So seid nun wacker allezeit und betet.
Wenn der HErr Jesus von einbrechenden Gerichten Gottes, und insonderheit vom Jüngsten Gericht redete, so gebot Er das Wachen, und setzte zuweilen auch das Gebot zu beten hinzu. Luk. 21,36. sagte Er: so wacht nun und betet zu aller Zeit, auf dass ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem Allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Christen sollen Schüler des HErrn Jesu sein; denn Er sagt: kommet her zu Mir – lernet von Mir, Matth. 11,28.29. Wer will aber schlafende Zuhörer etwas lehren? wer will ihnen etwas offenbaren? Christen sollen aus der Fülle Jesu Gnade um Gnade nehmen; es soll ihnen allerlei göttliche Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, geschenkt werden. Wer aber schläft, das ist, sicher, sorglos, leichtsinnig ist, nimmt nichts aus der Fülle Jesu, ihm kann nichts von Gott geschenkt werden. Christen sollen mit Geduld laufen in dem Kampf, der ihnen verordnet ist, und Überwinder sein: ein Schlafender kann aber weder laufen, noch kämpfen, noch überwinden. Er bleibt liegen, wo er ist, und kommt nicht weiter, und wird überwunden, wenn ihn eine Versuchung überfällt. Christen sollen Knechte und Mägde Jesu Christi sein, Seinen Willen tun, und mit ihren Pfunden oder Gaben wuchern, und für ihren HErrn etwas gewinnen: dazu schickt sich aber das Schlafen nicht, wie man leicht erkennen kann. Christen sollen glauben, lieben, hoffen, beten, der Heiligung nachjagen, auf ihren HErrn warten usw.: dazu ist aber eine rege Munterkeit, ein steter Fleiß, eine genaue Beobachtung und Prüfung dessen, was innerlich in ihnen vorgeht, und äußerlich ihnen begegnet, nötig. Was man hat, muss man bewahren, damit man noch mehr bekomme; die empfangenen geistlichen Kräfte muss man brauchen und anwenden zum Dienst Gottes, weil sie dazu gegeben sind; und auf die Versuchungen, die mannigfaltig sind, täglich vorkommen, und nach dem Alter und nach andern Umständen sich verändern und neue Gestalten bekommen, muss man Achtung geben, damit man nicht von ihnen überwältigt werde, und an seiner Seele Schaden leide. Bei dem Wachen aber soll man zu jeder Zeit beten, und darin nicht lass werden. Luk. 18,1. Das Beten erhält den Christen in der Wachsamkeit, und die Wachsamkeit bewahrt die Kraft zum Beten. Beten sollen wir, obgleich Gott für Sich selbst weiß, was gut ist, und bereitwillig ist, alles Gute zu tun und zu geben: wir sollen Ihn aber mit Beten ehren, weil Er’s haben will, und Seinem gnädigen Willen mit unserem Bitten begegnen. Wir sollen beten, weil Vieles, das uns heilsam ist, nicht geschähe, und wir Vieles nicht empfingen, wenn wir nicht beteten.
Nicht nur die gegenwärtigen Versuchungen erfordern das Wachen und Beten, sondern auch die zukünftigen Begegnisse. Der HErr Jesus hatte Luk. 21. von der Zerstörung Jerusalems und von Seiner Zukunft zum jüngsten Gericht geredet, und wer jene erlebte, musste bereitwillig sein, Hab und Gut zu verlieren, ein geliebtes Vaterland zu verlassen, und dem jämmerlichsten Untergang vieler Landsleute und Anverwandten zuzusehen. Wer nun vorher nicht gewacht und fleißig gebetet hatte, war nicht tüchtig, sich in dieses Alles zu schicken, gab den Verführern, die fälschlich von Glück und Sieg weissagten, Gehör, nahm an dem Aufruhr der Juden Anteil, und wurde dem Weib des Lot ähnlich, welche mit ihrem Herzen an ihren Gütern und Freuden hing, dem Teufel, der ihr das Wort Gottes vom Herzen wegnahm, Raum gab, still stand, und von der Strafe Sodoms ergriffen wurde. (Magnus Friedrich Roos)