heult, aber schafft kein Wasser an die Oberfläche. Seelisch, geistlich, gibt es kaum etwas Elenderes als dieses Weiterreden, wenn der Zufluss aufgehört hat. Von der Direktion wird hergeschickt: das Wasser wird heute wegen Reparatur des Hauptrohres von drei bis acht Uhr abgestellt. Was für eine törichte Sache ist dann der Eigensinn, in dieser Zeit krampfhaft den Hahn zu drehen und doch etwas Wasser erzwingen zu wollen. Das nennen die Leute Eifer für den Herrn und großen Glauben! Nein, sowie statt Wasser jenes heulende Pfeifen des leeren Rohres ertönt, setze lieber das Reden aus, gehe in die Stille, schweig vor Gott und Menschen und warte, bis die Reparatur beendigt ist. Kommt wieder Wasser aus dem Heiligtum, so wird in wenig Tagen alles ersetzt, was gefehlt hat, und das Glück ist groß, viel geben zu können, ohne arm zu werden.

Lehre mich, Herr Jesus, auf deine heimlichen Winke achten, dass ich deine Sache nicht durch mein leeres Gerede in Verruf bringe. Fülle mich erst, und dann gib mir das Zeichen, dass ich für dich da sein soll. Amen. (Samuel Keller)


Gott hat seinen eingebornen Sohn gesandt in die Welt, dass wir durch ihn leben sollen, und eben deshalb hat er uns auch berufen zur Gemeinschaft seines Sohnes. Denn nur wenn wir Gemeinschaft mit ihm haben, wenn er in uns ist und wir in ihm sind, haben wir das Leben durch ihn, aus ihm und in ihm. Darum sagt er Joh. 15, 5. 6: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnet ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen, wie ein Rebe, und verdorrt, und man sammelt sie, und wirft sie ins Feuer und muss brennen.“ Hier nennt sich der Herr in Beziehung auf die Seinen, denen er die Kraft eines neuen Lebens mitteilt, den Weinstock; nachdem er den Vater, der den Sohn gesandt hat, dass wir durch den Glauben das Leben haben sollen, den Weingärtner genannt hat. Die Seinen aber, die ihm aus Glauben, in Liebe und auf Hoffnung anhangen, nennt er die Reben am Weinstock. Damit bezeichnet er die einige und fruchtbare Verbindung, in welcher er mit den Seinen stehen will, und die Seinen mit ihm stehen sollen. Denn wie es für die Reben Bedingung ihres Lebens, ihres Wachstums und ihrer Fruchtbarkeit ist, dass sie am Weinstock bleiben, und wie sie von ihm abgerissen unausbleiblich verwelken und vertrocknen, weil sie nicht in und aus sich selbst, sondern nur in und aus dem Weinstock Saft und Kraft haben: so ist auch die innige Gemeinschaft mit dem Herrn, welche unter treuem Gebrauch des Wortes Gottes und der heiligen Sakramente durch Glaube, Liebe und Gebet vermittelt wird, für die Christen die unerlässliche Bedingung ihres geistigen Lebens und Wachstums, ihrer christlichen Tüchtigkeit und Tätigkeit. Was irgendwie die Verbindung mit dem Herrn stört, indem es den Glauben schwächt, die Liebe erkältet, das Herz zum Gebet träge macht und am gesegneten Gebrauch der Gnadenmittel hindert; das zeigt sich auch stets als eine schädliche Lebensstörung. Wo aber eine völlige Auflösung dieser Verbindung eintritt, wo es zu einem Abfall von Christo kommt, wie bei Judas Ischarioth, da verdorrt das Leben, der Mensch fällt in den Todeszustand der Sünde zurück, so es wird mit ihm ärger als es zuvor war. So lasst uns denn in dem bleiben, in dem wir allein das Leben, samt Trieb und Kraft zur christlichen Tätigkeit haben. Lasst uns im Glauben an ihn leben, so lebt er in uns. Lasst uns in seiner Liebe bleiben und seine Gebote halten, denn wer seine Gebote hält, der bleibt in ihm, und er in ihm. Lasst uns in seiner Lehre bleiben, denn wer darin bleibt, der hat beide, den Vater und den Sohn. Lasst uns auch durch das hochwürdige Sakrament seines Leibes und Blutes sein Fleisch essen und trinken sein Blut; denn wer das tut, der bleibt in ihm und er in ihm. Ja, lasst uns dem Herrn anhangen, dass wir ein Geist mit ihm sein, und selig werden durch sein Leben. (Carl Philipp Johann Spitta)


Ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer wird am Neujahrstag am meisten übergangen? Der, ohne welchen wir nichts tun können. Der Hofmann gratuliert, der Kaufmann spekuliert, Welt und Geld kommen zuerst in die Gedanken, und wenn sie dort festsitzen, regieren sie dann auch Stadt und Land. Für ernstere Gemüter ist der Neujahrstag ein Tag großer Entschlüsse. Aber was kommt in die Entschlüsse? Die eigene Kraft und die eigene Gerechtigkeit. Das sind aber Rohrstäbe, die bald zusammenbrechen werden. Der Mensch wird sich nicht so leicht selber los, als er meint. Jahre fliegen dahin, aber nicht die alte Gesinnung; da muss ein Stärkerer kommen, als unser Einer. Nur Christus ist göttliche Kraft und göttliche Weisheit; ohne ihn, ihr Armen, könnt ihr nichts tun. Und doch wird ohne Christus so viel getan! Könige führen Krieg, Völker lehnen sich auf, der Gelehrte schreibt Bücher, Reiche gewinnen, Arme machen Pläne; Christus wird nicht gesucht noch gefragt, man kann ihn, wie ein fünftes Rad, entbehren. Und doch steht es da wie ein Fels, das Wort: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Nichts das Bestand hat, nichts das Segen bringt, nichts das den Grund ändert, nichts das in den Tod Leben zeugt, noch in den eitlen Sinn eine himmlische Liebeskraft. Warum ist Alles um uns herum so verjährt und verknöchert? Warum die welken Freuden und das flache Christentum? Warum laufen die Wasser ins Meer, und das Meer wird nicht voll? Es fehlt eben die Hauptsache: Geist und Leben, das von oben quillt. Einer nur kann sagen: Ich bin das A und O, Ich mache Alles neu. Bei ihm ist die lebendige Quelle, und in seinem Licht sehen wir das Licht. Wo Er ist, ist Alles, wo Er fehlt, fehlt auch der Neujahrstag. Da ist noch das Alte, nur der Kalender ist ein neuer geworden. Man hofft, wo nichts zu hoffen ist, wenn man von der Zeit hofft, oder von den Menschen, oder von sich selber. Aber man schaue einmal mit beiden Augen in Jesu Fülle hinein, da ist ein Reichtum, den kein Erdenleben, keine Ewigkeit ausschöpfen wird. (Johann Friedrich Lobstein)


Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen, wie eine Rebe, und verdorrt, und man sammelt sie, und wirft sie ins Feuer, und muss brennen. So ihr in mir bleibt, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

So lange die Menschenseele im Glauben an ihrem Heiland hängt und aus ihm Kraft und Nahrung zieht, so lange hat sie leben. Was sie auch von außen treffe, sie kann es Alles überwinden durch „die stillen Gnadenzuflüsse und Lebenseinströmungen“ des Weinstocks, an dem sie hängt - wenn sie nur an ihm hängt. Ja selbst von einem Falle magst du dich wieder erheben, so lange du nur noch an ihm hängst und aus ihm Kraft ziehst. Wenn aber diese innere Gemeinschaft selber gelöst ist zwischen dir und deinem Erlöser, wenn du dich von ihm losreißt, wenn du fern bleibst vom Gebet, von seinem Worte, dann muss dein geistliches Leben langsam verwelken.

Ob du auch noch vor Menschen-Augen viel ausrichtest, die Rebe, die nicht am Weinstock bleibt, verdorrt. Ohne mich, spricht der Herr, könnt ihr nichts tun. Wohl tun die Menschen so viel in der Welt ohne ihn. Sie arbeiten ohne ihn und freuen sich ohne ihn. Sie leiden ohne ihn und sterben ohne ihn. Aber doch, ohne den Herrn ist Alles eitel. Ohne ihn ist in allem unserm Tun kein Bestand und kein Segen und keine Freude. Ohne ihn ist jedes Leben verfehlt, ob uns auch Alles glückte, was wir beginnen. Denn ohne ihn können wir nicht selig werden. Die Rebe, die nicht am Weinstock bleibt, wird weggeworfen und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer. Davor bewahre uns, barmherziger Gott. Pflanze uns so tief in Jesu Gemeinschaft, dass kein Sturm uns von ihm losreiße; so tief, dass wir in seiner Liebe bleiben bis ans Ende; so tief, dass wir in der Kraft seiner Gnade viele Frucht bringen, und du darinnen geehrt wirst. Amen. (Adolf Clemen)


Ohne Mich könnt ihr nichts tun.
Der HErr Jesus ist durch Seine Menschwerdung der Weinstock geworden, an dem wir als Reben hangen und Frucht bringen sollen. Ohne Ihn können wir nichts tun. Die durch die Schöpfung in den Menschen gelegten geistlichen Kräfte sind verloren. Finsternis und Tod ist in ihn eingedrungen; und doch war er noch verpflichtet, nach dem Willen Gottes Gutes zu tun, und Gott hatte das Recht, es zu fordern, nicht aufgegeben oder verloren, weswegen Er auch auf dem Berg Sinai ein strenges Gesetz gab, wovon Paulus Gal. 3,12. sagt, dass der Mensch, der es tue, leben werde. Allein dieses Gesetz konnte nicht lebendig machen, wie Paulus eben daselbst V. 21. bezeugt, das ist, es konnte dem Menschen die Kräfte, Gutes zu tun, nicht geben, und die Sünde wurde durch dasselbe nur mächtiger, Röm. 5,20., oder überaus sündig, Röm. 7,13. Was aber dem Gesetz unmöglich war, sintemal es durch das Fleisch geschwächt war, oder für sich selbst zu schwach war, dem fleischlichen Menschen Kräfte zu geben und aufzuhelfen, das tat Gott, und sandte Seinen Sohn, ohne ein sündliches Fleisch, aber doch in der Gestalt des sündlichen Fleisches, und verdammte die Sünde, die im Fleisch aller Menschen ist, durch ein Sündopfer, das ist durch den Tod Christi, damit sie nimmer herrschen, ja nimmer bleiben möchte, sondern die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist, Röm. 8,3.4. Ist nun durch den Tod Christi die Sünde gleichsam zum Tod verdammt worden, so wird uns dagegen aus Christo dem Weinstock Leben und Licht geschenkt; auf dass, gleichwie die Sünde geherrscht hat zum Tode, also auch die Gnade herrsche zum ewigen Leben durch Jesum Christum unsern HErrn. Röm. 5,21.

Wenn wir also heute Christum als ein neugeborenes Kind in der Krippe betrachten, so sollen wir glauben, dass in diesem Kind schon alle Fülle gewohnt habe, aus welcher man eine Gnade nach der andern durch den Glauben hat nehmen können, und dass es der einige saftreiche Weinstock unter den Menschen gewesen sei, in den alle diejenigen eingepfropft werden müssen, welche tüchtig werden sollen, Gutes zu tun. Diese Fülle bleibt aber ewiglich in Ihm, und sie wird durchs Geben und Nehmen nicht vermindert, und noch viel weniger erschöpft. Er ist auch ewiglich der kraftvolle Weinstock, in welchem alle fruchtbringenden Reben bleiben müssen; durch Seine heilige Menschheit fließen die göttlichen Kräfte in uns ein. Niemand aber wird Seiner froh und teilhaftig, als wer sowohl in der ersten Buße als auch in der täglichen Armut des Geistes erkennt, dass er ohne Ihn nichts tun könne. Ach, wie fertig ist der Mensch, seine Naturkräfte aufzubieten und anzustrengen, um etwas zu tun, das ein gutes Werk heißen könne, oder eine Tugend bei sich auszugebären; wenn aber das göttliche Licht dieses Werk oder diese Tugend beleuchtet, so ist jenes und diese nichts, ja weniger als nichts, nämlich Sünde und Heuchelei. Bei solchen Versuchen wird der Mensch mühselig und beladen, bis er als ein solcher zu Christo kommt, und sich ergibt eine Rebe an Ihm zu werden, und Alles von Ihm zu empfangen. (Magnus Friedrich Roos)


Ich bin der Weinstock. ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun.
Dem Sünder ist damit nicht geholfen, wenn man ihm nur sagt, wie er werden, und was er glauben und tun solle. Moses und ein jeder Apostel haben dieses getan, es ist aber dadurch weder Moses noch ein Apostel ein Weinstock worden, in dem die Gläubigen als Reben bleiben müssten, sondern sie haben von dem rechten Weinstock gezeugt und die Menschen zu ihm hingewiesen. Ein Weinstock lässt seinen Saft in die Reben einfließen, damit sie Früchte tragen können: also gibt Christus Seinen Geist denen, die an Ihn glauben, damit viel Frucht des Geistes bei ihnen hervorkomme. Wenn dieser Geist mit der Lehre verbunden ist, so ist die Lehre lebendig und kräftig, oder eine Kraft Gottes, selig zu machen Alle, die daran glauben. Will man aber den Heiligen Geist empfangen, und Seine Inwohnung und Wirkung immer genießen, so ist es nötig, dass man eine Rebe an dem Weinstock Christo werde, folglich mit einem innigen Vertrauen sich zu Ihm neige, um mit Ihm vereiniget zu werden, und an Ihm zu hangen: wie dann Paulus Gal. 3,5. lehret, dass Gott durch die Glaubens-Predigt, das ist durch das Evangelium, welches den Glauben wirkt, den Geist reiche oder mitteile, und V. 2. dass die Christen denselben Geist nicht durch Gesetzes-Werke, sondern durch die Glaubens-Predigt empfangen. Wer sich also durchs Evangelium zum Glauben an Christum bringen lässt, wird eine Rede an Ihm dem Weinstock, und des Safts, der in diesem Weinstock ist, nämlich des Geistes Jesu Christi teilhaftig: wer aber im Unglauben beharrt, und mit Gesetzes-Werken umgeht, bleibt immer dürr, kraftlos und unfruchtbar. Man glaubt aber nicht so an den HErrn Jesum, dass man Ihm nur einmal gleichsam ein gläubiges Kompliment macht, und hernach wieder in den Unglauben zurücktritt, sondern der Gläubige bleibt durch den Glauben in Christo, und Christus in ihm: und so bleibt auch die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, dass man nämlich immer auch von dem Geist, der ohne Maß in Christo ist, erleuchtet, belebt und regiert wird. Eine solche Rebe bringt viel Frucht. Der Trieb des Heiligen Geistes bringt diese Frucht hervor, nämlich die Frucht des Geistes, die Gal. 5,22. beschrieben ist. Er bringt viel Frucht, weil der christlichen Tugenden viele sind, wie denn Gal. 5,22. neune genannt, und doch nicht alle namhaft gemacht werden; und weil es sehr viele Gelegenheiten gibt, dieselben auszuüben. Viele Frucht zieht hernach eine große Herrlichkeit und einen reichen Gnadenlohn nach sich. Soll ich also viel Frucht tragen, so muss ich auf mein Herz Achtung geben, dass es nicht von Christo abtrete und ausschweife, folglich des Safts vom Weinstock verlustig werde; denn ohne Ihn kann ich nichts tun, nämlich nichts Gutes, das Gott gefallen könnte. Ohne Christum kann man wohl nach dem Trieb des Gewissens Gesetzeswerke tun, und wenn das Rad der Natur in einem geschwinden Lauf kommt, viel tun, das bei Menschen Ruhm hat: allein Christus sagt: an Mir soll man deine Frucht finden (Hos. 14,9.). Auch heute soll das Bleiben in Christo, und das Bleiben Christi in mir mein Augenmerk sein: die Frucht wird alsdann nicht ausbleiben. (Magnus Friedrich Roos)


Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
„Ihr werdet viele Frucht bringen“, das ist die Verheißung, die der Herr in den vorstehenden Worten seinen Jüngern gibt; diese Verheißung ruht auf dem festen Grunde: ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, und darum ist es eine Osterverheißung, weil Jesus durch seine Auferstehung sich dargestellt hat als der Weinstock. Durch die Auferstehung ist Jesus geworden der allgegenwärtige Herr und Heiland, an den alle sich anschließen, mit dem alle sich verbinden können, wie die Reben mit dem Weinstock. In der Auferstehung kommt der wahrhaftige Hohepriester, nachdem er mit seinem Blut eingegangen in das himmlische Heiligtum zum Vater, zu seinem Volk zurück, um allen denen, die sich mit ihm verbinden lassen, zu schenken seine Gerechtigkeit, wie der Weinstock den Reben Anteil gibt an seiner Art und an seinem Wert. Mit der Auferstehung beginnt der Herr tatsächlich jenes Wort in Erfüllung zu bringen: ich lebe und ihr sollt auch leben, Leben zu spenden seinen Jüngern, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft. Nun kann auf Grund des Osterwunders für diejenigen, die mit ihm eins geworden sind in der Taufe, die seine Gerechtigkeit ergriffen haben im Glauben, die aus seinem Worte Geist und Leben empfangen, erst die Rede davon sein, dass sie Frucht bringen; es ist das eben eine Osterverheißung. Ohne ihn können sie nichts tun, nichts hervorbringen, was den Namen einer Frucht verdient, die Gott wohlgefällig ist und den Menschen zum Segen gereicht. Da sie aber zur Freiheit geschaffen und durch die Verbindung mit Christo zur Freiheit erneuerte Menschen sind, so muss der Herr mit der Verheißung jene ernstliche Mahnung verbinden: Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Früchte. Und doch ist diese Mahnung wiederum mit der Verheißung verknüpft, damit sie uns nicht erscheine als ein forderndes Gesetz, sondern eine freundliche Einladung durch Bleiben in Christo den Segen zu gewinnen, dass wir viele Frucht bringen. Ja, es ist der überschwänglichste Segen, die Fülle der Gnadengaben, was der Herr uns vorhält mit dem Wort „viele Frucht“; sollten wir uns nicht locken lassen, in ihm zu bleiben, wenn wir ermessen, was das heißt: der bringt viele Frucht. Wer Frucht bringt, in dem wächst und entfaltet sich der aus Christo geborene neue Mensch, der nimmt zu an Weisheit, Freude und Kraft und reift dem Ziele entgegen, wo es heißen wird: das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Frucht sind alle die Werke, die aus dem in der Liebe tätigen Glauben geboren, zur Ehre Gottes getan werden und zum Bau seines Reiches beitragen, Frucht ist all' der Segen, der von denjenigen, die in Christo bleiben, auf ihre Mitmenschen kommt und einst zu unaussprechlicher Freude der Segensspender ans Licht kommen wird, wenn ihre Werke ihnen nachfolgen. Frucht ist der verklärte Leib, der aus dem in die Erde gesenkten edlen Samenkorn hervorblühen und das Bild des Himmlischen an sich tragen wird, Frucht, die der Herr verheißt, ist das Schauen seines Angesichts, das Schauen des neuen Himmels und der neuen Erde. Wenn uns die Predigt von der Passion aufruft, dem Herrn anzugehören um deswillen, was er für uns getan hat, so mahnt uns die Osterbotschaft mit ihrer Verheißung, in Christo zu bleiben auch um deswillen, was er noch an uns tun will nach seiner unergründlichen Barmherzigkeit, nämlich dass wir viele Frucht bringen. (Thomas Girgensohn)

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