Psalm 90,9

Andachten

Alle unsere Tage fahren dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz. Unser Leben währt siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.
Also klagt Moses, der Knecht Gottes. Er gedenkt der Eile, die unser Leben hat: Es fährt schnell dahin, als flögen wir davon. Er gedenkt der Not und alles Elends, das sich zugleich darein mischt: Zuletzt, wenn es köstlich gewesen ist, so ists doch nur Mühe und Arbeit gewesen. Er verschweigt uns aber auch nicht die Ursache, warum es so ist; er nennt uns die Sünde und unsere Missetat, die unser Leben also gestaltet und der Mühe und der Arbeit, der Not und des menschlichen Elends so viel in die Welt hereingebracht hat. So wissen wir zugleich, wo wir die rechte Hilfe und den vollen Trost zu suchen haben. Allein bei dir, Herr Jesu Christe, der du in allem uns gleich und ein Pilgrim und Fremdling in dieser Welt geworden bist, wie wir es sind und wie es alle unsere Väter gewesen sind. Eben so wenig als sie, eben so wenig als wir, hast du hier eine bleibende Stätte gehabt. Darum sagtest du und zeugtest als von dir selbst: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege (Luk. 9, 58). Wir wissen aber von dir, ob du wohl in göttlicher Gestalt warst, dass du es doch nicht hieltest für einen Raub, Gott gleich zu sein. Und noch in den letzten Tagen haben wir so viel gehört von deiner Gnade, die, ob du wohl reich warst, dennoch dich bewog, arm zu werden um unsertwillen, auf dass wir reich würden durch deine Armut. Durch dich sind wir denn nun Bürger und Hausgenossen Gottes. Ob wir aber schon hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen, so bleiben wir doch gern Pilgrime und Fremdlinge in dieser Welt, weil du ja auch ein solcher gewesen bist. Unser Vaterhaus ist der Himmel, unser Bürgerrecht ist im Himmel, unser Wandel hat sein Absehen auf den Himmel. Darüber sind wir fröhlich, obs auch durch manche Trauer und viele Tränen geht, getröstet und fröhlich, wenn gleich unser Leben im besten Falle nur Mühe und Arbeit ist. Bist du ja doch der Anfänger und Vollender unsers Glaubens, der uns vorausgegangen ist in den Himmel, die Stätte uns da zu bereiten. Dafür danken wir dir mit Herz und Mund. So soll denn unser Schatz im Himmel sein, dass zugleich unser Herz auch im Himmel sei. Wir enthalten uns der Welt und ihrer vergänglichen Lust als die Fremdlinge und Pilgrime. Wir suchen, was droben ist, da du unser Herr und Heiland bist.

Lass uns nur wachsen und stark werden an unserm inwendigen Menschen, wie es von dir heißt: Das Kind wuchs und ward stark im Geist. Gib uns rechte Weisheit zum Seligwerden und lass die Gottesgnade, die bei dir war, auch auf uns ruhen, dass wir dir treulich nachfolgen auf unserm Pilgerwege und zuletzt zu dir eingehen in das Nazareth, das droben im Himmel ist. Amen. (Carl Just)

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