Euch ist heute der Heiland geboren.
Wichtige und fröhliche Botschaft für diejenigen, die das Wort Heiland recht verstehen, und bei sich empfinden, dass sie einen Heiland nötig haben! Euch ist der Heiland geboren, darf man zu allen Menschen sagen, sie seien, wer sie wollen, denn dieser Heiland hat sich für Alle zur Erlösung gegeben, und ist die Versühnung für der ganzen Welt Sünde. Das Evangelium verlangt nicht, dass der Sünder sich selber gefalle, gut von sich selber denke, sein Leben rühme, und die Menge und Größe seiner Sünden verleugne. Halte sich ein jeder Mensch für den größten Sünder; welches er deswegen tun kann, weil dasjenige, was nahe ist, immer größer erscheint, als was in der Ferne ist. Auch darf ein Jeder dafür halten, er sei für sich selbst verloren und verdammt. Dieses Alles sagt die Heilige Schrift auch, ja das Wort Heiland setzt voraus, dass die Menschen in einem tiefen Elend stecken, und sich selber nicht heilen können: nur sollen sie glauben, ja glauben sollen sie, dass ihnen ein Heiland geboren sei. Es ist dieses ein Wort für den Glauben, ja ein Wort, welches traurige und erschrockene Seelen fröhlich machen soll; weswegen auch der Engel zu den Hirten auf dem Felde bei Bethlehem sagte: siehe! ich verkündige euch große Freude. Uns Menschen ist dieser Heiland geboren: nicht den guten Engeln, als welche keinen Heiland nötig haben, aber auch nicht den bösen Engeln, als welche schon durch Ketten der Finsternis gebunden, in einen höllischen Zustand verschlossen und übergeben sind, dass sie zum Gericht behalten werden. 2 Petr. 2,4. Über uns Menschen hatte Gott nach dem Sündenfall kein solches hartes Urteil gefällt. Uns hat Er nicht mit Ketten der Finsternis gebunden, ob wir schon in der Finsternis und im Schatten des Todes sitzen: uns hat Er nicht übergeben, dass wir zum Gericht behalten werden, sondern Er hat uns einen Heiland geboren werden lassen. Ob schon dieser Heiland mit Gott ewig und vor aller Zeit ohne Anfang war, so konnte man doch die Zeit Seiner Geburt von einem Weibe angeben. Es war eine Nacht, und, wie man meint, die Nacht des fünf und zwanzigsten Tages des Christmonats, da Er in einem Stall zu Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren wurde, nachdem die Empfängnis vorher ohne Zutun eines Mannes, durch die unmittelbare Wirkung des Heiligen Geistes geschehen war. Im Mutterleibe litt Er schon die Schmach, dass Ihn zuerst der fromme Joseph für ein uneheliches Kind hielt, und deswegen seine Braut, die Maria, heimlich verlassen wollte; wiewohl er bald durch einen Engel zurecht gewiesen wurde. Zur rechten Stunde nun wurde der Heiland der Menschen als ein Menschenkind geboren, und trat durch diese Seine Geburt in die Welt hinein, in welcher Er das große Werk der Erlösung ausführen sollte und wollte. Dank sei dem himmlischen Vater, dass Er uns Seinen eingeborenen Sohn als einen Heiland hat geboren werden lassen. Dank sei dem Sohn Gottes, dass Er unser Blutsfreund und Erlöser hat werden wollen, und keine unvollständige, sondern eine vollkommene Erlösung ausgeführt hat. Dank sei dem Heiligen Geist, durch welchen uns dieses Heil verkündigt worden ist, und welcher uns tüchtig machen will, zu glauben an den Namen des Sohnes Gottes, und das ewige Leben durch diesen Glauben zu empfangen. Es sei denn dieses unser Ruhm und Trost im Leben und Sterben, dass uns ein Heiland geboren sei. (Magnus Friedrich Roos)