====== 1. Johannes 3,17====== =====Andachten===== **Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu: wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasst uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.**\\ Wer von Gott mit zeitlichem Vermögen gesegnet ist, soll von seinem Segen dem Nächsten mitteilen, denn wir sind Haushalter und nicht Herren, und haben die Güter empfangen, nicht dass wir sie für uns behalten, sondern dass wir sie unter Gottes Kinder austeilen sollen. Die Kreatur ist dazu erschaffen, nicht dass sie herrschen, sondern dass sie dienen soll. So geht's recht nach Gottes Ordnung und der Kreatur Bestimmung, wenn deine Gabe den Armen erquickt, dein Brot den Hungrigen speist, dein Bier und Wein den Durstigen tränkt, dein Gewand den Nackenden kleidet. Darum wirft es Gott manchem reichlich zu, dass er's reichlich wieder austeilen soll. Hast du viel, so gib viel; hast du wenig, so gib von dem Wenigen, was du gibst, mit einfältigem Herzen. Wir sollen aber im Geben nicht ansehen Gunst, Freundschaft und Beförderung, sondern die Not unseres Bruders. Danach sollen wir unsere Gabe abmessen. Darum gedenke, dass du an deinem Nächsten zum Mörder wirst, wenn du ihn darben lässt; gib dem Armen deine Güter, so sammelst du Schätze im Himmel. Gedenke, dass der Nächste dein Bruder ist, und entzieh dich nicht von deinem Fleisch. Gedenke, dass Gott an dir tun werde, wie du an deinem Nächsten tust. Mancher rühmt sich, er werde hoch von Gott geliebt, und erbarmt sich doch seines durstigen Bruders nicht. Ein solcher Ruhm ist eitel. Wo keine Barmherzigkeit ist, da ist kein Glaube noch Gefühl der Liebe Gottes. Gedenke, dass Niemand Gott von Herzen lieben könne, er übe denn Barmherzigkeit an seinem Nächsten, fühlte seinen Jammer in seinem Herzen und mache sich seines Elendes teilhaftig. Damit wir aber die Liebeskunst recht fassen, malt sie uns Johannes in der kurzen Regel vor: „Meine Kindlein, lasst uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“ Die reine Liebe ist nicht nur Schaum auf der Zunge, sondern eine Kraft im Herzen. Sie redet nicht anders als sie es denkt und meint. Sie gibt mehr, als sie verspricht, und befleißigt sich, dem Nächsten zu dienen aus allen Kräften. Was nützt eine Wolke ohne Regen, ein Baum ohne Früchte, ein Quell ohne Wasser? Willst du recht lieben, so nütze. Gott liebt dich nicht mit Worten allein, sondern mit der Tat. Wie herzlich nimmt er sich deiner Seele an, wie reichlich überschüttet er dich mit Wohltaten! Die ganze Natur beweist ihre Liebe und dient dir mit allem ihrem Vermögen; dir leuchtet die Sonne, dir bringt die Erde ihre Früchte, dir leistet das Wasser seine Erquickung, So tue dem Nächsten auch! (Heinrich Müller.) ---- **Wenn Jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm.**\\ Der Anblick der Not hat insgemein etwas Herz-Aufschließendes und Mitleiden-Erweckendes; aber es fehlt freilich auch nicht an Riegeln, an Vorwand unseres eigenen Unvermögens, an Unwürdigkeit andererseits, womit man das Herz wieder verschließen kann. Die Hand vermag freilich nicht das einmal wie das andere, wenn aber nur das Herz nicht verschlossen ist. Ein Hartherziger nimmt keinen Bedacht auf das, was der Tag des Gerichts an das Licht bringen wird, und was es für Folgen hat, wenn der Herr Jesus sagen muss: „nicht gespeist, nicht getränkt, nicht besucht“; der ist ein Lügner, und je mehr er sich angemaßt hat, je mehr wird er der Wahrheit zu erstatten haben. (Aus den Betrachtungen über das N. Test. von C. H. Rieger.) ---- **Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat, und sieht seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? **\\ Du sollst nicht stehlen,“ spricht unsre Epistel mit dem siebenten Gebot, und danach handelt die Liebe. Aber nicht nur das ist stehlen, wenn man dem Nächsten sein Geld oder Gut nimmt, sondern auch das ist stehlen, wenn man den Bruder darben sieht, wenn man ihn in Not weiß, und gibt ihm nichts, auch wenn man irdisches Gut zum Geben hat. Das fünfte Gebot fordert von uns die gebende Liebe. Woher kommt es doch, dass die Taschen so oft zugeknöpft sind, wenn sie sich öffnen sollten? Woher kommt es doch, dass die Hände so oft geschlossen sind, die doch aufgetan sein sollen? Daher kommt's, weil das Herz verschlossen ist gegen die gebende Liebe. Und wo das Herz der Liebe verschlossen ist, da geht der Mensch an der Not und den Klagen des Bruders vorüber, wie der Priester und der Levit an dem zerschlagenen Manne vorübergingen, der unter die Mörder gefallen war. Es ist ein tieftrauriges Ding um ein verschlossenes Menschenherz. Schön und lieblich ist es, wenn der Mensch sich verschließt gegen die Feinde seiner Seele, wenn er bange ist, dass die alte Schlange sich heimlich ins Herz einschleichen und allen Frieden und alles Glück zerstören möchte. Aber wehe dem Menschen, der sein Herz vor seinem Bruder verschließt! Bei ihm kann auch die Liebe Gottes nicht bleiben, und wo die Liebe Gottes nicht bleibt, da ist die Hölle, auch hier auf Erden schon. Darum sorge, dass dein Herz nicht verschlossen ist, und wenn es sich einmal verschließt, dann ruf hinauf zum Heiland: „Herr Jesu, schließ auf!“ Er kommt und sucht das Schloss deines Herzens, er lässt nicht ab, bis er es findet. Und wenn er das Schloss gefunden hat, dann steckt er den Schlüssel hinein. Der Schlüssel ist sein blutumflossenes Kreuz. Das zeigt er dir und will dich bewegen, dass du ihn allein liebst. Darauf dreht er den Schlüssel um und schiebt den Riegel hinweg, der die Herzenstür verschließt. Der Riegel ist dein kalter Sinn und dein liebeloser Geist. Der Heiland schiebt ihn hinweg mit der großen Gewalt seines Erbarmens. Dann springt die Tür auf, die Liebe Gottes zieht ein, und die gebende Bruder liebe kommt mit ins Herz. Da öffnen sich die zugeknöpften Taschen und die geschlossenen Hände, und du gibst gern für alle Not, für die Not im Hause, für die Not in der Gemeinde, für die Not in der Kirche, für die Not unter den Heiden. Wohl Dem, der gebende Liebe beweist! Lasst uns beten: Freundlicher und gnadenreicher Gott! Du kannst die Herzen der Menschen lenken wie Wasserbäche. Du kennst unser Herz, wenn es verschlossen ist, und siehst unsre Hände, wenn sie nicht gerne geben. Hier kommen wir in dieser Morgenstunde vor Dein heiliges Angesicht und flehen zu Dir, Du wollest uns das Herz mit dem Schlüssel Deiner himmlischen Barmherzigkeit ausschließen. Zieh Du selbst bei uns ein und mache in uns Wohnung. Rüste unsre Hände aus mit der gebenden Liebe, dass wir merken, wohin Dein Wille uns ruft, dass wir hinschauen, wo wir die Not lindern und dem Elend wehren, wo wir die Freude vermehren und das Glück bauen können. Nimm unser Herz ganz hin, Du treuer Heiland! Es soll Niemand drin wohnen, als Jesus allein. Amen. (Wilhelm Hunzinger) =====Predigten===== {{tag>Müller_Heinrich_Andachten Rieger_Christian_Andachten Hunzinger_Wilhelm_Andachten}}