======Johannes 4,27====== =====Andachten===== **Und über dem kamen seine Jünger, und es nahm sie wunder, dass er mit dem Weibe redete.**\\ Seht unsern Herrn und Meister, wie er mit göttlicher Kunst und Erfahrung einer einzigen Seele nachgeht. Wir meinen so oft, wir müssen große Versammlungen halten, Aufsehen erregen, jede Tat mit Pauken- und Trompetenschall begleiten lassen. Der Herr möge in uns den Trieb wecken, im stillen Gutes zu tun, heimlich, wenn niemand zusieht, wenn kein Jünger in der Nähe ist. O, möchten wir doch den Wert einer einzigen Seele so hoch schätzen, dass wir es nicht für verlorene Zeit halten, Tage lang einer Gefallenen oder einem Trinker nachzugehen, um sie zu Jesus zu führen. Selig, wer im stillen wirkt, unbekümmert, ob Menschen von ihm hören, und seinen Lohn nur vom Herrn erwartet. Nach des Tages Last und Hitze fand der Herr seine Erholung im Gespräch mit einer Frau, die viele von uns keines Blickes gewürdigt hätten. Wie bereit war er, mit ihr zu reden und ihre Fragen zu beantworten. Jene dreißig Jahre, die er in der Stille in Nazareth gelebt hatte, waren nicht verloren. Durch Gemeinschaft mit Gott und durch Beobachtung der Menschen lernte er in seiner Zurückgezogenheit Gottes Sinn und des Menschen Wesen verstehen und die menschliche Seele behandeln. Die Menschenseelen werden zum Heil geführt durch solche Milde und Weisheit, wie der Heiland sie gegen die Samariterin übte; sein geheimnisvolles Wesen lockte sie an und zog sie zu der Wahrheit hin. Die wenigen Worte, die er mit ihr sprach, übten eine wunderbare, segensreiche Macht auf sie aus. Dem Herrn gilt das Wort des Propheten: „Der Herr Herr hat mir eine gelehrte Zunge gegeben, dass ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden.“ (Charles Haddon Spurgeon) ---- **Und über dem kamen seine Jünger, und es nahm sie wunder, dass er mit dem Weibe redete. Doch sprach Niemand: Was fragst du? oder, was redest du mit ihr?**\\ Es war etwas Befremdliches, was die Jünger den Herrn tun sahen, als sie Ihn mit einem samaritischen Weibe sprechend fanden; doch war die Ehrfurcht vor Ihm zu groß, als dass sie es gewagt hätten, Ihn nach der Ursache Seines Tuns zu fragen. Und so kommt auch uns das Tun des Herrn oft recht verwunderlich vor, und es schwebt auch uns oft die Frage auf den Lippen: Was tust du? Allein wir haben Scheu sie auszusprechen, und mit Recht, denn sie würde, also gestellt, einen leisen Vorwurf, eine Beschuldigung enthalten, von welcher sich der Herr uns gegenüber reinigen sollte. Wir fühlen dies durch, fühlen das Ungehörige und Sündige einer solchen Frage, und legen die Hand auf den Mund und schweigen. Denn wer sind wir, dass wir zu dem Herrn sagen dürften: Was machst Du? Sagt auch eine Säge zu dem, der sie zieht: Was machst du? Oder sagt auch der Ton zum Töpfer, der ihn formt: Was machst du? Hat auch die Kreatur gegen ihren Schöpfer ein Recht? Darf sie Ihn zur Rechenschaft ziehen und von Ihm Antwort verlangen, wenn sie Ihn beschuldigt? Und doch bleibt die Frage: Was machst du? auf unsern Lippen, und einmal erhoben, verlangt sie auch Antwort. Und sie darf auch gestellt werden, wenn nur keine Forderung daraus gemacht wird und die Beschuldigung wegbleibt, wenn die Frage eine demütige Bitte wird. Oder sollten wir etwa die Frage unterdrücken aus Besorgnis, das Tun des Herrn möge nur willkürlich oder ungerecht gewesen sein, und es gebe keinen hinreichenden Grund dafür? Solch ein Zweifel enthält doch auch eine arge Beschuldigung. Nein, wir dürfen, wir sollen es glauben, alles Tun des Herrn ist lauter Weisheit, Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit: „Sein Tun ist lauter Segen, Sein Gang ist lauter Licht.“ Und wenn uns auch solches nicht immer erkennbar ist, so dürfen wir getrost den Grund davon in unsrer menschlichen Kurzsichtigkeit und Verkehrtheit suchen, denn so viel der Himmel höher ist denn die Erde, sind auch Seine Gedanken höher, denn unsere Gedanken, und Seine Wege höher denn unsere Wege. Wir dürfen die Frage wohl stellen: Was tust du? Aber wir müssen uns auch mit der Antwort zufrieden geben: Was ich jetzt tue, das weißt du nicht, du wirst es aber hernachmals erfahren. Ja, wir dürfen nicht allein, wir sollen auch fragen und forschen nach dem Tun des Herrn; denn eben dazu offenbart Er es uns, ebenso gut wie Sein Wort. Es muss uns dabei nur zweierlei stets gegenwärtig bleiben, nämlich, dass der Herr nie Unrecht hat, und dass wir blinde Sünder sind: Bei den Heiligen bist du heilig, bei den Frommen bist du fromm, aber bei den Verkehrten bist du verkehrt. Wollten wir an den großen Taten des Herrn, welche Er dereinst getan hat und welche Er noch tut, im Leben der Völker, wie in unserem eigenen Leben, teilnahmslos vorübergehen, so würde uns mit Recht des Herrn Wort treffen: Ihr Heuchler, des Himmels Gestalt könnt ihr urteilen, aber die Zeichen dieser Zeit könnt ihr nicht urteilen? Sind etwa die Taten, die Führungen, die Wege des Herrn nicht der Beachtung und des Fragens mehr wert, als was wir morgen für Wetter haben werden? So frage denn den Herrn: Was tust du? Aber frage als Kind und nicht als Richter. (Anton Camillo Bertoldy) =====Predigten===== {{tag>Spurgeon_Charles_Andachten Bertoldy_A_Andachten}}