Johannes 14,3

Andachten

Wenn Ich hingegangen bin, euch die Stätten zu bereiten, will Ich doch wiederkommen und euch zu Mir nehmen, auf dass ihr seid, wo Ich bin.
Der HErr, der zum letzten Male traulich bei Seinen Jüngern sitzt, will diese über Sein Fortgehen trösten. Er geht, wenn Er scheidet, fort über die Erde hinaus, in die unsichtbaren himmlischen Räume, und bereitet die Stätten zu für die Seinen. Dies geschieht unter Anderem auch damit, dass Er alle Feinde und Widersacher Gottes, die auch jenseits ihre Rollen gespielt haben und bis zum Ende des Kampfes spielen mögen, wegräumt, alle Herrschaften, Mächte und Kräfte, die sich noch außer Gott und wider Gott geltend machen, sich unterwirst, auch den Himmel, so zu sagen, säubert von den feindseligen und Gott widerstehenden Wesen. Je mehr Alles durch die ganze Schöpfung hin wird gereinigt und geläutert sein, desto sicherer, ruhiger und seliger werden, so zu sagen, die Stätten der Heiligen und Gerechten sein. So wird zuletzt Alles zugerüstet, dass Jedes seinen Teil bekommt in Gemeinschaft mit Allen, und darin Wonne und Freude haben darf in Ewigkeit.

Wenn der HErr sagt, dass Er wiederkommen und die Seinen zu Sich nehmen werde, damit sie seien, wo Er sei, so ist das auf Sein persönliches Wiederkommen zu beziehen. Wir sagen wohl auch von denen, die aus diesem Leben scheiden, der HErr habe sie zu Sich genommen, auf dass sie bei Ihm seien. So dürfen wir immerhin reden, weil wir sonst wissen, dass die selig sind, die in dem HErrn sterben,“ da man sich das, was eigentlich erst nach Vollendung des Kampfes dazu kommt, hinzudenkt. Denn das eigentliche Beisammensein und Leben mit dem HErrn wird erst dann eintreten, wenn Christus gekommen ist und die Seinen dann wird zu Sich gezogen haben, ob sie bis dahin leben oder tot sind. Bis dahin währt ja der Kampf, ist also noch nicht die Zeit völliger Ruhe, selbst für den HErrn nicht, der die Feinde erst überwinden und zum Schemel Seiner Füße legen muss, wie Er ja auch uns helfen muss, von denen es heißt, dass wir nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ Da bleibt denn auch für die im HErrn Seligen, die ohnehin noch ihren Leib wieder zu hoffen haben, viel Erwartung, Spannung, auch Sorge übrig, wie das Interesse anzeigt, das auch die Engel im Himmel an der Buße der Sünder haben, und das, wie in Freude, so auch in Bekümmernis sich äußern muss.

So lange nicht allerwärts mit den Widersachern aufgeräumt ist, sind auch die Hütten, so zu sagen, noch nicht recht zubereitet, so dass wir, obwohl selig, doch noch nicht völlig in die Ruhe Gottes eingetreten sind. Wenn Er aber kommt, ist Alles bereit, und zwar für die Toten und Lebendigen. Denn wir wissen durch Paulus, dass dann die Toten in Christo werden auferstehen zuerst, und die Lebenden werden zugleich mit denselbigen, d. h. den auferweckten Toten, hingerückt werden in den Wolken, dem HErrn entgegen in der Luft.“ „Und also“, schließt Paulus, „werden wir bei dem HErrn sein allezeit“ (1 Thess. 4, 16-18). Dann ist's das, was der HErr in unsrem Spruch sagt, dass „Er Seine Jünger zu sich nehmen werde, auf dass sie seien, wo Er sei.“

Einstweilen war den Jüngern noch viel Kampf vorbehalten. Je treuer sie diesen bestanden, desto besser wurde für sie die Zeit von ihrem Abscheiden bis zur Wiederkunft des HErrn; und desto größer wird ihre Freude sein, wenn sich mit dem Wiederkommen des HErrn Alles abschließt. Merken wir's uns auch für uns, wie wichtig es ist, in der Treue zu verharren, und in dem Mitarbeiten auf die große Endzeit hin, und so viel auch wir an Seelen zu tun Gelegenheit haben, uns nicht lässig finden zu lassen. Unser Heiland, der das Schwerste voraus durchgekämpft hat, hält Wort; und wie wohl wird's einst den Erlösten allen sein, wenn sie fortan ohne alle Bekümmernis beim HErrn sein und Seiner Herrlichkeit genießen dürfen in Ewigkeit! (Christoph Blumhardt)

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