======Johannes 17,16====== =====Andachten===== **“Sie sind nicht von der Welt, gleich wie ich auch nicht von der Welt bin.“**\\ Dass Jesus nicht von der Welt war, steht außer allem Zweifel. Was aber sollen wir zu der Gleichung sagen, die er zieht, dass seine Jünger in diesem Punkt auch ihm gleichen? Das kann nur bedeuten, dass das eine Stück neuen Lebens, das sie durch seinen Geist empfangen haben, nicht von der Welt stammt, sondern aus ihm. Sonst ist ihr äußeres Leben nicht viel anders, als ordentliche, ehrbare Weltmenschen es auch unter dem Einfluss christlicher Zucht und Sitte haben können. Der Hauptunterschied, das total Neue, steckt unsichtbar (unser Leben ist verborgen mit Christo) in ihrem Herzen und Willen, in ihrer Gesinnung und ihren Trieben, in ihrem Hassen und Lieben. Jeder muss wohl für sich selbst ganz überzeugt sein, dass er diesen wesentlichen Unterschied von der Welt in sich trage, aber über andere erlaube er sich nicht schnell ein Urteil. Mancher ist in christlicher Luft erwachsen und hat sich so die Formen der Gläubigen angewöhnt, dass man ihn auf den ersten Blick für „nicht von der Welt“ halten muss. Wenn man aber seine Stellung zum Geld, sein Benehmen gegen die Nächsten, seine Gesinnung betreffs Eitelkeit und Empfindlichkeit kennen lernt, wird man sagen müssen, es sei doch Welt - nur an manchen Stellen fromm angestrichene Welt! //Herr, erlöse uns von allem frommen Scheine, dem das innere Wesen und die Wahrheit der Gesinnung nicht entspricht. Hilf uns zum vollen Siege der Wahrheit in allen Stücken, damit man an uns sehe, was wir sind, nämlich dein Eigentum. Amen.// (Samuel Keller) ---- „**Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch Ich nicht von der Welt bin.**“ \\ Gott, ich begehre diese Nacht in Deiner Gegenwart zu sein, und bitte Dich, Du wollest mich segnen. Mein Gebet müsse vor Dir taugen, wie ein Räuchopfer. Mein Abendopfer müsse aus einem wahrhaft dankbaren Herzen zu Deinem Throne aufsteigen! Wie viele Beweise Deiner Güte und Freundlichkeit habe ich auszuzählen und wie tief muss ich die Undankbarkeit meines eigenen Herzens beklagen! Meine Sünden reichen an die Wolken, ihrer sind mehr, denn des Sandes am Meer. Deine Augen sind zu rein, als dass sie ertragen könnten das Böse. Deinem forschenden Blicke kann ich mich nicht entziehen, alle Dinge sind bloß und aufgedeckt vor den Augen Dessen, vor dem ich stehe. Herr, ich muss beklagen die Geneigtheit meines bösen Herzens, abzuweichen von Dir, dem lebendigen Gotte. Ich bekenne Dir gebeugt den überwältigenden Einfluss der irdischen Güter, die Zaubermacht der sündigen Welt. Wie geneigt bin ich, ihren bösen Maximen und unheiligen Künsten mich gleichzustellen! Wie oft finde ich mich selbst in der Reihe derer, so irdisch gesinnt sind! Meine Seele klebt am Staube, anstatt sich aufwärts zu schwingen zu Dir, meinem einigen Trost und Teil. Herr, es ist mein ernstlich Flehen, dass Du mich von dieser Welt entwöhnen möchtest. Bring mich zurück von dem ängstlichen Eingenommensein durch die sichtbaren Dinge, von aller bangen Sorge und Verwirrung durch das Mancherlei dieser Erde und führe mich zu dem Einen hin, das not ist. Brich jeden Zauber der verführerischen und verlockenden Welt; entkleide die zeitlichen Dinge von ihrem falschen und täuschenden Glanze; mache mich durch die heilsame Zucht Deiner Vorsehung los von allem, was flüchtig, ungewiss, wandelbar und vergänglich ist; und verbinde mich aufs Festeste mit den Gütern, die unbeweglich sind und ewig bleiben! Erhalte mir mein Bürgerrecht im Himmel, und flöße mir immer mehr den wahren Pilger-Geist ein, welcher nicht auf das Sichtbare sieht, sondern auf das Unsichtbare, und entgegeneilt einer besseren ewigen Heimat. Vergib mir die Sünden des vergangenen Tages; wasche die blutrote Schuld hinweg mit dem Blute der Besprengung. Bringe mich immer näher zu Dem, welcher in Wahrheit ist zugleich Zuflucht, Erbteil und Heiland seinem Volk. Mein Herz freut sich bei dem Gedanken, dass Er für jede Wunde einen Balsam, für jedes betrübte Herz einen Trost und für jede Träne eine Linderung hat. Auf Seinen Arm mich lehnend, will ich den Weg durch die Wüste dieses Lebens fortsetzen. Dein Heiliger Geist aber wolle in mir das gute Werk der Heiligung, das Er angefangen, auch vollführen, bis an den Tag Christi. Er erleuchte und belehre, stärke, kräftige und tröste mich und mache mich nach der Gnadenverheißung immer mehr heilig, wie Du heilig bist. Lass auch meine Lieben \\ Keine Not betrüben, \\ Sie sind mein und Dein; \\ Schließ uns mit Erbarmen \\ In die Vaterarme \\ Ohne Sorgen ein. Ja, segne Alle, die mit mir in Liebe verbunden sind, und wenn die Zeit kommt, wo keine Trennung noch Träne mehr sein wird, dann lass mich und Alle, die mir teuer sind, eingehen zur Freude Deines Angesichtes in Deinem ewigen Reiche. Behüte mich, während ich meiner unbewusst liege und schlafe in den stillen Stunden der Nacht. Lass keine böse beunruhigenden Träume meine Ruhe stören. Beschütze mich vor des Teufels Netzen, vor der Macht der Finsternis, die mir manche Nacht zusetzen und erzeigen viel Verdruss! Lass mich Dich, o wahres Licht, nimmermehr verlieren nicht! - Erhalte tief in der Seele die gewisse Zuversicht, dass Du mein Gott mein Trost und mein Teil bist, und lass mich erwachen in dieser Gemeinschaft mit Dir, durch Jesum Christum, meinen einigen Herrn und Heiland. Amen. (John Ross MacDuff) ---- **Sie sind nicht von der Welt, gleich wie auch ich nicht von der Welt bin.**\\ Die Kinder Gottes, die durch das Opfer Jesu geheiligt und in Christo neue Kreaturen geworden sind, wandeln hier in dieser Welt zusammen mit den Kindern des Unglaubens, die sich durchs Opfer des Heilandes nicht erretten und neu machen lassen. Wenn aber auch die wahren Christen in der Welt sind, so sind sie doch nicht von der Welt, wie in unserm Spruch der Herr von seinen Aposteln sagt. Das Kind Gottes lebt in der Welt, so gut wie das Kind des Unglaubens; der Christ muss essen und trinken auf dieser Welt, Sonnenschein und Regen schickt ihm unser Gott, durch Weinen und durch Freude geht sein Weg; in Arbeit und Mühe verläuft seine Zeit; sein Herz schlägt nicht langsamer als andre Herzen; sein Blut läuft nicht rascher, als andres Blut. Er muss sterben, wie jeder Mensch. Der Jünger Jesu kann nicht aus der Welt herauslaufen, und er soll es auch nicht. Darum sagte der Herr Christus, als er für seine Jünger betete: „Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nimmst.“ Wenn nun aber das Kind Gottes auch in der Welt ist, so ist es doch nicht von der Welt. Die Kinder des Unglaubens sind von der Welt. Wer von der Welt ist, der ist ein Kind der Welt, er lässt sich speisen von der Welt, er sucht seinen Frieden auf der Welt, er jagt nur nach Gütern dieser Welt. Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Wesen - das ist Alles, was er hat und kennt, denn mehr hat und kennt die Welt ja auch nicht. Von alledem aber sollst du frei sein, wenn du Gottes Kind bist. Mitten im Leben dieser Erde sollst du die Himmelsspeise der Seele nicht vergessen, das Wort vom Kreuze, das uns jetzt sonderlich bewegt, und sollst den Frieden der Ewigkeit bewahren und nach den Gütern der zukünftigen Welt trachten. - Es ist ein schmerzliches Ding, dass dieser große Riss durch die Menschheit geht, dass sie in diese zwei großen Teile sich spaltet. Bist du ein Gotteskind, arbeite mit, dass Seelen gewonnen werden für das Reich Gottes, dass der Kinder des Unglaubens weniger werden. Lasst uns beten: Allmächtiger, heiliger Gott! Siehe auf uns hernieder und merke, wie wir mitten in der Welt des Unglaubens unsern Wandel führen müssen. Du hast uns durch das heilige Opfer Deines lieben Sohnes aus der Welt herausgerettet und zu Deinen Kindern gemacht. Dafür danken wir Dir und kommen zu Dir mit der herzlichen Bitte: Hilf uns, dass wir unser Leben in dieser Welt führen, wie sich's gebührt; dass unser Herz im Himmel wohnt, auch wenn wir auf dieser Erde unsre Häuser bauen. Sorge Du selbst, dass wir die Ewigkeitsspeise nie verachten und den Frieden Deines Himmels schmecken dürfen, so lange wir leben. Lege auch in dieser Morgenfrühe den Segen Deines heiligen Leidens uns in die Seele. Amen. (Wilhelm Hunzinger) =====Predigten===== {{tag>Keller_Samuel_Andachten MacDuff_John_Andachten Hunzinger_Wilhelm_Andachten}}