Allgenugsamer Gott und Herr, der Frommen Schild und sehr großer Lohn, von Grund unserer Herzen sagen wir Deinem Namen Dank für den herrlichen Schatz Deines göttlichen Wortes, dass Du uns in dem Schoß Deiner Kirche hast lassen geboren werden, in welcher wir einen reichen Schatz Deiner Wahrheit nach dem andern können sammeln, tief in unser Herz legen und uns damit erbauen, aufrichten und trösten in unserm ganzen Leben, Leiden und Sterben. Gewiss ist das Evangelium und Reich Deines Sohnes wie ein Senfkorn klein und unscheinbar in seinen Anfängen, kräftig und bedeutsam in seinem Wachstum, wie ein Sauerteig von verborgener und doch unausbleiblicher Wirksamkeit, wie ein Netz angefüllt mit den verschiedenartigsten Herzen und Gemütsarten, aber vor allem ist es kostbar wie ein Schatz im Acker und wie eine Perle und wert, dass wir alles Andere, was wir haben, Geld und Gut, Vaterland, Freundschaft, Gemächlichkeit, Ehre und was die Welt Herrliches hat, geringschätzen und verläugnen, und sprechen: Mach mich an meiner Seele reich, so habe ich genug hier und ewiglich. Ein wahrhaftiger Schatz, der die Seele erquickt; ein nützlicher Schatz, der Trost gibt in allem Leiden; ein beständiger Schatz, den kein Feuer verbrennen, kein Dieb stehlen kann, sondern der bei uns bleibt in Lieb’ und Leid, in Not und Tod! Die Welt weiß diesen Schatz freilich nicht zu schätzen; ja, wir selbst sind manchmal so lässig und lau, dass wir Dein Wort nicht andächtig genug hören und lesen, und nicht fleißig genug bewahren, auch unser Leben und unsern Wandel so nicht danach einrichten, wie wir wohl gern wollten und billig sollten. Abba, Vater, vergib uns alle diese Unachtsamkeit und Sünde um Jesu Christi willen. Öffne Du selbst, o Gott, unsere Herzen wie der Lydia, so oft wir Dein Wort lesen und hören, dass wir sehen die Wunder in Deinem Gesetze. Lass unser Herz brennen vor Freude und heiliger Liebe der Wahrheit, wenn Du in Deinem Worte mit uns redest. Lass uns auch diesen Schatz so lieb haben, dass wir lieber Alles verlassen, was Du uns in dieser Welt gegeben hast, dass wir nur diesen Schatz, die teure Beilage unseres allerheiligsten Glaubens, behalten bis an unser seliges Ende. Lass auch heute den edelsten Schatz unserer Seele, Deinen lieben Sohn, bei uns einkehren und Wohnung bei uns machen. Haben wir Jesum, so haben wir Alles. Gönnest Du uns Reichtum und zeitliche Güter in dieser Welt, so bewahre uns doch, dass wir unsere Herzen nicht mögen daran hangen und Deiner dabei nicht vergessen. Gibst Du uns wenig in dieser Welt, so gib uns dabei ein in Dir fröhliches und vergnügtes Herz, mache unsere Seele desto reicher an Erkenntnis, Glauben, Liebe, Geduld, Hoffnung und gottseligem Wandel, und gib uns endlich den allerbesten Schatz und das schöne Kinderteil droben in dem Himmel. Amen. (Friedrich Arndt)
Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte auf seinen Acker, welches das kleinste ist unter allen Samen; wenn es aber erwächst, so ist es das größte unter dem Kohl und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen.
Kleine Vorgänge, lauter kleine, füllen meine Jahre. Der größte Teil meiner Zeit gehört der natürlichen Arbeit und dazu kommen die Begegnungen mit den Menschen, die mit mir leben. Das sind lauter kleine Dinge. Will ich aber in der Wahrheit bleiben, muss ich zu diesem Satz den anderen fügen: Großes füllt meine Jahre, nichts als Großes. Jesus zeigt mir, wie das Große klein wird und das Kleine groß. Da, wo Gott seine Gnade hinlegt, geht es zu, wie wenn ein Mann ein Senfkörnchen in seinen Garten legt. Wie klein sah Jesus aus! Du bist viel zu klein, sagten sie, als dass du die Welt neu machen könntest. Und was er erreichte, wie klein sah das aus! Sein Erfolg bestand in einem Häuflein unmündiger Jünger, „dieser Kleinen“, wie er sagte. Sie hatten nichts, was in die Augen fiel. Sein Wort hatten sie im Herzen und sie hatten das Unser Vater beten gelernt. War das etwas Großes? Ja. Denn das Senfkorn ist ein lebendiger Same und bringt aus sich das große Gewächs hervor. Denn hier handelt Gott königlich und schüttet den Reichtum seiner Gnade aus und baut sein Reich. Ich erwerbe mir die Lebensmittel. Soll ich sagen: bloß das, das ist wenig? Leben wir, so leben wir dem Herrn. Darum ist mein irdisches Leben ein Senfkörnlein, freilich ein kleines, dem man nicht ansieht, was es werden wird. Weil ich aber in Gottes Reich lebe, so wird daraus das unbeschreiblich Große, das ewige Leben. Jeder Tag gibt mir Anteil am göttlichen Wort. Das ist nichts Großartiges; man kann es leicht verachten. Allein dass ich ihn hören darf, meinen Herrn und Gott, weil er zu uns gesprochen hat, das ist ein unermesslich reicher Segen. Zwischen die Arbeitszeit treten die Sonntage und geben mir Anteil an der Gemeinschaft, die in Jesus ihren Grund hat. Als lebendiger Stein in Gottes Haus zu stehen ist aber ein wunderbar großes Geschenk. Um mich her kommen und gehen die Menschen, und was ich ihnen gebe, lässt sich nicht messen. Eins aber ist gewiss: Wirkung, unbeschreiblich große, liegt in allem, was nach Gottes Willen geschieht.
Herr, ewiger Gott! In unser kleines Leben legst du deine großen Gaben. Sie sind klein, wie es für uns Kleine passt, damit unsere kleine Hand sie fassen kann, und zugleich unbeschreiblich groß, weil sie von dir kommen und deine Gnade in ihnen wirksam ist. Gern machte ich auch meinen Dank groß. Verzeih, lieber Herr, dass auch mein Dank klein und schwach bleibt. Aber danken will ich dir für alles, was meine Jahre füllt. Amen. (Adolf Schlatter)
Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte es auf seinen Acker. Welches das kleinste ist unter allem Samen; wenn es aber erwächst, so ist es das größte unter dem Kohl und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen.
Göttliche Werke fangen immer klein an, wachsen allmählig und enden groß. Dies ist eins ihrer Kennzeichen, an dem man sie von menschlichen Werken unterscheiden kann, welche oft den entgegengesetzten Weg einschlagen, nämlich groß anfangen und klein enden. Alle großen. Werke, welche eine Dauer gehabt haben, haben unscheinbare Anfänge gehabt, und haben zu ihrer Entfaltung eine geraume Zeit des Wachstums gebraucht. Das menschliche Leben ist von kurzer Dauer und weil man gern die Früchte seiner Arbeit selbst sehen und genießen möchte, so ist dem menschlichen Treiben eine Hast, Ungeduld und Überstürzung eigen, wodurch ihnen der Stempel des Verfalls von vorn herein eingeprägt ist. Gott kann warten; Er hat Zeit. Er legt lebenskräftige Keime in die materielle und geistige Welt, gibt ihnen die Bedingungen der Entfaltung und überlässt sie dann ihrem Wachstum. So tut Er mit dem Senfkorn und ebenso mit dem Himmelreich. Jenes aber, weil es in unsere Sinne fällt und wir seine ganze Entwickelung übersehen können, bietet uns ein Bild von diesem dar, dessen Wesen von geistiger Art ist und über dessen Entfaltung Hunderte von Menschengeschlechtern wegsterben. Das Himmelreich, das ist das göttliche Leben in seinen vernünftigen Geschöpfen, begann mit den ersten Menschen auf Erden, und ward auch bei ihnen schon durch die Sünde gestört. Aber ein lebensfähiger Keim blieb im Gewissen der Menschen zurück. Diesen Keim hat Gott gepflegt, erzogen und weiter entwickelt durch Offenbarung und vorläufige Absonderung derjenigen Menschen, in welchen derselbe am kräftigsten geblieben war. Viertausend Jahre blieb das Samenkorn des Himmelreichs mit seinem Keime gleichsam unter der Erde, bis die Zeit erfüllt war und Gott seinen Sohn sandte, in welchem der unvergängliche Keim das Erdreich durchbrach und derselbe als sündloser Mensch der Anfänger eines neuen Geschlechtes wurde. Wie klein aber war nach viertausendjähriger Vorbereitung dieser Anfang des Himmelreichs! Ein Mensch nur, und ein armer, verachteter und gekreuzigter Mensch! Wie gering der erste Erfolg seiner Wirksamkeit! Zwölf Apostel, 70 Jünger und 500 Brüder, die zum Glauben an Ihn gekommen waren, das war die erste Frucht seines Lebens, Leidens und Sterbens. Aber der Spross war aus der Erde gekommen, klein zwar, aber voller Leben und sollte wachsen und nie wieder vergehen. Schon zu Pfingsten wurden auf Petri Predigt 3.000 zu den Gläubigen hinzugetan. Bald fingen auch die Heiden an einzugehen in das Reich, das Er gestiftet. Vierhundert Jahre nach dem Tode Christi lag das römische Reich, welches Ihn hatte ausrotten wollen, zu seinen Füßen, überwunden ohne Waffen, allein durch das Wort und die Kraft seines Geistes. Nach achthundert Jahren waren die deutschen Völker bekehrt und als man 1200 schrieb, da waren auch die Stämme des Nordens getauft. Und jetzt sind aus den 12 Aposteln und wenigen Jüngern 300 Millionen Christen geworden, das Senfkorn ist zum Baume emporgewachsen, unter dessen Zweigen die Nationen ruhen. - Das Himmelreich ruht auch in deinem Herzen als ein Senfkorn. Gönne ihm das Wachstum und lass es in dir zum Baume werden, dessen Zweige alle deine Gedanken und dein ganzes Wesen beschatten, damit auch du an deinem Teile wie ein Samenkorn des Himmelreichs in die Welt gestreut seiest, welches nicht allein bleibt, sondern vielfältige Frucht trägt. (Anton Camillo Bertoldy)