Und der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, da er saß an der Tür seiner Hütte, da der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, da standen drei Männer gegen ihm. Und da er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seiner Hütte und bückte sich nieder auf die Erde. Und sprach: Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht vor deinem Knechte vorüber.
Gleichwie ein Mann mit seinem Freunde, also gingst du, Herr, mit Abraham, deinem Knechte, um und kehrtest in Begleitung zweier Engel in seiner Hütte ein. Darum kann der Apostel schreiben (Hebr. 13, 2.): „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn durch dasselbe haben etliche, ohne ihr Wissen, Engel beherbergt.“ Ja, Abraham hat noch größere Gnade erfahren. Er hat nicht allein Engel, er hat dich den Herrn selber unter sein Dach gehen sehen und ob er wohl dessen sich nicht für wert erachtete, so hat er doch nicht umsonst gebeten: Herr, habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe nicht an deinem Knechte vorüber. Sein demütiger Glaube und sein williger Gehorsam gefielen beide dir wohl. Wir kommen freilich auch an jedem Morgen, lieber Herr und Heiland Jesu Christe, und bitten dich, du wollest mit deinem Vater und dem Heiligen Geiste bei uns Wohnung machen. Wir müssen dir aber auch in Demut und zu tiefer Beschämung für uns bekennen, wie der Hauptmann von Kapernaum tat: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach eingehst. Wir möchten sogar, eingedenk unsers ungerechten und unheiligen Wesens, rufen, wie Simon Petrus zu deinen Füßen: Herr, gehe hinaus von mir; ich bin ein sündiger Mensch. Du bist der Reine und Heilige; wie könntest du mit Unreinen und Unheiligen Umgang und Gemeinschaft haben? Doch wissen wir, dass du keinen von dir hinausstößt, der zu dir kommt. Bist du auch der Hohe und Erhabene, der in der Höhe und im Heiligtume wohnt, so verschmähest du doch nicht, die Demütigen Herzens und zerschlagenen Geistes sind. Solche Demütige und Zerschlagene stehen wir denn auch jetzt vor dir und rufen: Herr, haben wir Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht an uns, deinen Knechten und Mägden, vorüber. Kehre in unserem Hause, kehre in unseren Herzen ein. Heilige dir beide, Haus und Herzen, für den ganzen Tag zu deiner Wohnung und zu deinem Eigentum. Wir wollen alles meiden, was dir nicht gefällt. Weiche du nur nicht von uns und verlass uns nicht, dass wir am Abend sagen mögen: Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, welche du auch an diesem Tage wieder an mir und den Meinen getan hast. Amen! (Carl Gottlieb Just)