======Psalm 1,3====== =====Andachten===== Der immer grüne Fruchtbaum im reich bewässerten Boden, das ist ein herrliches Gleichnis für ein gelingendes Leben, ein Baum, der auch im Sturme steht, nicht ein zitterndes Gras oder schwankender Halm, ein immergrüner Baum, nicht ein winterlich kahl gewordener, weil sein Saft vertrocknet und sein Leben stockt, ein fruchtbringender Baum, der nicht nur sich selbst das Wachstum verschafft, damit er mit hochgehobenem Wipfel im Schmuck seiner Blätter prange, sondern der in das Ganze der Natur hineingestellt ist, andere nährend, wie er selber genährt wird, und gebend, wie er selber empfängt. Schwerlich kann man unser menschliches Los schöner darstellen. Wem gilt dieses Gleichnis? Dem, der am Gesetz des Herrn seine Lust hat und es sich ohne Unterbrechung vorsagt, sei es Tag oder Nacht. Wie könnte mein Leben gedeihen, wenn es von Gottes Willen geschieden wäre und wie könnte ich seinen Willen erfahren anders als durch sein Gesetz? Ich weiß, dass an Gottes Gesetz mein Fall und meine Schuld entsteht. Weil Gottes Gesetz zu uns spricht, sind wir Sünder. In meinem Unheil wird aber die Heilsamkeit des Gesetzes offenbar und mir gezeigt, dass ich nur in der Erfüllung des göttlichen Willens mein Heil finden kann. Nur im Gehorsam gegen Gottes Gebot hat mein Werk Wurzeln, die ihm Kraft zuleiten, und nur so bringt es Frucht hervor, die den anderen dienen kann. Darin ist Gottes Gnade offenbar und wirksam bei uns, dass er sein Gebot mit lebendiger Schrift in unseren Willen schreibt und ihn seinem Willen gehorsam macht.\\ Ich habe Lust, Herr, zu Deinem Gebot. Fülle es mit Kraft, dass es nicht ein Buchstabe für mich bleibe, sondern mich mit schaffender Kraft in Deinen Gehorsam leite. Ich strecke mich nach Deiner Verheißung, die mir Bestand, Gedeihen und Fruchtbarkeit verheißt. Ich darf und will sie von Deinem Gebot nicht trennen. Darum ist mein Gebot: schreibe mir Dein Gebot in mein Innerstes; dann wird aus Deinem Gebot mein Werk nach Deinem Willen. Amen. (Adolf Schlatter) ---- **“Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, das gerät wohl.“**\\ Im Morgenland insbesondere ist es von großer Wichtigkeit, dass ein Baum an einer Stelle steht, in deren Nähe Wasser ist, weil es sonst zu dürr und trocken ist, so dass der Baum nicht recht fortkommen kann. Dies ist bei uns nicht ganz dasselbe, da der Boden auch sonst feucht genug ist. Ein-Baum 'nun, der da steht, wo er Feuchtigkeit nach Bedürfnis hat, bringt Frucht; und wo es nicht so ist, trägt er wenig oder keine Frucht, oder welkt er bald zusammen. Der Gerechte nun, welcher vorher geschildert ist, als Einer, der von den Gottlosen, welche ungescheut das Gesetz Gottes übertreten, sich fern hält, und der Lust hat zum Gesetz des HErrn und davon redet Tag und Nacht, bekommt, will David sagen, beständig seine Lebensnahrung vom HErrn, wie der Baum vom wasserreichen Boden. Weil er sich an Gott hält, ist eben Gott gleichsam der Bach, an dem er als Baum gepflanzt ist. Von Gott und Seinem Worte fließt ihm die nötige Erkenntnis, die nötige Kraft und der nötige Segen zu, dass er zum Gedeihen kommt. Die Wertschätzung und Betrachtung des Worts Gottes, was unter Gesetz Gottes in weiterem Sinne verstanden ist, gibt ihm Tüchtigkeit zu Allem. Je mehr sein Geist darnach sich bildet, und er der Gerechtigkeit sich befleißt, dass er seinen Grundsätzen auch lebt und in der Gottesfurcht sich hält, im Kleinen und Großen, desto reichlichere Früchte kann er bringen zu seiner Zeit, und desto mehr ist er vor dem Verwelken gesichert. Wenn es heißt, dass er zu seiner Zeit Früchte bringe, so ist damit gesagt, dass er's bei keiner Gelegenheit, da er's zeigen sollte, wer er ist, fehlen lässt. Der Gelegenheiten, die Gott ihm gibt, Ihm gleichsam Früchte darzureichen, gibt's in diesem Leben viele. Da wartet der HErr und warten die Engel darauf, dass er's gebe. Merken wir uns das! Das Leben kann längere Zeit so schlicht hingehen, da man's nur im Kleinen beweisen muss. Aber es gibt auch Zeiten, da sich's besonders erproben muss, dass man des HErrn ist, da man von der Furcht Gottes nicht weichen darf, und die Frucht des Geistes erwartet wird, die da ist „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit,“ wie es Paulus uns lehrt (Gal. 5, 22). Das ist's, wenn's mit dem Baum verglichen wird, der Früchte bringt zu seiner Zeit. Dazu wissen wir, dass eine große ernste Erntezeit kommen wird, da der Baum nicht früchteleer sein darf. Auf diese Zeit bezieht sich auch die Verheißung, dass seine Blätter nicht verwelken. Denn da wird dargereicht werden „das unvergängliche und unbefleckte und unverwelkliche Erbe, das behalten wird im Himmel“ (1 Petr. 1, 4). Übrigens lässt's Gott an Seinen Gnaden einem Gerechten schon hienieden nicht fehlen. „Was er macht, das gerät wohl,“ heißt's im Psalm. Er darf den Segen und die Hilfe und Freundlichkeit Gottes in Allem erfahren, was er auch vornehmen mag, ob er daheim ist oder draußen, ob er Großes oder Kleines tut, ob er Leid hat oder fröhlich ist; in Allem ist der Segen und die Hilfe Gottes fühlbar. Versuche es nur Einer, in Allem Gott vor Augen zu haben; und er wird sehen, zu welchem Guten das ausschlägt. (Christoph Blumhardt) ---- „**Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Früchte bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, das gerät wohl.**“\\ Das ist der Mensch, der vor Gott und Menschen gerecht sein will. Ein solcher bekommt auch Anteil an allen gegebenen Gnaden von oben, im Alten Bund an den Gnaden, die von dem Gott Israel in mannigfacher Weise ausgingen, und im Neuen Bund an den Gnaden, die durch Christi Tod und Auferstehung mit dem Heiligen Geist uns zugeschickt sind. Der, der mit Entschiedenheit ein Gerechter sein will, ist eingehüllt in lauter Freundlichkeiten Gottes. Wenn nur alle Menschen so wären, dass sie den Sinn hätten, gerecht zu sein; wie viel Herrlichkeiten Gottes würden ihnen bald gegeben! Namentlich kann Gott mit einem solchen Menschen reden durch den Heiligen Geist. Denn der Heilige Geist kann nirgends hin, wo nicht der redliche Sinn ist, recht sein zu wollen vor Gott und Menschen. Zur Falschheit, Heuchelei und Bosheit kann der Heilige Geist nicht kommen. Deswegen kann man es bald merken, ob bei Jemand ein Stück Erkenntnis von oben ist und eine stille freundliche Mitteilung von oben stattfindet, oder nicht. Bei denen, deren Sinn noch auf Verkehrtes gerichtet ist, wird man wenig oder nichts von Zuflüssen des Geistes verspüren. Bei anderen aber ist's so, dass im Augenblick alles, was sie vom Heiland hören, zündet und den inneren Menschen anfacht. Also die Schrift hat, wenn sie von Gerechtigkeit redet, nicht den schroffsten Sinn von Gerechtigkeit im Auge. Die Menschen, einmal in Sünde eingetaucht, können nur in so weit gerecht genannt werden, als sie den Sinn haben, es zu sein. Das treibt sie dann zu JEsu hin, und der kann es machen. Die Hauptsache ist, dass Gott bei einem Menschen sieht, dass er will, und wenn er nach Ungeschicklichkeiten wieder Buße tut, tritt Gottes Gnade auch wieder ein, dass selbst Sünder gerecht genannt werden. (Christoph Blumhardt) =====Predigten===== {{tag>Schlatter_Adolf_Andachten Blumhardt_Christoph_Andachten}}