======Psalm 137,1 ====== =====Andachten===== Sitzen wir auch nicht, wie Israel um seiner Abgötterei willen, zur Strafe an Babels Flüssen in der Gefangenschaft, so ist doch Babels genug sowohl in der Welt außer uns als in der Welt unseres verderbten, fleischlichen Herzens, dass wir davor nicht eines recht fröhlichen Augenblicks genießen können. O wie quält uns unser Fleisch von innen, wie drückt und verhöhnt uns die Welt von außen! Was ist das für ein Babel, Wie schallt nicht immer fort das Edomslied: rein ab, rein ab, bis auf ihren Boden! Ginge es nach den Kindern dieser Welt, so würde längst nichts mehr von uns übrig sein. Wahrlich, wir leben in einer Welt, da wir mehr Ursache haben, in Traurigkeit zu weinen, als in eitler Freude zu lachen. Vor allem sind es unsere Sünden, unser Undank gegen Gottes Wohltaten, die uns fortwährend anklebenden Schwachheiten, die Kaltsinnigkeit unseres Gebets, die Mattigkeit unseres Glaubens, unserer Geduld und Hoffnung, namentlich unsere vielfachen Untreuen, über die wir Blut weinen möchten. O bewahre uns nur, getreuer Gott, dass wir uns ja nicht verführen lassen, in das Weltlied Babels mit einzustimmen und Deiner, unseres Herrn, darüber zu vergessen; wir wollen uns eher lassen unsere Zungen an dem Gaumen kleben, als dass wir Deiner nicht gedenken sollten. Mache uns nur stark durch Deinen Geist, dass wir die fleischlichen Lüste und Begierden in uns als rechte Babelskinder und Feinde unserer Seelen bei Zeiten zerschmettern und also das Böse überwinden, auf dass wir unser Harfen dort in dem neuen Jerusalem wieder nehmen und Dir und dem Lamme, das für uns erwürget war, das neue Lied anstimmen dürfen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. (Friedrich Arndt) ---- **An den Wassern zu Babel saßen wir, und weinten, wenn wir an Zion gedachten.**\\ Das Heimweh ist eines der schrecklichsten Wehe des Herzens. Man erzählt von Schweizersoldaten, dass sie in fremdem Land am Heimweh starben, weil sie den Kuhreigen spielen hörten. Auch die Israeliten litten in ihrer babylonischen Gefangenschaft an diesem Herzensweh. Im Übrigen waren sie nicht so unglücklich; es war ihnen früher in Ägypten viel schlechter ergangen. Aber was hilft es, Brot oder ein ordentliches Bett zu haben, wenn man sich in einer Einöde fühlt und um sich herum nicht verstanden wird? Fern von den Gottesbergen der Heimat, saßen jene Armen an den Wasserflüssen Babylons und weinten, wenn sie an Zion gedachten. Man kann aber auch in der Heimat Heimweh haben, wenn man das große Babel um sich herum betrachtet und an Zion gedenkt. Man gehe an einem Sonntagnachmittag in Paris herum, oder, wenn man will, in andern Städten und Dörfern, was sieht man? Nur Babel, nichts von Zion. Wohl dem, dem die arme gefallene Welt, mit ihren Freuden und Blendwerken, Tränen erpresst! Aber sind wir nicht auch noch in Babel, wenn wir von unserm eigenen eitlen Sinn noch so zu leiden haben? Die arme Weltliebe, das Hängen und Kleben an dem Staub dieser Erde, die vielen Gebundenheiten des Herzens, das doch ein christliches sein will, ist das nicht auch Babel? Die bittersten Tränen sind gewiss die, welche wir über uns selber weinen, wenn wir inne werden, wie der Strom der Eitelkeiten unser Herz noch so fern hält von Dem, der uns geliebt hat. Das Heimweh nach oben ergreift oft so mächtig, und dann sehnen wir uns heraus aus unserm gefangenen Zustand, und ringen und seufzen mit der ganzen Schöpfung nach der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. (Friedrich Lobstein) =====Predigten===== {{tag>Arndt_F_Andachten Lobstein_Friedrich_Andachten}}