Israel, rüste dich, deinem Gott zu begegnen.
Segnend, tröstend, ratend, aber auch warnend, mahnend, strafend redet der Herr mit dem, der sich Gott ehrfurchtsvoll naht und unter Seiner Leitung durch dieses Leben gehen will. Je unentbehrlicher Gott einem Menschen geworden ist, desto weniger gibt es für einen solchen irgendeine Lage, in der er nicht mit Gott, mit Seinem Rat und Beistand rechnete. Wenn du willst, dass sich dir der Herr in besonderem Maße offenbare, so lies besonders eifrig und sorgfältig Sein Wort. Auf die Menge der Kapitel und Verse kommt es hierbei nicht an, wohl aber auf die Absicht und Sorgfalt, mit der du beim Lesen forschest und lauschest. Da, in heiliger Stille, ruhend zu Gottes Füßen, hörend und merkend auf das Wort der Wahrheit, gewinnt der Herr dein Vertrauen, dein Herz! Gottes Gedanken wecken Gedanken in dir. Jetzt weißt du, was du mit dem Herrn reden sollst. Sein Reden mit dir befähigt dich zum Reden mit Ihm. Wir kennen hienieden keine erhebendere Tatsache als die: mit Gott Gemeinschaft haben zu dürfen, Ihn als unseren Schild und als unseren großen Lohn zu wissen. Auf solche Weise kommt ein neues Leben, ein Leben aus Gott ins Herz. Das Gebet hat immerfort neue Nahrung, neuen Schwung, denn durch Sein Wort wird Herz und Sinn bewegt. Gott hat uns stets etwas zu sagen, und solange Er uns etwas sagt, sind wir auch nicht verlegen, was wir mit Ihm reden sollen. Zu unseres Meisters Füßen werden wir im rechten Sinne beredt. Durch diese Übung in der Gottseligkeit wird der Erlöste von seinem Herrn und dessen Geiste erfüllt. Das ist die wahre Sättigung der Seele. (Markus Hauser)
„So schicke Dich, Israel, und begegne Deinem Gott.“
Ewiger Gott, Du Schöpfer meines Lebens, mein unermüdlicher, unveränderlicher Wohltäter, ich wage mich auch an diesem Morgen wieder vor Dein Angesicht, und danke Dir für die Fülle Deiner Guttaten. Es hätte ja der Schlummer der verflossenen Nacht mein Todesschlaf werden können, aber Du hast mich noch unter den Lebenden gelassen, damit ich Dich preise. Ach, lass mich doch jeden Morgen so aufstehen, und jeden Tag so leben, als wären es meine letzten Stunden als wenn mein nächstes Erwachen schon in der Ewigkeit wäre.
Herr, das Sterben rund um mich her müsste viel größeren Eindruck auf mich machen, und mich zu viel ernsterem Nachdenken bewegen. Einer meiner Freunde nach dem andern geht dahin, der Kreis meiner Bekannten wird immer enger. Die Mahnung: halte auch du dich bereit, schallt wohl immer an mein Ohr, aber wie bin ich so geneigt, ihren Ernst unbeachtet zu lassen, und meine Vorbereitung zum Sterben auf die letzte Stunde zu verschieben. Gnädiger Gott, ich bitte Dich, lass doch meine Lampe brennen, und meine Lenden gegürtet sein lass mich nicht um mein Gefäß mit Öl zu füllen, bis auf den Augenblick warten, wo der Bräutigam schon kommt und ich gerufen werde, Ihm entgegen zu gehen. Lass mich jetzt schon mein ganzes Vertrauen auf Jesum werfen, dass dadurch der Tod seinen Stachel verliert dass die feierliche Stunde, die den Sorglosen und Leichtsinnigen nichts als Finsternis und Schrecken bringt, für mich der Anbruch des ewigen Sabbats ist, die Tür zum Eingang in eine Welt unaussprechlicher Freude.
Herr, lass mich erkennen, dass der Stachel des Todes die Sünde ist, und dass ich nicht eher bereit sein kann zum Sterben, als bis ich die Gewissheit habe, dass alle meine Sünden vergeben und ausgelöscht sind durch das Blut meines Erlösers. Christus muss mein Leben sein, und Sterben mein Gewinn. Lehre mich, durch festen Glauben an den großen Todesüberwinder, mich mit meiner Sterbestunde vertraut machen, damit ich, wenn sie nun kommt, in Ihm entschlafe, und Seine süße Stimme sagen höre: Ich bin es, fürchte dich nicht!
Siehe erbarmend nieder auf die große Menge der Menschen, die so ruhig dahin leben, ohne an diese ernsteste Stunde zu denken und sich dazu zu schicken. Wecke sie auf, dass sie sich besinnen, und ihre Gefahr erkennen lehre sie sowohl ihre Schuld erkennen, als auch einsehen, wie dringend nötig sie den Heiland haben dass die Zeit dahin eilt und die Ewigkeit drohend nahe rückt und dass, so wie der Baum fällt, er liegen bleibt.
Ich bitte auch für die Heiden, die aus Mangel an Erkenntnis des Heils in so großer Gefahr stehen. Fördre und segne doch alle Bestrebungen, um ihnen das Evangelium zu bringen, lass Deine Diener, die Missionare, die ihr Leben in ihre Hand genommen haben um als Friedensboten in die dunkle Heidenwelt zu ziehen, den Frieden erfahren, den die Welt nicht geben kann. Lass an dem großen Tage Deiner Wiederkunft viele durch sie gerettete Seelen ihre Freude und ihre Krone sein.
Gib uns Allen, einem Jeden an dem ihm zugewiesenen Ort, etwas zu Deines Namens Ehre zu tun. Lass uns unsre Zeit, alle uns gebotene Gelegenheit, unsre Kräfte, unser ganzes Wesen zu Deinem Dienst gebrauchen, und das Lob Dessen verkündigen, der uns berufen hat aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht um Jesu Christi willen. Amen. (John Ross MacDuff)
„Schicke dich, zu begegnen deinem Gott.“
Gott, Du überschüttest mich täglich mit Deinen Gaben. Morgen und Abend müssen Dich loben über mir, da Du mir immer neue Ursache zum Danken gibst. Was ist eines irdischen Freundes Liebe gegen Deine Liebe! Dass doch mein ganzes Leben ein fortgehendes Dankopfer wäre für die unbegreiflich großen Gaben, die Deine Güte mir täglich schenkt!
Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, dass der rastlos dahin eilende Strom der Zeit mich schnell einer ernsten Entscheidung entgegentreibt. Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben und darnach das Gericht. Lehre mich auf diese Entscheidung beständig vorzubereiten und zu leben im Hinblick auf die Stunde, wo die Bücher des Gerichts über mich werden ausgeschlagen werden. Erziehe mich zur Ewigkeit. Lass mich nicht vertändeln diese flüchtigen und doch so kostbaren Augenblicke. Lehre mich festhalten an dem Worte: „Wie der Mensch lebt, so stirbt er,“ an der Überzeugung, dass wie der Tod mich findet, das Gericht mich trifft. Lasse, wie auch der Tod komme, mein Sterben ein Entschlafen in Jesu sein, damit ich mit Ihm geeinigt, vom Gerichte befreit, das Wort hören kann: Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters, zu ererben das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn!
Hochgelobter Herr und Heiland, all meine ewige Hoffnung ruht einzig in Dir. Ich blicke zu Dir als dem unerschütterlichen Felsen des Heils, ich flüchte zu dem Heiligtume Deiner Bundestreue. Darin geborgen, werde ich mitten in einer zerfallenden und im Feuer untergehenden Welt getrost ausrufen können: Wer will mich scheiden von der Liebe Christi? - Lehre mich indessen wachen, bis der Herr kommt. Bewahre mich vor träger Sorglosigkeit. Schmücke Du selbst mit Öl meine erlöschende Lampe. Ob ich wache oder schlafe, liege oder gehe, wo ich bin und weile, lass mich stets festhalten, dass ich Rechenschaft geben muss vor meinem Gott, von jeder Tat, von jedem Wort, von allem meinem Sinnen und Trachten, ja von jeder Regung und jedem Gedanken meines Herzens. Alle Gaben und Güter sind anvertraute Pfunde, davon ich Rechnung legen muss. Wehe mir, wenn ich am Tage der Offenbarung erfunden werden sollte unter denen, die ihren Zentner in die Erde vergraben oder ihr Pfund im Schweißtuch verborgen haben!
Herr, segne meine Freunde, vergilt meinen Wohltätern, vergib meinen Heilige ihr Herzeleid Feinden! allen Söhnen und Töchtern der Trübsal! - Lass die Fackel Deiner Liebe die Nacht ihrer Trübsal durchleuchten! Lass jede neue Prüfung ihnen mit neuer Kraft ins Herz rufen: Auf! suche, was droben ist, denn du hast hier keine bleibende Stätte!
Gnädiger Gott, sei mein Schutz in der kommenden Nacht. (John Ross MacDuff)