Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Dem jungen Volk muss man einbilden, ihre Eltern an Gottes Statt vor Augen zu halten und also zu denken, ob sie gleich geringe, arm, gebrechlich sein, dass sie dennoch Vater und Mutter sind, von Gott gegeben. Des Wandels oder Fehls halben, sind sie der Ehren nicht beraubt. So lerne nun zum Ersten, was die Ehre gegen die Eltern heiße, nämlich, dass man sie vor allen Dingen wert und herrlich halte, als den höchsten Schatz auf Erden. Danach auch mit Worten sich züchtig gegen sie stelle, nicht übel anfahre, poche und poltere, sondern lasse recht haben und schweige, ob sie gleich zu viel tun. Zum dritten, auch mit Werfen, das ist, mit Leib und Gut, solche Ehre beweise, dass man ihnen diene, helfe und versorge, wenn sie alt, krank, gebrechlich, oder arm sind, und solches alles nicht allein gern, sondern mit Demut und Ehrerbietung, als vor Gott, tue! (Martin Luther)
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lang lebst im Land, das dir der HErr dein Gott geben wird.
In diesem Gebot werden die Pflichten der Eltern und Kinder gegeneinander eingeschärft; durch den Vater- und Mutternamen aber werden nach der Sprache der Schrift nicht bloß die leiblichen Eltern, sondern Lehrer und Prediger, alle obrigkeitlichen Personen, Pflege- und Schwiegereltern, Herr und Frau und wer sonst an Eltern Statt ist verstanden. Haben wir uns anzusehen als Väter und Mütter oder als Solche, die Anderen vorgesetzt waren oder sind, so fordert dieses Gebot also von uns gegen unsere Kinder und Untergebene Liebe, Versorgung, christliche Erziehung, fleißiges Gebet, und ein gutes Exempel, wie es alles verbietet, was diesem entgegensteht. Ob aber das Erste bei uns zuträfe oder nicht, habe ich mich noch ferner in diesem Spiegel zu beschauen: ob ich meine Eltern aus kindlichem Herzen geehrt, geliebt und ihnen in allen Dingen, Die nicht wider das Gewissen laufen, schuldigen Gehorsam geleistet, oder ob ich dieselben im Herzen, mit Gebärden, Worten oder Werken verachtet, erzürnt, beleidigt, ihnen Summer und Verdruss gemacht oder wider all ihr Warnen zu böser Gesellschaft mich begeben? Und was die weltliche Obrigkeit betrifft, so prüfe dich, ob du sie als eine göttliche Ordnung angesehen und sie verehrt hast als eine Dienerin Gottes, die das Schwert nicht umsonst trage, sondern zum Schutz der Frommen und Rechtschaffenen und zur Strafe über den, der Böses tut? ob du ihr nicht bloß aus Furcht oder Zwang, sondern um des Gewissens willen untertänig gewesen und das etwa dir von derselben anvertraute Amt treu oder treulos verwaltet? Du musst dich hier prüfen, ob du in deiner Jugend deinen Lehrmeister und hernach die Prediger mit deinem Ungehorsam, Widerspenstigkeit, Verleumdung, Verachtung ihrer gegebenen Erinnerungen und Warnungen und dergleichen nicht betrübt, ihnen ihr schweres Amt sauer gemacht und ihnen vorsätzlich Ursache über dich zu seufzen gegeben hast? Endlich wenn du ein Dienstbote gewesen oder noch bist, ob du deiner Herrschaft getreu und gewogen warst in Einfältigkeit deines Herzens, dass du ihnen dientest als Christo selbst und solchen Willen Gottes tatest von Herzen mit gutem Willen? oder ob du sie hasstest, verleumdetest, ihnen ungehorsam warst, ihren Schaden nicht verhütetest, ja wohl gar veruntreutest und dein Brot und deinen Lohn mit Sünden verdientest? Möge dir doch auch dies dazu helfen, dich selbst zu erkennen, denn der Hauptgrund zur Buße muss gelegt werden durch eine wahre und herzliche Erkenntnis unserer Sünden, Erkenntnis der Sünden aber kommt durchs Gesetz. (Ludwig Hofacker)