Lukas 12,5

Andachten

Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat zu werfen in die Hölle. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch. Verkauft man nicht fünf Sperlinge um zwei Pfennige? Noch ist vor Gott derselben nicht einer vergessen. Auch sind die Haare auf eurem Haupte alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht, denn ihr seid besser, denn viele Sperlinge.
Dieses Wort, o Herr, schneidet tief in unser Herz und Gewissen und will doch augenblicks wieder heilen die uns geschlagenen Wunden. Es lehrt uns eine heilige Furcht vor dir und doch zugleich ein kindliches Vertrauen zu dir; es macht uns zittern und klingt doch wieder so lieblich und tröstet unser Herz so freundlich. Vor Menschen fürchten wir uns nicht; denn was könnten uns Menschen tun, die wohl den Leib können töten, aber nimmer die Seele. Vor dir fürchten wir uns mit Recht, der Macht hat zu töten und, nachdem er getötet hat, zu werfen in die Hölle. Aber wie wunderbar und welche Gnade, welches Erbarmen über uns! Du sprichst „Fürchtet euch“ und nimmst das schwere Wort doch wieder zurück, verwandelst es in ein liebliches „Fürchtet euch nicht“ und tröstest damit unser unruhiges Herz. Wir müssen es wohl glauben, dass wir vor dir höher geachtet sind, als viele Sperlinge; denn wir sind ja deine Kinder und dein mit dem Blute deines Sohnes dir erkauftes Erbe und Eigentum. Wir sehen es wohl, dass wir ein Gegenstand deines Liebens und Segnens bis in das Einzelnste und Geringste sind; denn deine Güte ist ja alle Morgen neu über uns, deine Treue ist groß und hat kein Ende. Aber, lieber Heiland, Herr Jesu, damit predigest du uns Buße, die wir so oft den heiligen Ernst Gottes vergessen und tröstest unser Herz wieder, dass wir doch sollen Vertrauen haben zu seiner Gnade. Du, der du Herzen und Nieren prüfest, du kennst unser Herz, du weißt, dass es ist ein eben so trotziges und verzagtes Ding. Der Unglaube, wir können es dir ja nicht verbergen, macht unser Herz trotzig, dass wir Sünde auf Sünde häufen und uns doch nicht fürchten vor dem Drohen unsers Gottes. Der Kleinglaube aber wieder, wir mögen es dir ja eben so wenig verschweigen, macht unser Herz verzagt, dass wir bald erschrecken, wenn sich eine Trübsal wider uns erhebt, und bald anheben zu zweifeln an der Wahrheit der Gnadenverheißungen in deinem Wort. So strafe uns doch über diese unsere Sünde zur Buße durch deinen Geist. Wirke durch denselben auch heute in uns eine heilige Furcht, dass wir nicht mutwillens sündigen. Richte aber auch unsere Herzen wieder auf durch den Trost deiner Gnade und schaffe durch deinen Heiligen Geist in uns ein seliges Vertrauen. Du, o Herr, bist ja Sonne und Schild, du gibst Gnade und Ehre, du wirst kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Darum wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt, Herr Zebaoth. Haben wir nur dich, so fürchten wir kein Unglück; bist du nur für uns, wer will dann wider uns sein? Sei du uns nur nicht schrecklich, du unsere Zuversicht in der Not. Dann haben wir den gewissen Trost, dass wir als deine Erlösten in keiner Not und Traurigkeit werden verlassen sein. Dann glauben wir fest, dass wir als Gottes Kinder kraft deines wahrhaftigen Zeugnisses werter geachtet sind vor deinem Vater im Himmel, als viele Sperlinge. Dann wissen wir auch und rühmen fröhlich, dass seine Wege eitel Güte und Wahrheit sind denen, die auf ihn trauen. Amen! (Carl Just)

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