Lukas 7,37

Andachten

Und siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, dass er zu Tische saß in des Pharisäers Hause, brachte sie ein Glas mit Salbe, und trat hinten zu seinen Füßen, und weinte, und fing an, seine Füße zu netzen mit Tränen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salben.
Seht, wieviel die Gnade für einen Menschen tut. Ohne die Gnade wäre dieses Weib sündig und unrein geblieben bis an ihren Tod; aber durch die Gnade wurde sie wunderbar verwandelt. Die Gnade nahm die Frechheit von ihrem Angesicht, die Schmeichelei von ihren Lippen, den Flitterstaat von ihrem Anzug und die Lust aus ihrem Herzen. Alles, was wir von diesem Weibe wissen, bezeugt die erneuernde Macht der Gnade. Beachtet die Demut des Weibes. Früher hatte sie eine freche Stirn gehabt und keine Schüchternheit gekannt, aber jetzt steht sie hinter dem Heiland. Sie drängt sich nicht vor, sie begnügt sich mit dem bescheidensten Platz. Sie wagt nicht, sein Haupt zu salben, aber sie rechnet es sich zur Ehre, dass sie doch seine Füße salben darf. Wer dem Herrn Jesu wahrhaft dient, der hat eine heilige Schüchternheit; er fühlt zitternd seine Unwürdigkeit und begnügt sich gerne mit dem niedrigsten Dienst in seinem Haushalt. Wenn du gerne obenan sitzt und dich Rabbi nennen lässt, so dienst du mehr dir selber als Christo. Aber das ist der rechte Gottesdienst, wenn du dich der Armen annimmst und dich zu den Geringen herablässt; wenn du ein Lehrer und Führer der Unwissenden und Kinder wirst. Der dient am besten, der gern im verborgenen, unbekannt und ungerühmt arbeitet. Sieh, wie die Gnade in dem einst so frechen Weibe nun die Blume wahrer Demut gepflanzt und zum Blühen gebracht hat. (Charles Haddon Spurgeon)

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