Psalm 38,11

Andachten

Mein Herz bebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir.
In diesen Worten ist die heilige Menschheit Jesu Christi vorgestellt, wie sie unter dem Gefühl des Zornes Gottes aus einer Ohnmacht in die andere sinkt, so dass ihr endlich Hören und Sehen vergeht, oder das Licht ihrer Augen nicht mehr bei ihr ist, und ihr eigen Herz sie verlässt, wie es auch Ps. 40, 13. heißt: Ich kann nicht sehen, mein Herz hat mich verlassen; und Ps. 69, 4.: das Gesicht vergeht mir, dass ich so lange muss harren auf meinen Gott. Mit diesen Worten ist der innere Krieg der Prinzipien in ihm ausgedrückt. Man fühlt wohl den Nachlass der Kräfte, aber nicht den Nachlass der Sünde, und darüber wird man oft fast ausgelöst. Diese Worte lassen uns tiefe Blicke in das Hohepriestertum Christi werfen. (Aus Rambachs auserlesenen heils. Worten des Hrn. Jesu und J. M. Hahn.)


Meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir. Eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe.
David sagte: Meine Kraft hat mich verlassen. Kraft ist zum Wirken erforderlich, und wer jene nicht hat, ist zu diesem unfähig. Der Christ hat viel zu wirken. Er soll wachen, beten, sich selbst verleugnen, sich vor der Welt unbefleckt bewahren, ablegen die Sünde, die uns immer anklebt und träge macht, anlegen die Waffen des Lichts, glauben, - weil es unmöglich ist, Gott ohne Glauben zu gefallen, - lieben, weil nur der, welcher liebt, in Gott bleibt und Gott in ihm. Kurz, um mit Wenigem viel zu sagen: Er soll schaffen, dass er selig werde, mit Furcht und Zittern. Man entschuldige sich nur ja nicht damit, dass man nicht könne; den jener Schuldner ward eben deswegen den Peinigern übergeben, weil er nicht bezahlen konnte.

Was fand sich endlich auf diesem Wege? Seine Kraft bekam David nie wieder, und wollte sie auch nicht wieder haben; denn Gott hat keinen Gefallen an den Starken. Es blieb ihm nichts übrig, als seine Missetaten anzuzeigen, und auf den Herrn zu harren, auf den Gott Israels, der nach Ps. 68. seinem Volke Macht und Kraft gibt. Da bedurfte es seiner Kraft nicht mehr; da war er eben dann stark, wenn er schwach war, und eben dadurch groß, dass er gedemütigt war. Da hieß es nicht mehr: ich sorge: sondern: ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne. Wunderbarer Anfang, herrliches Ende! (Gottfried Daniel Krummacher)

Predigten