====== Römer 12,16====== =====Andachten===== **Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen!**\\ Ist das nicht zu viel verlangt? JEsus hat es geleistet und wie Er war, so sollen auch wir sein in dieser Welt, und wir können es, denn Er selbst will mächtig sein in unserer Schwachheit. Er will durch Seinen Geist sich in uns verklären, von einer Klarheit in die andere, und wer Ihn recht kennt, dem ist es gar nicht mehr wohl, wenn er nicht alle die Gebote unseres Textes zu befolgen trachtet. Einem Geistesmenschen wird ein solcher Gottesdienst zur anderen Natur, und im Umgang mit JEsu vermag er, was keine menschliche Kraft vermag. „Und was wird man an dem Ziel Herrliches erfahren. Bei dem süßen Saitenspiel Der bewährten Scharen, Da wird nicht mehr Glaube sein, Noch die Feuerproben: Liebe währet da allein Und ein ewig Loben!“ (Sixtus Carl von Kapff) ---- **Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen.**\\ (s.a. Jer. 45,5: **Du begehrst dir große Dinge. Begehre es nicht.**)\\ Trachtet nach Dem, was droben ist; aber trachtet nicht nach falschen Höhen, nicht nach den Höhen, auf denen einst das götzendienerische Israel Opfer brachte. Nicht nach den falschen Höhen des geistlichen Hochmuts und der Selbstüberschätzung; der Sicherheit, die zum tiefen Fall führt; der Ungenügsamkeit, die nicht zufrieden ist mit Dem, was Gott gegeben. Wie viel Unfrieden und Unheil fließt doch aus dem Trachten nach hohen Dingen! Willst du bewahrt bleiben, halte dich herunter zu den Niedrigen. Wie du christlich leben und selig sterben magst, das ist die einfache Aufgabe, die Allen gelegt ist - meine nicht, du müsstest noch nach Höherem trachten. Wie du in deinem Beruf, an deinem Platz die nächsten Pflichten mit täglider Selbstverleugnung und Geduld erfülft, das ist ein Ziel, so hoch, dass du nicht darüber hinaus nach besondern Leistungen zu suchen brauchst. O sei nur im Kleinen, im Alltäglichen treu - mehr fordert Gott von dir nicht, mehr brauchst du auch selbst von dir nicht zu fordern. Gehöre nicht zu den Toren, die unzufrieden mit dem Platz, den ihnen Gott angewiesen, höher hinaus wollen, und missmutig und unruhig von Einem zum Andern treiben, und darum nichts recht und ganz ausrichten. Gehöre nicht zu den Toren, die über Träumen und Hirngespinnsten das tägliche Brot verlieren und den Frieden der Seele. Lass dich nicht mit fortreißen von dem Strome Derer, die in der Sucht zu glänzen, in dem Fagen nach Genuss und Gesellschaft, nach Prunk und Kleiderputz ihr Bestes opfern, den Frieden und das Glück ihres Hauses, die Herzen Derer, die ihnen die Nächsten sind. Erachtet nicht nach hohen Dingen, und damit ihr's nicht tut, zum Himmel die Herzen, im Glauben, in der Hoffnung, in der Geduld! Zum Himmel die Herzen! Der heutige Tag, der Sonntag ruft's uns besonders vernehmlich zu. Zum Simmel die Herzen im Gebet. Großer, emiger Gott, der du in der Höhe und im Heiligtume wohneft und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, vor dir beuge sich unsre Seele und werde stille unser Herz, damit wir bewahrt bleiben vor allen falschen Höhen. Amen. (Adolf Clemen) ---- **Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen.**\\ Mit jedem neuen Worte entfaltet der Apostel das christliche Leben vor unseren Augen immer lieblicher und schöner und führt uns nun zu seiner Vollendung mit den Worten: habt einerlei Sinn unter einander; also nicht bloß einerlei Glauben und Lehre, einerlei Arbeit und Werk der Liebe, sondern auch einerlei Sinn. Das erst ist die wahre Einigkeit und die schönste Freude und Zier des Gemeinschaftslebens, dass nicht bloß einer den andern verträgt und duldet, sondern dass man einerlei Sinn unter einander hat. Es lässt sich das nicht erzwingen, es wird auch Stückwerk bleiben, so lange wir noch den alten Menschen in uns haben, der seinen eigenen Sinn hat; aber es lässt sich erwünschen und erstreben, und es wird gelingen, je reiner die Liebe von aller Selbst sucht wird. Darum fügt auch der Apostel hinzu: Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen! Denn das ist die rechte Schule für die Liebe, dass man sich fleißig darin übe, nicht hinauf, sondern herunter zu steigen, und nicht nach Ehre und Anerkennung, sondern nach einem stillen verborgenen Leben zu trachten und Gott in den geringsten Geschäften eben so treu zu dienen, als wären es die wichtigsten Dinge. Je stiller und anspruchsloser der Wandel, desto mehr muss der alte hoffärtige Mensch sterben, und welche da wünschen, einerlei Sinn zu haben, die mögen nur treu auf dem Wege bleiben, so werden sie dem Ziele näher kommen. Ach HErr, wie ist doch in Deiner Christenheit noch immer so viel Streit und Unfriede, und wie wenig ist einerlei Sinn selbst unter denen, die eines Glaubens sind! Und doch sollen wir unter einander eins sein, wie Du mit dem Vater eins bist. Darum bitten wir Dich um die allernotwendigste Gabe, um den Heiligen Geist, der uns heilige und reinige und Dich in uns verkläre, damit wir gesinnt werden, wie Du gesinnt bist, und wandeln, wie Du gewandelt hast. Lass uns eins sein, völlig eins, dass nichts das Band der Liebe und Eintracht störe, das sich um alle Deine Glieder schlingen soll, und wir mit einander immer mehr wachsen und zunehmen in der Heiligung und durch unsern Wandel verkündigen Deine Tugenden, der Du uns bekehrt hast von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. Amen. (Hermann Haccius) ---- **Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen.**\\ Mie ein Schmuckkästlein voll Gold und Edelstein ist unsre Epistel. Und eine sonderlich hell glänzende Perle ist das Wort: „Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen.“ Es wendet sich dieses Wort gegen unsren Stolz und Hochmut, der doch nie den Menschen glücklich machen kann. Uns geht es doch so oft wie den Jüngern des Herrn, die sich manchmal gestritten haben, wer von ihnen der größte wäre. Da stellt einmal Jesus ein Kind in ihre Mitte und spricht: „Wer sich selbst erniedrigt, wie dies Kind, der ist der größte im Himmelreich.“ Die Jünger haben nach hohen Dingen getrachtet, Einer gönnte dem Andern den Ehrenplatz nicht. Ach, und so ist unser armes Herz viel tausend Mal! Wir wollen höher steigen, wollen mehr gelten, als der Bruder, und wenn der Nächste von unserm Herrgott reicher gesegnet ist, das beißt Einem so leicht in die Seele hinein, als wenn da ein Hündlein beißt. Und das tut weh. Uns geht es so oft wie den Leuten, die den Turm von Babel bauen wollten. Was hat sie dazu getrieben? Sie wollten sich einen Namen machen, die haben nach hohen Dingen getrachtet. Einen Namen will man sich so gern machen. Es liegt etwas in uns, das will immer nicht zufrieden sein. Vor uns steht der Hochmutsbaum und trägt glänzende, goldene Früchte. Gott spricht: Hüte dich, hüte dich! Aber die Schlange kann so lieblich locken: Pflück ab! Pflück ab! Wir pflücken ab und kommen nach Hause. Und wenn man dann in der Stille ist, in seinen vier Wänden, und Niemand ist dabei, nur die Uhr an der Wand lässt ihr eintöniges Ticken vernehmen - da brennt es, da merken wir, dass die Schlange uns gestochen hat. Die Gefahr ist so groß, darum höre: „Trachtet nicht nach hohen Dingen.“ Und wehe, wenn der Hochmut uns gebunden hat! Es gibt ein Gesetz im Reiche Gottes, und das Gesetz lässt sich nicht ändern: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden.“ Wie Mancher ist sehr klein geworden, der sich gar groß vorkam, nicht bloß Nebukadnezar, auch andre Leute! „Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein.“ Darum trachte nicht hoch, du könntest sonst mit sausender Eile in die Tiefe fahren. Lerne von Jesu, der war „von Herzen demütig“, der hat auch deinen Hochmut mit seinem Blut bezahlen müssen. Lasst uns beten: Wir kommen vor Dein heiliges Angesicht, Du ewiger Gott, und klagen Dir unser Leid, dass der Hochmut unser armes Herz so oft verführt und uns in die Eitelkeiten des Lebens hinein verstrickt hat. Es ist uns das aber von Herzen leid, und wir sind traurig über all den Schmerz, den wir Dir bereitet haben. Nun bitten wir Dich, heile Du wieder den giftigen Stich der Schlange, die uns verderben will, und vergib uns all unsren Stolz und Übermut. Lass uns mit diesem Morgen geistlich auferstehen und in einem neuen Leben wandeln, dass wir es lernen, von Herzen demütig zu werden. Herr, wir müssten ja sonst zu Schanden werden, wenn Du mit uns handeln wolltest, wie wir es verdient haben. In Deine Hände legen wir uns ganz und gar und möchten gerne Kinder werden, die recht selig und glücklich sind. Herr, erhöre uns! Amen. (Wilhelm Hunzinger) ---- **Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den niedrigen. **\\ Was ist denn aber nun unter einem niedrigen, gebeugten Sinn zu verstehen? Es ist dies nicht eine geistliche Niederträchtigkeit, wie viele meinen, die keinen geistlichen Verstand haben, da man sich schlechter machen will, als man selbst zu sein glaubt, da man vor Gott und Menschen ein gewisses niederträchtiges, gleißnerisches Wesen annimmt, in welchem keine Wahrheit ist. Ach nein, im Gegenteil, ein Christ hat bei aller Beugung und Armut des Geistes im Glauben einen königlichen, gegen Satan, Welt und Sünde trotzigen Geist, nicht einen Trotz und Hochmut, wie ihn die Kinder dieser Welt in ihrer Torheit ausüben, sondern einen getrosten Mut im Glauben an den allmächtigen HErrn, nicht im Vertrauen auf sich selber, sondern auf den Arm und die Kraft und den Geist und das Blut dessen, vor welchem alle Widersacher sind wie Spreu, die der Wind zerstreut, und wie Stoppeln, die das Feuer verzehrt, und der gesagt hat: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Dieser niedrige, gebeugte Sinn ist also kein heuchlerisches, unwahres, gemodeltes, formiertes Wesen; er ist auch nicht das, was die Welt Höflichkeit und Bescheidenheit nennt, worunter oft der größte Hochmut verborgen liegt, obgleich diese äußern Tugenden bisweilen Demut genannt werden von denen, welche keine geistlichen Augen haben: dieser Sinn besteht vielmehr darin, dass Gott dem Menschen in die Tiefe des Herzens durch seinen Geist kleine Gedanken von sich selber, wahrhaft bußfertige Gedanken schenkt, so dass man die Menge und Größe seiner Verschuldungen kennt und empfindet, auch sich seines verdorbenen Herzenszustandes, seiner von der Sünde gänzlich vergifteten und verunreinigten adamischen Natur bewusst ist, ohne darum zu verzagen, sondern als ein ganz armer, von allem Guten entblößter Mensch nur auf die Gnade, auf das ewige Erbarmen Gottes, auf das Opfer, das einmal dargebracht ist, baut, und auf diesem als auf dem einzigen Grunde unserer Seligkeit gläubig und vertrauensvoll niedersinkt. Dies ist im Allgemeinen der Zustand eines Menschen, von dem man mit Wahrheit sagen kann: er hat einen niedrigen, gebeugten Sinn. (Ludwig Hofacker) =====Predigten===== {{tag>Kapff_Sixtus_Andachten Clemen_Adolf_Andachten Haccius_Hermann_Andachten Hunzinger_Wilhelm_Andachten Hofacker_Ludwig_Andachten}}