Lukas 12,32

Andachten

Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben!
Oft will uns der Mut entsinken, wenn wir im finsteren Tal wandern und es uns scheinen möchte, als ob kein Lichtstrahl Seiner Verheißungen dieselbe erleuchten werde. Nur Geduld! „Er ist bei uns wohl auf dem Plan, Mit Seinem Geist und Gaben.“ Seine Verheißungen sind ja in Ihm und sind Amen in Ihm. „Fürchte dich nicht!“ Hörst du: „fürchte dich nicht!“ Ja, meinst du dann wohl, der Feinde sind so viel und begehren mein Fleisch zu fressen. O, du Kleingläubiger! Er will für dich streiten und du sollst nur stille sein. Wenn der HErr für uns ist, wer mag wider uns sein? Er hat uns ja Seinen Sohn geschenkt, wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken? Und, wenn auch den Abend lang währt das Weinen, so naht sich uns am Morgen wieder der HErr und tröstet uns und wir können mit Luther voll Zuversicht sprechen: „Das Reich muss uns doch bleiben!“ (unbekannt)


Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.
Unsere evangelische Kirche ist die kleine Herde, die römische mit ihren gesetzlichen Werken, mit ihren stolzen Domen, mit ihren mächtigen Bischöfen, mit ihren prächtigen Gottesdiensten steht um sie herum, wie die Großen aus Israel um das verachtete Häuflein. Stehen wir doch auch an Zahl der katholischen Kirche weit nach. Wir sind arm im Auftreten im Leben, wir wissen nichts von glänzenden Prozessionen, nichts von einfachen oder dreifachen Kronen, nichts von heiligen Gewändern. Aber von der Krone des Lebens und vom Rock der Gerechtigkeit, womit Gott der Herr die Seinen schmücken und kleiden wird, wissen wir mehr als jene. Arm und klein wollen wir sein in der Demut die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, das ist die rechte evangelische Armut. Ihr gilt es vor allem: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Das Wort ist mehr wert als zehn Königreiche, mehr als Heere von Hunderttausenden, der Herr selbst steht hinter dem Worte. Darum fürchten wir uns vor keinem Feinde, des Vaters Wohlgefallen verheißt nicht den Starken sondern der kleinen Herde das Reich. Das ist die Stärke unserer Kirche, dass sie sich auf den Herrn allein stützt, dass sie sein Wohlgefallen über Alles setzt, und bei Christo das Reich, die Seligkeit und Herrlichkeit sucht, die die Welt nicht geben und nicht nehmen kann.

Herr, wir danken dir, dass du uns dein liebes Wort und den hellen Schein deiner Gnade gegeben hast. Wir danken dir auch, dass du uns arm und niedrig gemacht hast in der Welt, denn deine Zeugen sind es von Anfang an gewesen. Es ist also dein Wohlgefallen, dass deine Kirche aus der Knechtsgestalt nicht herauskommen soll, denn du bist selber in Knechtsgestalt unter uns gewandelt. Erhalte uns in der Demut, welche nur deine Gerechtigkeit, deine Wahrheit, deinen Weg und dein Leben kennt. Mache jedes Reformationsfest, ja jeden Sonntag und jeden Tag zu einem Reformationsfeste an uns selber, und schenke uns die heilige Zuversicht, dass auch der Hölle Pforten deine arme Kirche nicht überwältigen können. Amen. (Friedrich Ahlfeld)


Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.
Schon wieder die liebliche Hirten-Stimme! Wieder ein tröstendes Wort, - und wie zärtlich ist es! Seine Herde, eine kleine Herde, eine schwache Herde, eine furchtsame Herde, aber eine geliebte Herde, von dem Vater geliebt, und Seines Wohlgefallens sich erfreuend; bald wird sie eine verklärte Herde sein, zur Ruhe gebracht in der Hürde, geborgen in dem ewigen Gottesreich! Wie beruhigt Er ihre Sorgen und Befürchtungen? Indem sie bebend am öden Bergesabhang stehen, weist Er mit Seinem Stabe aufwärts zu den hell leuchtenden Pforten der Herrlichkeit und sagt: „Es ist eures Vaters Wohlgefallen euch diese zu geben!“ Was für sanfte Worte! Welch eine selige Vollendung! Gnädiger Heiland, deine Sanftmut hat mich groß gemacht! Jenes Reich ist des Christen unwiderrufliches und unveräußerliches Eigentum: – „Ich will euch“ (durch den neuen Bund), sagt Jesus an einer anderen Stelle, „das Reich bescheiden, wie mir es mein Vater beschieden hat.“ Es ist so gewiss, wie es nur die unendliche Liebe und die allmächtige Gewalt machen kann. Satan, der große Feind des Reiches, mag dir schnödes Misstrauen, Zweifel und Furcht einflößen, aber er kann dich deiner dir teuer erkauften Vorrechte nicht berauben; er muss erst die Krone von der Stirne dessen reißen, der auf dem Throne sitzt, ehe er dieses gewisse Wort der Verheißung umstoßen kann. Wenn es dem Herrn gefiel, den Hirten zu verwunden, so wird es Ihm gewiss gefallen, die erkaufte Herde glücklich zu machen. Wenn er den, der Seines Gleichen war, schlug, da die Schafe zerstreut wurden, so wird es Ihn gewiss erfreuen, um des Hirten willen, Seine Hand zu kehren zu den Kleinen.

Christen, denket daran! Es ist eures Vaters Wohlgefallen. Indem Er euch über die dazwischen liegenden Berge führt, zeigt euch der gute Hirte die Beweise und Denkzeichen väterlicher Gnade, welche den ganzen Weg bedecken. Er mag euch auf Umwegen führen. Er führte vor Alters die Kinder Israel aus Ägypten nach dem gelobten Lande, und wie? durch vierzig Jahre der Drangsal und Entbehrungen in der Wüste. Aber, vertraut Ihm, entehrt Ihn nicht durch sündliche Zweifel und Befürchtungen. Schaut nicht auf eure dunklen, strauchelnden Pfade zurück, noch hinein in eure veränderlichen, wankenden Herzen; sondern vorwärts zu dem fernen Lande. Wie ernst meint es der Herr mit eurer Seligkeit! Welch ein Häufen zärtlicher Worte, ähnlich diesem, womit Er uns hier anredet! Das Evangelium erscheint wie ein Palast voll offener Fenster, und aus einem jeden derselben lässt Er eine Einladung ergehen, mit der Erklärung, dass Er keinen Gefallen an unserem Tode habe, sondern vielmehr, dass wir uns bekehren und leben sollen!

Lasst die melodische Stimme des Hirten eurem Ohre lieblich erklingen; „Es ist eures Vaters Wohlgefallen.“ Es ist, als sage er: Ich habe euch den besten Beweis des Meinigen gegeben. Um euch das Reich zu erkaufen, starb ich für euch! Aber es ist auch Sein Wohlgefallen: „Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, also,“ sagt Gott, „will Ich Meine Schafe suchen; und will sie erretten von allen Orten, dahin sie zerstreut waren zur Zeit, da es trübe und finster war.“ Fürchte dich also nicht, du kleine Herde! Musst du auch den Weg nach Zion suchend, die öde Bergeshöhe und die dürre Wildnis durchwandern, - es mag sein mit zerrissener Haut und blutenden Füßen; - denn:

Es ist vor eurem Vater im Himmel nicht der Wille, dass Jemand von diesen Kleinen verloren werde. (John Ross MacDuff)

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