Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus geht das Leben.
Gleichwie das Herz die Quelle des Blutes ist, das sich von ihm aus durch den ganzen Leib verbreitet, und die Bedingung seines Lebens ist, denn des Leibes Leben ist in seinem Blut (3 Mos. 17,14.): So wird in der heiligen Schrift unter dem Herzen meistens die Seele mit allen ihren Kräften verstanden, als die Quelle alles geistigen Lebens im Menschen. Denn wie eines Menschen Herz ist, so ist der Mensch. Was unser Herz liebt, wem es sich zuneigt, an wem es hängt, wovon es eingenommen und erfüllt ist, nach dem gestaltet sich all unser Denken, Wollen, Wünschen, Begehren, Reden und Tun, davon geht das Leben aus und dahin wieder zurück. Darum heißt es auch von dem Herrn, nach seiner allervollkommensten Menschenkenntnis, er sehe das Herz an, und sei ein Herzenskündiger. Und einem jeglichen unter uns wird gesagt: „Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus geht das Leben“. Der aber, welcher mehr, als Salomo, der Sohn Gottes ist, bestätigt es und spricht: Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens, und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz; denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Geiz, Schalkheit, List, Unzucht, Schalksauge, Gotteslästerung, Hoffart, Unvernunft. Darum behüte dein Herz, und deines Herzens Eingang und Ausgang mit allem Fleiß. Siehe wohl zu, wenn du dein Herz hingibst, für wen du es öffnest, wen du darin wohnen und regieren lässt. Die himmlische Weisheit spricht: Gib mir dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege Wohlgefallen. Der Sohn Gottes sucht Eingang in dasselbe und mahnt: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an, so jemand meine Stimme hören wird, und mir die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Die Apostel beten für die Christen, dass Gott ihnen Kraft gebe, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, Christum zu wohnen durch den Glauben in ihrem Herzen; und fordern sie auf, sich wohl zu prüfen, ob Christus in ihnen wohne. Denn es sind noch andere da, die das Herz einnehmen wollen. Von Judas Ischarioth wissen wir, dass nach dem Bissen der Satan in ihn fuhr. Dem Ananias hatte der Satan das Herz erfüllet, dass er dem heiligen Geist lüge. Der Heiland sagt uns: „Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so spricht er: ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin; und dann geht er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst, und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger denn vorhin. Und wenn wir bedenken, in wie vielerlei Gestalten die Sünde, die Sorgen und Wollüste dieses Lebens sich in das Herz einzuschleichen und einzudrängen, und den daraus zu verdrängen suchen, der allein das Recht des ungeteilten Besitzes über unser Herz hat - dann wird es uns einleuchten, wie wohl begründet die Ermahnung sei: „Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus geht das Leben.“ (Carl Philipp Johann Spitta)
Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus geht das Leben.
Behüte dein Herz mit allem Fleiß. Wache und bete, denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Behüte dein Herz mit allem Fleiß. Wache, dass die böse Lust sich nicht hineinschleicht. Behüte dein Herz. Denn es ist ein trotziges und verzagtes Ding, und der Anfechtungen sind so viele, und die Sünde ist so mächtig. Aber die Gnade Gottes ist noch mächtiger. Sie mahnt dich: Mein Sohn, merke auf mein Wort, und neige dein Ohr zu meiner Rede. In Gottes Wort erkenne du, wie der Sünde Weise Dunkel und Finsternis ist, und Verderben allemal ihr Sohn - sie wissen nicht, wo sie fallen werden, aber sie fallen gewiss - wie aber der Gerechten Pfad glänzt wie ein Licht, das da leuchtet bis auf den vollen Tag. Darum behüte dein Herz, dass es nicht den Weg der Gottlosen geht, sondern den Pfad der Gerechten. Denn aus einem Herzen, das in der Furcht Gottes steht, geht das Leben, das gottselige Leben, das die Verheißung hat für die Erde und für den Himmel. Behüte dein Herz in Gottes Wegen, und dein Friede wird sein wie ein Wasserstrom, und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen. Gott hat es verheißen, er wird es erfüllen. Gott, du starker, treuer Gott, bei dem kein Wechsel des Lichts und der Finsternis ist.
O, mache mich auch treu und wahrhaftig, mache mich stark und fest in deinem Wort. Du sagst mir, dass ich mein Herz behüten soll. O behüte du es. Befestige du mein unbeständiges Herz. Vollbereite, stärke, kräftige, gründe mein Herz in deiner Gnade und Wahrheit, dass ich nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe. Amen. (Adolf Clemen)