Dem Herrn will ich singen, dem Herrn, dem Gott Israels, will ich spielen.
Solcher Jubel ist ein Lied im höheren Chor, das in Zeiten unerwarteter, großer Segnungen angestimmt wird, da wir die Gabe des Zungenredens haben möchten. Israel hatte nach dem Durchgang durchs rote Meer Anlass dazu. Mirjam führte damals den Neigen und sang: „Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und mein Heil.“ Ähnlich jubelte Deborah nach dem Tode des Sissera: „Dem Herrn will ich singen, dem Herrn, dem Gott Israels, will ich spielen.“ David fordert auf: „Jauchzt Gott, alle Lande, lobsingt seinem Namen, rühmt ihn herrlich. Sprecht zu Gott: Wie wunderlich sind deine Werke.“ Marias Seele erhebt den Herrn und ihr Geist freut sich Gottes, ihres Heilandes. Zacharias voll Heiligen Geistes spricht mit befreiter Zunge: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat besucht und erlöst sein Volk.“ Der dankbare Aussätzige durchzieht die Straßen, Gott mit lauter Stimme preisend, und sogar der vielbedrängte Paulus singt sein Triumphlied: „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen, und wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ Bis wir alle hinankommen zu dem ewigen Halleluja, bilden aber solche Jubelzeiten nur hervorragende Höhepunkte, zwischen denen die Ebene der gewöhnlichen Erfahrungen, ja gar die Täler der Not liegen, aus denen oft genug Schreien, Klagen und Seufzen ertönt.
Wenn wir aber recht bedenken, wie freundlich und weise wir kalte und undankbare Menschen von Gott geführt werden, so haben wir doch täglich Ursache, von ganzem Herzen zu loben. Gleicht unser Danklied auch nicht dem Bergstrom, der in gewaltigen Sprüngen dahin braust, so kann und soll es, dem friedlichen Bache ähnlich, die Ebenen unsres Alltagslebens durchziehen. Wo ist der Fehler, wenn dies nicht geschieht? Es fehlt am Beachten und Wertschätzen der gewöhnlichen Dinge in unsrer Führung, wie Erhaltung unsrer Kräfte, Schutz in der Nacht, Darbieten des täglichen Brotes, freundliche Beziehungen zu Menschen, regelmäßige Arbeit, Bewahrung in unerkannten Gefahren, Abwendung von Krankheit, Erhaltung unsrer gesunden Sinne und Ähnliches. Sind das nicht Gründe genug, die Bächlein des Dankes fließen zu lassen? Solches zu erkennen und zu üben, bewahrt vor Sorgen, Misstrauen und Neid, erhält die Frische des Geistes und ehrt Gott auch in den kleinen Dingen. Es bewirkt, dass Gottes Friede sich wie erquickender Tau über unser Alltagsleben legt. Mein Lieber, wie willst du es in dieser Sache halten, heute und allezeit?
Teurer Heiland, wie ruhte über dir der Friede Gottes, wo auch auf Erden du gewandelt bist. Du warst nie unzufrieden, auch wenn nicht vorhanden war, wo du dein Haupt hinlegtest. Ich möchte dein Jünger sein, so schenke mir deinen Sinn und lehre mich freudig danken für die unzähligen Gnaden und Wohltaten, und bringe mich endlich unter die Schar der Harfenspieler am kristallenen Meer! Amen. (Rudolf Wenger)