Jetzt geht das Gericht über die Welt. Nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.
Der Hirt tritt dem Wolf entgegen und stirbt. Wie ist dies aber der Sieg über den Wolf und der Schutz der Herde? So hätte Jesus nicht sprechen können, hätte er nur auf das geachtet, was das Kreuz uns allen zeigt, und sein Urteil aus dem gewonnen, was sichtbar ist. Er stand aber nicht nur im Verkehr mit den Menschen, sondern auch mit Gott und nahm darum nicht nur die irdischen Vorgänge wahr, sondern ist auch an derjenigen Geschichte beteiligt, die über der irdischen steht, weil sie vor Gott im Himmel geschieht. Vor seinem Tod findet nicht nur eine Gerichtsverhandlung vor Kaiphas und den Häuptern der Judenschaft statt, auch nicht nur vor Pilatus mit der Mitwirkung des jüdischen Volkes, sondern es wird auch im Himmel vor Gott Gericht gehalten. Jetzt, sagt Jesus, da er zum letzten Mal im Tempel ist und ihn verlässt und damit den Gang in den Tod antritt, ergeht über die Welt Gericht. Jetzt wird ein göttliches Urteil gesprochen. Dieses stellt aber nicht nur fest, dass die Welt in ihrer Gottlosigkeit den nicht erkannte, der ihr den Vater zeigte, und dass die, die die Seinen waren, den Treubruch an ihm begingen und ihn nicht aufnahmen, sondern das Gericht ergeht auch über den, der die Welt beherrscht und sich als unser Widersacher und Verkläger vor den Richterstuhl Gottes stellt. Nicht nur die Welt, sondern auch ihr Fürst, nicht nur der Mensch, sondern auch sein Verkläger wird gerichtet, und das göttliche Urteil, das über ihn ergeht, treibt ihn fort und stößt ihn aus. Der menschliche Richter stößt Jesus aus, verflucht ihn und lässt ihn am Fluchholz sterben. Der göttliche Richter dagegen stößt den Verkläger aus. Der menschliche Richter erfüllt mit seinem Urteil den Willen des Satans. Gott dagegen vernichtet den Willen des Satans und tut den Willen Jesu, der als unser Anwalt vor Gott steht und aus seiner Seele das Lösegeld für uns macht. So wird aus dem menschlichen Gericht, das Jesus verdammt, das göttliche Gericht, das uns freispricht. Das schuf Jesus durch seinen leuchtenden Gehorsam bis zum Tod. Ausstoßung des Teufels, das heißt, uns ist Vergebung gewährt. Die Abweisung seiner Klage ergibt die uns geschenkte Rechtfertigung. Indem Jesus mit seinem Tod der Verdammung das Ende bereitet, beginnt der neue Bund, dessen Grundgesetz lautet: es gibt für die, die in Christus sind, keine Verurteilung.
Alle meine Lasten darf ich, Vater, niederlegen vor Jesu Kreuz und aus Deiner Hand die Gerechtigkeit empfangen, die Du dem Glauben gibst. Deine erlösende Gnade, die meinen Willen aus seinen Fesseln löst, suche ich bei Dir, beim unerschöpflichen Schutz Deiner Erbarmung. Amen. (Adolf Schlatter)
Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.
Wer je einen ernsten tiefen Blick in das göttliche Gesetz und einen eben solchen in sein eigen Herz und Leben getan hat, der wird auch nicht umhin können, sich einzugestehen, dass er vor dem göttlichen Gerichte, welches nach diesem Gesetze gehalten werden soll, nicht bestehen kann. Oder wolltest du etwa gar dir einreden, dass es überhaupt kein Gericht geben werde?! Dies wäre ein Selbstbetrug, wie er verhängnisvoller gar nicht sein könnte, weit törichter und schlimmer, als etwa der, dass ein Mensch sich einbildete, zwar alle andere Menschen müssen sterben, ihn aber werde der Tode nicht treffen. Nichts in der Welt kann gewisser sein, als dass ein letztes gerechtes Gericht stattfinden wird, in welchem nach dem Maßstabe des göttlichen Gesetzes einem Jeglichen, ohne Ansehen der Person, vergolten werden wird nach seinen Werken, und dass du mit deinen Werken vor diesem Gerichte nimmermehr bestehen kannst. - Gottes Liebe will aber nicht deinen ewigen Tod, sondern dein Leben, nicht deine Verdammnis, sondern deine Seligkeit, und darum hat Er einen Weg ersonnen, auf welchem du dem verderblichen Gerichte entfliehen kannst, den Weg nämlich, dass Er das Gericht seiner Gerechtigkeit vollzogen hat an seinem eingeborenen lieben Sohne, den Er in die Gestalt des sündlichen Fleisches gekleidet, und dem Er all die Strafen aufgebürdet, die du hättest erdulden sollen, und die eben darin bestanden, dass du hättest in Ewigkeit verworfen werden müssen von dem Angesicht Gottes. So steht denn Adam, der sündige Stammvater eines ganzen Geschlechtes von Sündern auf der einen Seite und Christus, der einzige gerechte Mensch auf der andern, und der Eine Gerechte übernimmt die Bezahlung der ganzen großen Schuld der Sünderwelt, lässt sich martern und strafen, lässt sich senken in die Nacht des Todes, in das äußerste Verderben, nur dass wir nicht müssten sterben, - und zerreißt also den Schuldbrief, der wider uns zeugte, und legt seine Gerechtigkeit und seine Strafen in die Waagschale der göttlichen Gerechtigkeit, und stehe, die Schuld der ganzen Menschheit wiegt vor der göttlichen Gerechtigkeit nicht so schwer, als das Verdienst dieses Einen unschuldig gemarterten Gerechten. Und die Gerechtigkeit dieses Gerichts der göttlichen Barmherzigkeit muss auch Satan anerkennen, der bis dahin die göttliche Gerechtigkeit um Bestrafung der sündigen Menschheit aufgerufen hatte, nun aber als Ankläger verstummen muss, und deswegen aus dem Himmel verstoßen wird, in welchem er fürder kein Amt mehr hat. - Dafür aber wird Christus erhöht in den Himmel, der Fürst aus Davids Stamm, welchen der Tod nicht halten konnte, da Er das Leben in sich selber hatte, und an die Stelle des Anklägers der Menschheit tritt der fürbittende Hohepriester seiner Brüder, welcher mit seinem eigenen Blute in das Allerheiligste zu Gott eingegangen ist und hat da eine ewige Versöhnung gestiftet. Und die Kraft seines Versöhnungsblutes erweist sich mächtig beides, im Himmel am Herzen Gottes, und auf Erden am Herzen der Menschen, welche den Zug der Liebe dessen spüren, der sie zuerst geliebt, bis in den Tod geliebt, und nun nicht mehr lieben können, was dem Geliebten den Tod gebracht, und durch diese neue Liebe nun abgezogen und frei werden von der Sünde, durch welche Satan sie bisher geschändet und geknechtet hatte. O göttliche Kraft, o göttliche Weisheit! (Anton Camillo Bertoldy)